Massenselbstmord im Internet verabredet

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Massenselbstmord im Internet verabredet

Japan ist entsetzt durch eine Welle von im Internet organisierten Suiziden. Wieder haben sich sechs junge Japaner im Internet zum Gruppenselbstmord verabredet. Der Holzofen rauchte noch, als die Polizei die Leichen in einem Auto fand.

Japan wird schon wieder von einem im Internet verabredeten Gruppenselbstmord geschockt. Fünf Männer und eine Frau nahmen sich in einem Waldstück vierzig Kilometer vor Tokio in einem Auto das Leben. Die Scheiben waren mit Isolierband abgedeckt, beim Eintreffen der Polizei rauchte das Holzkohle-Feuer, welches das Kohlendioxid in tödlicher Dosis produzierte, noch. Erst anfangs dieser Woche brachten sich ein Mann und zwei Frauen um, nachdem sie dies im World Wide Web gemeinsam beschlossen hatten.

Japan beobachtet die Selbstmordraten mit Sorge, weil die per Internet abgemachten Tötungen eine neue Dimension erreichen: Letztes Jahr wurden 91 Gruppensuizide in 34 mit dem Internet in Zusammenhang stehenden Vorfällen gezählt. Damit hat sich die Anzahl seit 2003 verdreifacht.

«Deprimierte junge Menschen und das Internet sind eine gefährliche Kombination», zitiert CNN den japanischen Psychologie-Professor Mafumi Usui. «Viele spielen hin und wieder mit dem Gedanken, sich selber umzubringen. Allerdings wird der Vorsatz meist nicht ausgeführt.» Das Internet und die Verabredung zur Tat mit einem Gegenüber würden diese Hemmschwelle deutlich senken.

Im Verhältnis zur gesamten Zahl der Selbsttötungen sind die Internet-Fälle aber immer noch wenige. Insgesamt brachten sich 2004 32000 Japaner um, die meisten davon ältere Japaner mit finanziellen Schwierigkeiten.

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