Immunität: Massentests für zu Hause sollen Lockdown beenden

Aktualisiert

ImmunitätMassentests für zu Hause sollen Lockdown beenden

Ein Komitee will mit Immunitäts-Tests «at home» die Wirtschaft in Gang bringen. Ärzte sind skeptisch.

von
B. Zanni
1 / 8
Mit grosser Spannung wird der Exit-Plan aus dem Lockdown erwartet, den der Bundesrat am Donnerstag präsentieren will. Im Hintergrund trifft eine breite Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft jedoch bereits Vorbereitungen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Mit grosser Spannung wird der Exit-Plan aus dem Lockdown erwartet, den der Bundesrat am Donnerstag präsentieren will. Im Hintergrund trifft eine breite Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft jedoch bereits Vorbereitungen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Keystone/Georgios Kefalas
Die Initiative Corona Immunity will ab Mai gezielte Corona-Tests für zu Hause lancieren.

Die Initiative Corona Immunity will ab Mai gezielte Corona-Tests für zu Hause lancieren.

Pieter Stam de Jong
Sie versuchten, verschiedene Stakeholder im Gesundheitswesen an einen Tisch zu bringen, um dank deren Expertise und breiten Datengrundlage einen Beitrag für den Weg aus dem Lockdown zu erarbeiten, sagt Gieri Cathomas, Mitglied des Initiativkomitees sowie Arzt und Unternehmer im Gesundheitswesen.

Sie versuchten, verschiedene Stakeholder im Gesundheitswesen an einen Tisch zu bringen, um dank deren Expertise und breiten Datengrundlage einen Beitrag für den Weg aus dem Lockdown zu erarbeiten, sagt Gieri Cathomas, Mitglied des Initiativkomitees sowie Arzt und Unternehmer im Gesundheitswesen.

Alessandro Crinari

Das öffentliche Leben läuft in der Schweiz seit rund einem Monat auf Sparflamme. Mit grosser Spannung wird der Exit-Plan aus dem Lockdown erwartet, den der Bundesrat am Donnerstag präsentieren will. Im Hintergrund trifft eine breite Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft jedoch bereits Vorbereitungen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Die Initiative Corona Immunity will ab Mai gezielte Corona-Tests für zu Hause lancieren. Unterstützt wird die Initiative von bekannten Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medizin. Zu den Partnern zählen etwa die Krankenkassen Helsana und ÖKK, die Klinikgruppe Hirslanden und die Kantonsspitäler Baden und St. Gallen sowie Verbände wie Santésuisse.

Gezielte Steuerung

Sie versuchten, verschiedene Stakeholder im Gesundheitswesen an einen Tisch zu bringen, um dank deren Expertise und breiten Datengrundlage einen Beitrag für den Weg aus dem Lockdown zu erarbeiten, sagt Gieri Cathomas, Mitglied des Initiativkomitees sowie Arzt und Unternehmer im Gesundheitswesen. Sobald die Immunitäts-Tests als zuverlässig geprüft und weitere wissenschaftliche Fragen geklärt worden seien, könnten in der Schweiz gezielt Tests gestartet werden.

Jan Vichr, Mitglied des Initiativkomitees und Gründer einer Investment-Firma im präventiven Gesundheitswesen, sagt: «Gezielte Tests ‹at home› sind ein wichtiges Instrument, um mehr Menschen testen zu können, ohne das Gesundheitswesen zusätzlich zu belasten.»

Wie das Komitee auf seiner Website schreibt, sammelt die Allianz Informationen über die Ausbreitung des Virus und den Immunitätsgrad der Bevölkerung. Denn wenn man weiss, wie viele Leute wo genau immun sind, lassen sich gemäss den Initianten auch die Distanzmassnahmen besser steuern. Dies trage zum Schutz der Risikogruppen einerseits und zur Reaktivierung der Wirtschaft andererseits bei.

Die Initiative stelle keine Kritik an der Strategie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) dar, so die Initianten. Sie würden sich aber freuen, wenn die Ergebnisse der Initiative einen Beitrag zu den zukünftigen Massnahmen des BAG leisten könnten.

«Tests bringen Dynamik»

«Wir hocken in einer Heim-Falle», sagt der Ökonom und Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger. Es sei deshalb höchste Zeit, dass die Stakeholder aus dem Gesundheitswesen die Köpfe zusammensteckten.

«Wer will, soll einen Immunitäts-Test machen können», so Eichenberger. Er bezeichnet Massentests für den Weg aus dem Lockdown als essenziell. «Obwohl wahrscheinlich nur ein geringer Teil der Bevölkerung immun sein wird, bringen diese Menschen automatisch wieder eine Dynamik in die Gesellschaft.» Mit der Gewissheit, Antikörper gegen das Virus gebildet zu haben, würden sich diese Menschen wieder freier bewegen. «Sie können ihr Geschäft retten, ihre Grosseltern besuchen und ihren Nachbarn helfen.»

Unzuverlässige Tests

Auch Andreas Cerny, Arzt für Infektiologie am Moncucco-Spital in Lugano, beurteilt Immunitäts-Tests als wichtigen Teil der Strategie für den Lockdown-Ausstieg. Am sinnvollsten seien Massentests aber, wenn diese vom Bund herausgegeben würden. «Regierungen und Kantone sind für die koordinierte Anwendung von zuverlässigen Tests besser aufgestellt.» Schnelltests seien weniger sensitiv und fehleranfällig.

Als wirkungsvollste Mittel, die eine Lockerung des Lockdowns beschleunigen könnten, sieht Cerny jedoch in erster Linie gute Medikamente und einen baldigen Impfstoff. «Auch besteht die Hoffnung, dass sich das Virus mit dem Frühling und Sommer abschwächt.»

Positiver Test keine Garantie

Das Lungenfachzentrum Fiechter in Aathal ZH bietet ab nächster Woche Immunitäts-Tests an. Es brauche mindestens sieben Wochen, um die Immunität gegen das Coronavirus nachzuweisen, sagt René Fiechter, ärztlicher Leiter. «Hatte man Anfang März Symptome, die einem Sars-CoV-2 ähneln, wäre es möglich, jetzt den Test zu machen und einen Antikörper-Nachweis zu erhalten.»

Ein positiver Test ist laut Fiechter aber kein Freipass, um sich danach wieder wie vor der Corona-Krise zu bewegen. «Wir verweisen auch immune Patienten weiterhin auf die Hygienemassnahmen und einen vorsichtigen Umgang in der Öffentlichkeit.» Sinn mache der Test vor allem für Risikopatienten, die wissen wollten, ob sie die Krankheit durchgemacht hätten oder nicht.

Deine Meinung