Aktualisiert 27.03.2017 16:52

Balzers (FL)Massentötung von Bibern – WWF geschockt

Umweltorganisationen protestieren gegen das Töten von Bibern in Liechtenstein. Das Land sieht Handlungsbedarf, jedoch keine Eile.

von
jeb
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Biber mit Jungtier im Speckigraben in Schaan FL

Biber mit Jungtier im Speckigraben in Schaan FL

Dani Erni
In der Nacht auf Sonntag 12. März 2017 wurden beim Schlossbach in Balzers FL zwei Biberfallen beschädigt, verunstaltet und danach in den Bach gestossen.

In der Nacht auf Sonntag 12. März 2017 wurden beim Schlossbach in Balzers FL zwei Biberfallen beschädigt, verunstaltet und danach in den Bach gestossen.

Landespolizei FL
Die Landespolizei sucht Zeugen.

Die Landespolizei sucht Zeugen.

Landespolizei FL

«In Liechtenstein wurden in den letzten Jahren insgesamt rund zwei Dutzend Biber teils gefangen und getö-

tet, teils direkt erschossen», empören sich die Umweltorganisationen WWF St. Gallen und Pro Natura St. Gallen-Appenzell in einer gemeinsam verfassten Medienmittelung am Montag.

Allein dieses Jahr seien schon fünf Tiere getötet worden, letztes Jahr vier. «Dieses Vorgehen kommt schon fast an eine Massentötung heran.»

Schäden an Schutzdämmen

Das sei störend, zumal Liechtenstein die Berner Konvention unterzeichnet habe, welche die Tötung von geschützten Tieren, und dazu gehört der Biber, nur in Ausnahmefällen erlaubt.

«Bei der Liquidierung von so vielen Bibern kann nicht mehr von Ausnahmefällen, sondern muss von einer neuen Regel gesprochen

Ein Biber beim Weihnachtseinkauf

Ein Biber wurde in Maryland beim Weihnachtsshopping auf frischer Tat ertappt.

werden. Liechtenstein hat es bisher versäumt, ein Biberkonzept auf die Beine zu stellen», so die Umweltverbände.

Schutzmassnahmen kosten viel Geld

Zudem sei man in Liechtenstein wohl nicht gewillt, Geld für schützende Massnahmen in die Hand zu nehmen: «Man hätte mit baulichen Massnahmen die Schutzwälle längst so befestigen

können, dass die Tiere keine Schäden mehr anrichten können. Diese Befestigungen kosten Geld, doch diese sind für ein mitteleuropäisches Land absolut zumutbar.» Laut «Liechtensteiner Vaterland» würde es rund fünf Millionen Franken kosten, die Hochwasserschutzanlagen bibersicher zu machen.

Claudia Friedl, Biologin und Vorstandsmitglied des WWF St. Gallen und SP-Nationalrätin, stösst sich daran, dass Biber sich im Rheintal ausbreiten, bei Grenzübertritt nach Liechtenstein aber getötet werden.

«Was Liechtenstein macht, ist einfach der billigste Weg.» Ein Zusammenleben von Mensch und Biber müsse möglich sein, der Biber sei ein geschütztes Tier. «Mit geeigneten Massnahmen ist es möglich, Infrastrukturen vor Biberschäden zu schützen.» Einen politischen Vorstoss plane die Nationalrätin nicht. «Ich hoffe, dass Liechtenstein einsichtig wird.»

Liechtenstein sieht Konvention nicht verletzt

Das Land Liechtenstein nimmt zu den Vorwürfen nur schriftlich Stellung: Es werde derzeit darüber diskutiert, wie die Gelder für bauliche Massnahmen optimal eingesetzt werden können. «Hierzu gehen die Meinungen zwischen den Verantwortlichen des Amtes für Bevölkerungsschutz einerseits und den Naturschutzorganisationen andererseits sehr weit auseinander», teilt das Ministerium für Infrastruktur und Umwelt mit. «Der Vorwurf, der Abschuss erfolge allein deshalb, weil es billiger sei, ist somit verfehlt, und damit auch die Aussage hinsichtlich eines unethischen Umgangs mit der Natur.»

Einen Verstoss gegen die Berner Konvention sieht man in Liechtenstein nicht: «Die Konvention lässt Eingriffe in Populationen geschützter Arten aus Sicherheitsgründen zu.» Und genau darum gehe es im Fall des Bibers.

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