Bei StrafverfolgungenMassenüberwachung von Handydaten nimmt zu
Um eine Gruppe von Räubern zu fassen, hat der Kanton Waadt weite Teile seiner Bevölkerung überwacht. Auch andere Kantone setzen vermehrt auf diese Massnahme.
- von
- Claudia Steiger
Darum gehts
- Der Kanton Waadt hat die Handydaten Zehntausender Bürger überwacht.
- Die Staatsanwälte suchten so nach einer Gruppe von Räubern.
- Auch andere Kantone setzen die sogenannten Antennensuchläufe vermehrt ein.
Überfälle auf Geldtransporter sorgten in der Westschweiz im vergangenen Jahr für Aufregung. Mit Kalaschnikows und Sprengstoff hatten die Täter jeweils nachts die Transporter ausgeraubt und Millionen erbeutet. Die Strafverfolger suchten die Täter – mit umstrittenen Mitteln, wie nun bekannt wurde. Dies berichtet die «Aargauer Zeitung».
Der Kanton Waadt setzte auf sogenannte Antennensuchläufe, wie einer offiziellen Bundesstatistik zu entnehmen ist. Die Behörden erfahren damit, welche Handys in einem bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Antenne eingewählt waren, mit wem diese Menschen telefoniert oder Nachrichten geschrieben haben. Und sie erfahren, wer sich wo genau für wie lange befand.
Weitreichende Massnahme
981 solcher Antennensuchläufe setzte der Kanton Waadt im vergangenen Jahr ein und hat damit gleich viele Überwachungen durchgeführt wie der Rest der Schweiz zusammengerechnet. Es handelt sich um die wohl weitreichendste derartige Massnahme, die bisher angewandt wurde. Zehntausende unbescholtene Bürger gerieten ins Visier der Staatsanwaltschaft.
Die Suchläufe haben fast eine Viertelmillion Franken an Gebühren gekostet. Laut Staatsanwaltschaft geht die Überwachung der fast 1000 Antennen auf maximal zehn schwere Vorfälle zurück. Sie verweist auf die Geldstransporter-Überfälle. Ob der Aufwand Hinweise auf die Täter gebracht hat, sagte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das Untersuchungsgeheimnis nicht.
Deutliche Zunahme
An zweiter Stelle in der letztjährigen Statistik taucht der Kanton Aargau mit 310 Suchläufen auf. Der Kanton hatte Antennensuchläufe vor einigen Jahren national bekannt gemacht, als die Methode die Verhaftung des Vierfachmörders von Rupperswil ermöglichte.
Noch vor ein paar Jahren setzten Staatsanwälte Antennensuchläufe nur mit grosser Zurückhaltung ein. 2014 wurden etwas über 100 Funkzellen ausgewertet – letztes Jahr waren es über 1700. Bewilligt werden muss die Massnahme von einem Richter. Die Entscheide sind allerdings geheim.


