Aktualisiert 25.06.2009 14:13

BlauzungenkrankheitMassenverhaftung von Schafen gescheitert

Der Bündner Kantonstierarzt Rolf Hanimann wollte heute Morgen mit Polizeigewalt 120 ungeimpfte Schafe von der Alp holen. Seine Aktion scheiterte am heftigen Widerstand des Bauern.

Mit rund fünf Helfern, einem grossen Lastwagen samt Anhänger und drei Polizisten brach der Bündner Kantonstierarzt Rolf Hanimann heute Morgen (25.6.09) zu einer Unterengadiner Alp auf. Sein Ziel: 120 ungeimpfte Schafe festzunehmen und zurück in ihren Stall im Tal zu bringen. Denn, Tiere die nicht gegen die Blauzungenkrankheit geimpft sind, dürfen gemäss Anordnung nicht zur Sömmerung auf die Alp. Doch der Kantonstierarzt hat die Rechnung ohne den Besitzer der Tiere gemacht. Der vehemente Impfgegner stellte sich dem Trupp in den Weg und hinderte Hanimann und sein Team an der Festnahme der Tiere.

Nach Diskussion Aktion abgebrochen

«Wir haben mit dem Bauern diskutiert, doch er und seine Helfer zogen sich nicht zurück», so Hanimann. Darum wurde die Aktion nach einer Weile unverrichteter Dinge abgebrochen. «Wir wollten nicht mit Gewalt gegen den Tierbesitzer vorgehen», sagt Hanimann. Für ihn ist in der Affäre aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. «Die Situation ist inakzeptabel, der Bauer gefährdet mit seinen Schafen ungeimpfte Jungtiere anderer Bauern.» Welche Schritte er nun im Sinn habe, will er aber nicht preisgeben. Doch eins ist klar: Auch strafrechtliche Massnahmen sind nicht ausgeschlossen.

Fehlgeburten wegen Impfung?

Hintergrund der Aktion ist ein regelrechter Glaubenskampf um Sinn und Unsinn der Blauzungenimpfung. «Der Streit ist durchaus vergleichbar mit dem Impfstreit rund um die Masern bei den Menschen», sagt Hanimann. So glauben die Gegner, die Impfung verursache Fehlgeburten, Totgeburten, lebensschwache Jungtiere, Fruchtbarkeitsstörungen, Euterprobleme und Einbussen bei der Milchqualität.

Studie: Kein Zusammenhang

Eine detaillierte Studie des Bundesamts für Veterinärwesen hat hingegen ergeben, dass es keinen Zusammenhang zwischen den geschilderten Problemen und der Impfung gibt. Die Blauzungenkrankheit hingegen führt bei Kühen, Schafen und Ziegen zu Lahmheit, Fruchtbarkeitsproblemen, entzündeten Eutern oder Mäulern und schlussendlich bei rund zwei Drittel der erkrankten Tiere zum Tod. Besonders gefährdet sind Jungtiere unter drei Monaten, denn sie können noch nicht geimpft werden. Da die Krankheit von Stechmücken übertragen wird, gefährden ungeimpfte Tiere auf der Alp Jungtiere, die ebenfalls zur Sömmerung dort sind.

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