Aktualisiert 19.08.2009 10:49

BundesgerichtsentscheidMasseur schändete Patientin

Das Zürcher Obergericht muss neu über einen Masseur urteilen, der eine Patientin missbraucht hat. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes teilweise gutgeheissen. Nach Ansicht des Gerichts hätte sich das Opfer nach den ersten Übergriffen wehren können.

Der medizinische Masseur hatte im Juni 2006 in seiner Praxis eine Patientin wegen Weichteil-Rheuma behandelt. Als die nur mit einem Slip bekleidete Frau auf dem Bauch lag, berührte sie der Masseur im Intimbereich. Später drehte sie sich in Rückenlage. Auch in dieser Position griff er ihr zwischen die Beine und massierte sie dort.

Das Zürcher Obergericht sprach den Mann im vergangenen Dezember der Schändung schuldig, nachdem er in erster Instanz noch freigesprochen worden war. Es verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 60 Franken.

Auf dem Bauch widerstandsunfähig

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Masseurs nun teilweise gutgeheissen und die Sache zur Neufestsetzung der Strafe ans Obergericht zurückgeschickt. Laut den Lausanner Richtern steht grundsätzlich fest, dass es sich bei den Berührungen im Intimbereich um sexuelle Handlungen gehandelt hat.

Allerdings sei der Tatbestand der Schändung nur in der ersten Phase der Übergriffe erfüllt, als die Frau auf dem Bauch gelegen habe. Nur in diesem Zeitraum sei sie widerstandsunfähig gewesen. Ihre Sicht sei eingeschränkt gewesen und die Berührungen habe sie erst wahrgenommen, als die Tat bereits vollendet gewesen sei.

Bei den anschliessenden Übergriffen in Rückenlage hätte sich die Frau nach Ansicht des Gerichts dann allerdings wehren können. Sie habe zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass es sich nicht um eine übliche Massage handle. Ihre Sicht sei nicht mehr eingeschränkt gewesen und sie hätte sich auf der Bank nach oben ziehen können.

(Urteil 6B_206/ 2009 vom 21.7.2009; keine BGE-Publikation) (sda)

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