Tödliche Gefängnisse: Massiv mehr Todesfälle in syrischer Haft
Aktualisiert

Tödliche GefängnisseMassiv mehr Todesfälle in syrischer Haft

In den letzten fünf Monaten sind 88 Häftlinge in syrischen Gefängnissen ums Leben gekommen. In vielen Fällen gibt es eindeutige Hinweise, dass die Gefangenen an den Folgen von Folterungen gestorben sind.

88 Gefangene sind innerhalb der letzten fünf Monate in syrischer Haft gestorben. Amnesty International liegen Beweise vor, dass die Gefangenen an den Folgen von Misshandlungen gestorben sind.

88 Gefangene sind innerhalb der letzten fünf Monate in syrischer Haft gestorben. Amnesty International liegen Beweise vor, dass die Gefangenen an den Folgen von Misshandlungen gestorben sind.

Amnesty International liegen nach eigenen Angaben Hinweise auf eine massive Zunahme von Todesfällen in syrischen Gefängnissen seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar Assad vor. Innerhalb von fünf Monaten seien mindestens 88 Gefangene in syrischer Haft gestorben, heisst es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. In vielen Fällen gebe es deutliche Hinweise, dass die Gefangenen an den Folgen von Misshandlung und Folter ums Leben gekommen seien.

Die 88 namentlich dokumentierten Fälle beziehen sich auf den Zeitraum von April bis Mitte August, in dem es zu Massenfestnahmen von Regierungskritikern kam. In den vergangenen Jahren verzeichnete Amnesty etwa fünf Todesfälle pro Jahr in syrischen Gefängnissen. «Die Berichte über Folter, die wir erhalten haben, sind entsetzlich», erklärte Neil Sammonds, Syrien-Experte der Menschenrechtsorganisation. «Wir glauben, dass die syrische Regierung ihr eigenes Volk in einem gewaltigen Ausmass systematisch verfolgt.»

Bei den in dem Bericht aufgeführten Opfern handelt es sich um Männer und männliche Jugendliche im Alter von 13 bis 72 Jahren. Alle wurden vermutlich deshalb aufgegriffen, weil sie an den Protesten gegen Assad beteiligt waren oder einer Beteiligung verdächtigt wurden. In mindestens 52 der Fälle gibt es laut dem Bericht Hinweise darauf, dass Folter oder Misshandlung zum Tod der Gefangenen beitrugen. In 45 Fällen konnte Amnesty Videoclips einsehen, die von Angehörigen oder Aktivisten gemacht wurden. Die Organisation bat unabhängige Mediziner um eine Beurteilung einiger der Fälle.

Verletzungen an vielen der Leichen deuten demnach auf massive Schläge und andere Misshandlungen hin. Verbrennungen, Schnittwunden und Abdrücke von Peitschenhieben weisen auf Folterungen hin. Dass die Todesfälle von unabhängiger Seite untersucht worden wären, sei Amnesty nicht bekannt, erklärte die Organisation.

Die Syrien-Expertin der deutschen Amnesty-Sektion, Ruth Jüttner, erklärte dazu, die ausgewerteten Zeugenaussagen und Videos zeigten die Brutalität, mit der die syrischen Behörden gegen die eigene Bevölkerung vorgingen. «Wir müssen davon ausgehen, dass die Regierung von Präsident Assad Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.» (dapd)

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