Geheim gehalten: Massive Mängel in der Armee vertuscht
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Geheim gehaltenMassive Mängel in der Armee vertuscht

Ein Bericht zu einer Armeeübung offenbart krasse Führungsmängel. Diesen wollten die Verantwortlichen verstecken – trotz gegenteiligem Versprechen.

von
pwe
Kein Hort der Führungsstärke: Führungsstab bei der Übung «Stabilo».

Kein Hort der Führungsstärke: Führungsstab bei der Übung «Stabilo».

«Die Verfügbarkeit des Personals des Führungsstabs Armee wäre im Krisenfall nicht gegeben», «Der Führungsstab hat Mühe bei der Strukturierung seiner Arbeit», «dem Führungsstab gelang es nicht, präzise Aufträge zu erteilen» oder «Die einzelnen Lageberichte rügt der Übungsleiter als ‹inhaltlich wenig aussagekräftig›». Diese vernichtenden Verdikte zieht ein Abschlussbericht zur Armee-Übung «Stabilo Due» vom September 2012 gemäss der «Zentralschweiz am Sonntag (ZaS)».

Der Bericht wurde von der Militärführung als geheim eingestuft, da die Bekanntgabe der Ergebnisse «die Stärken und Schwächen der Armee (…) teilweise offenlegen [würden] und könnte damit die innere Sicherheit der Schweiz gefährden», wie der Armeesprecher Christoph Brunner gegenüber der «ZaS» sagte. Auf dieser Grundlage wurde auch deren Einsichtsgesuch gemäss dem Öffentlichkeitsgesetz abgelehnt. Auf «verschlungenen Wegen» fand der Text doch noch zur Redaktion – im Gegensatz zu der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Bundesparlaments, die bis heute keine Kenntnis des genauen Inhaltes hat. Dessen Mitglieder sind auch dementsprechend pikiert und die Präsidentin Chantal Galladé kündigte an: «Ich habe das Thema für die Sitzung von morgen Montag traktandiert».

Versprechen gebrochen

Pikant: Diese Geschichte ist eine Wiederholung. Bereits bei der Vorgängerübung zu «Stabilo Due», «Stabilo», im Jahr 2008 wurde der Bericht über ein Jahr von der Armeeführung zurückgehalten – auch dieser offenbarte massive Führungsprobleme. Der damals frischgebackene Armeechef sagte damals: «Wir haben es verpasst, transparent über die Übung Stabilo zu informieren.» Er versprach für die Zukunft mehr Offenheit – ein Versprechen, das anscheinend schnell wieder vergessen ging.

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