04.06.2015 20:26

Überschwemmung

Massive Mückenplage quält die Aargauer

Nach der Überschwemmung kommen die Mücken – und zwar in Massen. An den Aargauer Flüssen sind derzeit aussergewöhnlich viele der Plagegeister unterwegs.

von
som/gbr
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René Hächler, Bademeister in Aarau, schützt sich mit viel Spray gegen die Mückenplage.

René Hächler, Bademeister in Aarau, schützt sich mit viel Spray gegen die Mückenplage.

som
Denn im Aargau sind nach den Überschwemmungen besonders viele Plagegeister unterwegs.

Denn im Aargau sind nach den Überschwemmungen besonders viele Plagegeister unterwegs.

som
Dies merken auch die Badegäste Lucien Denier (31) und seine Tochter Danica (3). Vor allem Danica hat schon einige Stiche.

Dies merken auch die Badegäste Lucien Denier (31) und seine Tochter Danica (3). Vor allem Danica hat schon einige Stiche.

Den Mücken gefielen die wochenlangen Regenfälle in der Schweiz, die vielerorts zu Überschwemmungen geführt hatten: Sie sorgten für ideale Lebensbedingungen in der Nähe von Flüssen und Seen. Deshalb geht ohne Anti-Brumm bei den Mitarbeitern der Mürset-Restaurants im Aarauer Schachen derzeit gar nichts. «Wir haben aussergewöhnlich viele Mücken auf unserer Terrasse», sagt Martin Klima, Geschäftsführer des traditionsreichen Restaurants, das in der Nähe der Aare liegt. Man habe schon versucht, die Insekten mit Zitronenöl zu vertreiben. Bisher ohne Erfolg: Die kleinen Quälgeister liessen sich kaum vertreiben.

Immerhin, sagt Klima, liessen sich auch die Gäste von der Mückenplage nicht verjagen: «Auf Wunsch verteilen wir ihnen auch gerne Mückenspray.» Das Auftragen von Mückenschutz ist auch beim Sünnele in der nahe gelegenen Badi Schachen empfehlenswert. «Es liessen sich schon einige Badegäste mit Stichen bei mir behandeln – es ist definitiv ein Mückenjahr», sagt Bademeister René Hächler.

Sechs Zentimeter grosser Stich

Das bestätigt Alexander Mathis, Professor am Institut für Parasitologie der Universität Zürich, der seit fünf Jahren selbst in Aarau lebt: «Eine solche Mückenplage habe ich dort noch nie erlebt.» Verwunderlich sei das aber nicht, so Mathis: «Die Aare und auch viele andere Aargauer Flüsse führten wochenlang Hochwasser, was lokale Überschwemmungen verursachte.» Solche stehenden Gewässer seien ideale Brutplätze für die Insekten: «Im Gegensatz zu einem See oder Teich haben sie dort kaum Feinde.»

Eine aussergewöhnliche Mückenplage herrscht nach den Überschwemmungen auch in anderen flussnahen Gemeinden im Kanton Aargau – so etwa in der Region Brugg. Simone T.*, die in der Nähe der Reuss arbeitet, wurde trotz Anti-Brumm schon arg zerstochen – derzeit macht ihr vor allem ein Riesenstich am Unterarm Sorgen: «Er hat mittlerweile einen Durchmesser von sechs Zentimetern und juckt extrem.» Sie habe sich jetzt in der Apotheke mit Salben eingedeckt: «Hoffentlich nützt das etwas.»

Malaria ist theoretisch auch in der Schweiz möglich

Derzeit scheint sich die übelste Mückenplage vor allem auf den Aargau zu konzentrieren. Doch andere vom Dauerregen betroffene Gebiete könnten folgen: So sagten Wirte und Badibetreibe am Pfäffiker- und Greifensee im Kanton Zürich auf Anfrage, es habe auffällig viele Mücken – von einer Plage wollte aber noch niemand sprechen. Ähnlich äusserte sich auch Kerstin Pfammatter, Pharma-Assistentin der Christoffel-Apotheke Bern: Zwar könne sie keine Mückenplage feststellen, «aber wir hatten schon einige Leute, die extrem verstochen waren».

Wie lange noch so viele Mücken in der Schweiz herumschwirren, kann Uni-Professor Mathis nicht sagen. Immerhin riskiert man derzeit ausser Hautausschlägen keine gesundheitlichen Schäden, wenn man gestochen wird. Anders im Hochsommer, so Mathis: «Dann kann es theoretisch sogar hier vorkommen, dass Mücken Krankheiten wie Denguefieber oder Malaria übertragen.» Bisher seien aber in der Schweiz noch keine solchen Fälle bekannt.

*Name geändert

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