Mehr Geld: Massive Teuerung – so pochst du jetzt am besten auf eine Lohnerhöhung

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Mehr GeldMassive Teuerung – so pochst du jetzt am besten auf eine Lohnerhöhung

Chefinnen und Chefs wollen individuelle Lohnerhöhungen geben, die Gewerkschaften pochen auf mehr Geld für alle. Der Lohnexperte gibt Tipps, wie du bei den Vorgesetzten punktest.

von
Fabian Pöschl
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Durch die Teuerung bleibt viel weniger vom Lohn übrig. Deshalb solltest du bei der nächsten Lohnrunde gut vorbereitet sein.

Durch die Teuerung bleibt viel weniger vom Lohn übrig. Deshalb solltest du bei der nächsten Lohnrunde gut vorbereitet sein.

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Chefinnen und Chefs wollen lieber individuelle Lohnerhöhungen statt mehr Geld für alle.

Chefinnen und Chefs wollen lieber individuelle Lohnerhöhungen statt mehr Geld für alle.

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Doch dann profitieren laut SGB nur jene, die mit den Vorgesetzten Mittagessen gehen.

Doch dann profitieren laut SGB nur jene, die mit den Vorgesetzten Mittagessen gehen.

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Darum gehts

  • Firmen stellen angesichts der Teuerung Lohnerhöhungen in Aussicht.

  • Darüber verhandeln sie ab Ende Sommer mit den Gewerkschaften und Sozialpartnern.

  • Wenn du selbst das Gespräch suchst, solltest du dich gut darauf vorbereiten.

Der Preis-Schock verteuert das tägliche Leben. Vom Lohn bleibt immer weniger übrig. Viele Schweizer Firmen haben nun Bereitschaft gezeigt, dass sie bei der nächsten Lohnrunde die Teuerung berücksichtigen wollen. Es gebe jedoch keinen Automatismus, dass eine hohe Inflation notwendigerweise zu höheren Löhnen führt, sagt Simon Wey, Chefökonom des Schweizerischen Arbeitsverbands.

Die Firmen hätten zwar ein Interesse am Teuerungsausgleich, um die Kaufkraft der Angestellten und der Konsumenten und Konsumentinnen zu erhöhen. Aber wegen des Wettbewerbsdrucks könnten sie die höheren Einkaufspreise im Normalfall nicht einfach auf die Produktpreise überwälzen.

Zudem gebe es derzeit viel Unsicherheit, etwa zum Krieg in der Ukraine, zu Lieferengpässen als Folge der Corona-Pandemie in China oder auch zur Energieversorgung im Inland. Dadurch sei der Handlungsspielraum für Lohnerhöhungen überschaubar.

Chefinnen und Chefs wollen überdurchschnittliche Leistungen belohnen

«Es werden kaum alle Arbeitnehmenden von einem Teuerungsausgleich profitieren können», sagt Wey. Bevor es zu Lohnerhöhungen komme, müsse sichergestellt sein, dass die Finanzen der Firma auch zukünftig im Lot seien.

Falls es Lohnerhöhungen gebe, erfolgten diese meist individuell und nicht generell. «Die Arbeitgeber nutzen Lohnerhöhungen dazu, die Arbeitnehmenden für überdurchschnittliche Leistungen zu kompensieren», so Wey.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) bevorzugt aber eine Erhöhung für alle. Bei gemeinsamen Lohnverhandlungen sei erfahrungsgemäss mehr herauszuholen, als wenn nur der oder die mehr Lohn erhält, die mit den Vorgesetzten Mittagessen gehen, wie SGB-Sprecher, Urban Hodel, auf Anfrage sagt.

«Deshalb sind die anstehenden Verhandlungen zum Gesamtarbeitsvertrag für die meisten entscheidend», so Hodel. Diese finden hauptsächlich von Ende Sommer bis Anfang Herbst statt.

Bei Erfolg oder zusätzlicher Verantwortung das Lohngespräch suchen

Wenn du selber bei den Vorgesetzten wegen mehr Lohn anklopfen willst, solltest du dich gut aufs Gespräch vorbereiten, wie Tobias Egli, CEO von Lohncheck, zu 20 Minuten sagt. Normalerweise sei dann ein Gespräch sinnvoll, wenn man Erfolge vermelden kann oder zusätzliche Verantwortung übernommen hat.

Welcher Lohn realistisch wäre, lasse sich auf Lohnrechnern prüfen. Lohncheck und der SGB bieten solche Tools (siehe Box). Wichtig sei zu wissen, ob die eigene Position stark gesucht ist auf dem Arbeitsmarkt. Wenn der Firma qualifizierte Arbeitnehmende fehlen, gebe es gute Aussichten.

Dieser Lohn steht dir zu

Wer bei der Lohnverhandlung höhere Forderungen als den Teuerungsausgleich stellt, kann sich an Lohnrechnern von Lohncheck oder vom SGB orientieren. «Damit können Sie den Lohn berechnen, der Ihnen zusteht», wie SGB-Sprecher, Urban Hodel, sagt. In den Lohnrechnern nicht berücksichtigt ist aber die Arbeitsleistung der Angestellten.

Für Arbeitgebende sei aber nicht nur der Marktwert relevant, sondern auch faire Löhne innerhalb des Teams. «Wenn man zusätzliche Leistung vorweisen kann, ist das immer auch eine gute Argumentation gegenüber den Teamkollegen», sagt Egli.

Bei einer Absage der Lohnerhöhung rät Egli, zu versuchen, den eigenen Wert für die Firma zu erhöhen. «Die Arbeitnehmenden, die für die Firma strategisch wichtig sind, werden mittelfristig besser entlöhnt werden», so Egli.

Als letzte Möglichkeit für eine Lohnerhöhung gebe es noch den Stellenwechsel. «Insbesondere bei Funktionen, wo es eine hohe Nachfrage gibt, sind Arbeitnehmende in einer guten Position, einen höheren Lohn beim Stellenwechsel einzufordern», sagt Egli. Der Lohn sei aber nur ein Bestandteil, weswegen man sich gut überlegen sollte, ob sich deswegen ein Stellenwechsel lohnt.

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