«Einbruch der Werbeinvestitionen»: Massiver Gewinneinbruch bei der Tamedia

Aktualisiert

«Einbruch der Werbeinvestitionen»Massiver Gewinneinbruch bei der Tamedia

Tamedia muss sparen. Nach einem Umsatzrückgang und massiven Gewinneinbruch stellt das Zürcher Medienunternehmen das «Solothurner Tagblatt» ein. Im ersten Halbjahr brach der Gewinn bei der Tamedia um 95,2 Prozent ein.

Die Tamedia, zu der auch 20 Minuten Online gehört, musste im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatzrückgang von 15,9 Prozent auf 389,0 Millionen Franken hinnehmen. Der Gewinn liegt noch bei 0,8 Millionen Franken, nach 59,4 Millionen Franken ein Jahr zuvor. Dies teilte Tamedia heute mit.

Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT verminderte sich um 95,2 Prozent auf noch 3,5 Millionen Franken, wie Tamedia am Donnerstag mitteilte. Die entsprechende Marge betrug noch 0,9 Prozent nach 15,5 Prozent in der Vorjahresperiode.

Das Ergebnis von Tamedia im ersten Halbjahr 2009 stehe im Zeichen «einer scharfen Rezession sowie eines Einbruchs der Werbeinvestitionen». Der seit Juni 2008 zu verzeichnende Rückgang der Werbeinvestitionen habe sich verschärft. So seien die Stellenanzeigen in Tageszeitungen um 47,4 Prozent eingebrochen.

Wie bereits in früheren Konjunkturzyklen treffe dieser Einbruch die führenden Tamedia-Stellenbeilagen Alpha und Stellen-Anzeiger mit voller Kraft, heisst es in der Mitteilung weiter.

Kosten müssen sinken

Tamedia habe mit umfangreichen Kostenmassnahmen Gegensteuer gegeben. So seien im ersten Halbjahr Kostensenkungsmassnahmen im Umfang von 47,8 Millionen Franken ergriffen worden. Die Massnahmen belasten den Halbjahresabschluss mit einmaligen Restrukturierungskosten von 7,9 Millionen Franken

Für die weitere Entwicklung gibt sich Tamedia wenig konkret. Aufgrund der konjunkturellen Aussichten rechnet das Medienhaus bis Ende 2010 mit weiter rückläufigen Werbeumsätzen. Als Folge der angekündigten Kostensenkungen sowie dank Synergieeffekten sollte jedoch ab 2010 eine spürbare Ergebnisverbesserung erreicht werden können.

Aus für «Solothurner Tagblatt»

Wie Tamedia weiter mitteilte, wird das «Solothurner Tagblatt» bis Ende September eingestellt. Das Blatt, eine Regionalausgabe der «Berner Zeitung» mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren, habe in den letzten Jahren konstante Verluste in Millionenhöhe geschrieben, heisst es zur Begründung. Das «Solothurner Tagblatt» war im Herbst 2001 als Konkurrenz zur «Solothurner Zeitung» gegründet worden.

Die Einstellung, die unter dem Vorbehalt des gesetzlichen Mitwirkungsverfahrens stehe, führe zum Abbau von 13,8 Vollzeitstellen, wovon 17 Mitarbeitende betroffen seien. (sda)

impressum kritisiert Tamedia

Der Medienberufsverband impressum kritisiert den Zürcher Medienkonzern Tamedia wegen der Einstellung des «Solothurner Tagblatts» (ST). Der Verband fordert, dass die 17 betroffenen Mitarbeitenden im Unternehmen weiterbeschäftigt werden.

Um soziale Härten zu mildern, solle für die Betroffenen der Sozialplan des «Tages-Anzeigers» angewendet werden, teilte impressum am Donnerstag mit. In der gegenwärtigen Krise sei es für die betroffenen freien und fest angestellten Mitarbeitenden schwierig, ein neues existenzsicherndes Auskommen zu finden.

Gemäss Tamedia besteht für die betroffenen Mitarbeitenden ein Sozialplan. Es soll der gleiche zur Anwendung kommen wie bei der «Berner Zeitung» und der Zeitung «Der Bund», hiess es bei Tamedia auf Anfrage. Dieser Sozialplan gelte bis Ende 2010.

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