Massiver Gewinneinbruch bei Lonza - Konzernchef entlassen
Aktualisiert

Massiver Gewinneinbruch bei Lonza - Konzernchef entlassen

Der Spezialchemiekonzern Lonza hat sich im zweiten Halbjahr nicht wie erhofft erholen können. Der Reingewinn für das ganze Jahr 2003 liegt mit 91 Mio. Fr. um satte 58,8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Konzernchef Markus Gemünd wird entlassen.

Lonza-Verwaltungsratspräsident und SGS-Chef Sergio Marchionne hatte Gemünd am Sonntag in einem Interview desavouiert: Lonza sei nicht fähig gewesen, die eigenen Erwartungen zu erfüllen. «Ich bin nicht zufrieden», hatte Marchionne gesagt. Wenn die Führung versage, «dann gibt es eine neue, die es kann».

Der Nachfolger steht noch nicht fest. Gemünd, der im Januar 2002 das Amt von Marchionne als Lonza-Chef übernommen hatte, werde bis zur Ernennung eines Nachfolgers Vorsitzender der Geschäftsleitung bleiben, teilte Lonza am Dienstagmorgen in einem Communiqué zur Bilanzmedienkonferenz mit.

Belastungen durch Werk-Stilllegungen

Grund für den Gewinneinbruch sind vorab ausserordentliche Belastungen über 158 Mio. Franken. Lonza legte eine Reihe von Feinchemikalien-Anlagen still, was zu einmaligen, nicht cash- wirksamen Aufwendungen vor Steuern von 100 Mio. Fr. führte. Aber auch das Betriebsergebnis sank um 27,9 Prozent auf 302 Mio. Franken. Der Verwaltungsrat schlägt eine Dividende von 1,3 Fr. vor.

Der Jahresumsatz sank um 11,6 Prozent auf 2,242 Mrd. Franken. Damit übertraf Lonza die Erwartungen der Analysten, die mit durchschnittlich 2,329 Mrd. Fr. gerechnet hatten. Allerdings wurden sie beim Gewinn enttäuscht, wo sie mit 207 Mio. Fr. gerechnet hatten.

Schon im ersten Halbjahr hatte Lonza 10 Prozent weniger umgesetzt und den Gewinn beinahme halbiert. Im Mai hatte Lonza nach einer Gewinnwarnung den Abbau von 500 Stellen angekündigt.

Auch bei der Nettoverschuldung hat sich Lonza im abgelaufenen Jahr verschlechtert. Sie stieg von 869 Mio. auf 978 Mio. Franken. Beim Ausblick gibt sich Lonza zurückhaltend. Das Betriebsergebnis solle 225 Mio. Fr. betragen, der Reingewinn pro Aktie 3 Franken, nachdem er 2003 bei 1.92 Fr. gelegen hat.

Kein Käufer für Polymere Zwischenprodukte

Gescheitert ist nun auch der geplante Verkauf der Division Polymere Zwischenprodukte mit einem Umsatz von 578 Mio. Franken (- 3,3 Prozent). Die Sparte Polymere Zwischenprodukte sollte bis 2005 verkauft werden. Ursprünglich hätte dies bereits im Jahr 2001- noch unter dem damaligen Konzernchef Marchionne - über die Bühne gehen sollen. (sda)

Deine Meinung