Shitstorm wegen Maskenpflicht - Massnahmen-Gegner gehen auf Schweizer Ferien-Resort los
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Shitstorm wegen MaskenpflichtMassnahmen-Gegner gehen auf Schweizer Ferien-Resort los

Weil eine Familie wegen fehlender Schutzmasken aus dem Gemeinschaftsbereich geworfen wurde, decken Kritiker der Corona-Massnahmen ein Hotel mit schlechten Bewertungen ein. Nach einem Demo-Aufruf sperrte die Polizei gar Zufahrtsstrassen und wies Autos weg.

von
Noah Knüsel
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Personen auf dem Umfeld der Corona-Massnahmen-Gegner werfen dem Swiss Holiday Park in Morschach SZ derzeit Diskriminierung vor.

Personen auf dem Umfeld der Corona-Massnahmen-Gegner werfen dem Swiss Holiday Park in Morschach SZ derzeit Diskriminierung vor.

Screenshot Google
Ausgelöst wurde der Protest durch Posts auf dem Telegram-Kanal der «Corona-Rebellen». Dort heisst es, eine Familie sei trotz medizinischem Attest zur Maskenbefreiung aus dem Gemeinschaftsbereich des Resorts geworfen worden. Zudem hinterliess der Vater selbst eine negative Bewertung auf Tripadvisor und Google.

Ausgelöst wurde der Protest durch Posts auf dem Telegram-Kanal der «Corona-Rebellen». Dort heisst es, eine Familie sei trotz medizinischem Attest zur Maskenbefreiung aus dem Gemeinschaftsbereich des Resorts geworfen worden. Zudem hinterliess der Vater selbst eine negative Bewertung auf Tripadvisor und Google.

Screenshot Google
Doch der Protest gegen das Resort findet nicht nur online statt: Mehrere Chat-Mitglieder geben an, Buchungen storniert und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter des Hotels hinterlassen zu haben. Zudem wurde zu einem «starken maskenlosen Erscheinen» beim Swiss Holiday Park aufgerufen.

Doch der Protest gegen das Resort findet nicht nur online statt: Mehrere Chat-Mitglieder geben an, Buchungen storniert und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter des Hotels hinterlassen zu haben. Zudem wurde zu einem «starken maskenlosen Erscheinen» beim Swiss Holiday Park aufgerufen.

Swiss Holiday Park

Darum gehts

  • Eine Familie mit einer gehörlosen Tochter wurde aus dem Gemeinschaftsbereich eines Hotels verwiesen, weil die Eltern keine Maske trugen.

  • Sie hatten zwar ein Attest, dieses befreit aber nicht vollständig vom Tragen einer Maske, wie der Hoteldirektor sagt.

  • Gegner der Corona-Massnahmen decken das Resort nun mit negativen Bewertungen ein.

  • Auch zu einer Kundgebung riefen sie auf, weshalb die Polizei Strassen sperren musste.

Der Swiss Holiday Park, ein Ferien-Resort in Morschach SZ, erlebt einen Shitstorm: In dutzenden Online-Bewertungen werfen Massnahmen-Kritiker dem Resort Diskriminierung vor. Ausgelöst wurde der Protest durch Posts auf dem Telegram-Kanal der «Corona-Rebellen». Dort heisst es, eine Familie sei trotz medizinischem Attest zur Maskenbefreiung aus dem Gemeinschaftsbereich des Resorts geworfen worden. Die gehörlose Tochter sei jedoch darauf angewiesen, die Gesichter der Eltern zu sehen, um Lippen lesen zu können. Darum könnten diese keinen Mundschutz tragen.

Doch der Protest gegen das Resort findet nicht nur online statt: Mehrere Chat-Mitglieder geben an, Buchungen storniert und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter des Hotels hinterlassen zu haben. Zudem wurde zu einem «starken maskenlosen Erscheinen» beim Swiss Holiday Park aufgerufen.

Polizei sperrt Strassen

Der Online-Appell rief am Mittwochnachmittag die Polizei auf den Plan: «Ich bin vor Ort, die Polizei hat die Strassen abgesperrt», schrieb ein Mitglied der Chatgruppe. Bei der Kantonspolizei Schwyz heisst es, man habe nach Hinweisen auf eine Kundgebung in Morschach das Gebiet überwacht. «Im Rahmen des Einsatzes wurden drei Fahrzeuge und deren Insassen weggewiesen», sagt Sprecher Florian Grossmann.

Rund zehn Personen aus dem Umfeld der Massnahmen-Kritiker seien schliesslich vor Ort gewesen und hätten mit den Verantwortlichen des Betriebs gesprochen, so Grossmann weiter. Das bestätigt auch Pascal Waser, der Direktor des Resorts: «Ich habe mit ihnen ein Gespräch geführt.»

«Wir halten uns an die BAG-Vorgaben»

Gemäss Waser hat sich der Vorfall anders zugetragen, als in den Telegram-Chats behauptet wird. «Als wir die Eltern auf den fehlenden Mundschutz ansprachen, verwiesen sie auf ein Attest, welches sie von der Maskenpflicht befreie.» Dieses hätten sie aber nicht aushändigen wollen, sondern nur flüchtig gezeigt und dann wieder versorgt.

Man halte sich strikt an die BAG-Vorgaben, sagt er. Für die Maskendispens von Menschen mit Behinderungen gebe es ein eigenes Merkblatt: «Dort heisst es, dass für Hörgeschädigte die Maske während der Kommunikation abgezogen werden darf. Ansonsten muss der Mundschutz aber getragen werden.» Aus diesem Grund habe man die Familie gebeten, den Gemeinschaftsbereich des Swiss Holiday Parks zu verlassen.

Keine Angst vor Rufschädigung

Waser lässt den Vorwurf der Diskriminierung nicht gelten: «Wir werden von den Massnahmen-Gegnern instrumentalisiert», sagt er. Dabei gehe es diesen gar nicht um das Resort selbst, sondern um die Massnahmen des BAG.

Angst vor Rufschädigung durch die schlechten Bewertungen hat der Resortdirektor nicht: «Ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Portale die Bewertungen von selbst löschen werden, da sie gegen deren Richtlinien verstossen.»

Die betreffende Familie sei bisher nicht abgereist, so Waser: «Sie logieren allerdings nicht im Swiss Holiday Park selbst, sondern in einem Apartmentkomplex in der Nähe.» Dessen Gäste dürften aber die Anlagen des Resorts mitbenutzen. 20 Minuten versuchte am Donnerstag erfolglos, mit der Familie Kontakt aufzunehmen.

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