«Weckruf ans Parlament» - Massnahmen-Kritiker fluten Politiker mit E-Mails
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«Weckruf ans Parlament»Massnahmen-Kritiker fluten Politiker mit E-Mails

Rund 300 Mails hatte SP-Nationalrätin Jacqueline Badran jüngst vom «Weckruf ans Parlament» im Postfach. Wer dahintersteckt, ist unklar.

von
Nicolas Meister
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Derzeit flutet der sogenannte «Weckruf ans Parlament» die Mail-Postfächer der Parlamentarierinnen und Parlamentarier.

Derzeit flutet der sogenannte «Weckruf ans Parlament» die Mail-Postfächer der Parlamentarierinnen und Parlamentarier.

20min/Matthias Spicher
Die anonymen Absender kritisieren, dass das Parlament die rechtliche Grundlage für das Covid-Zertifikat geschaffen hat. 

Die anonymen Absender kritisieren, dass das Parlament die rechtliche Grundlage für das Covid-Zertifikat geschaffen hat.

Screenshot
«Womöglich sind Sie gerade dabei, den Anschluss an die Wählerschaft zu verlieren», heisst es in den Mails an Parlamentarier und Parlamentarierinnen. 

«Womöglich sind Sie gerade dabei, den Anschluss an die Wählerschaft zu verlieren», heisst es in den Mails an Parlamentarier und Parlamentarierinnen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Eine anonyme Gruppe flutet Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit Mails.

  • Sie stört sich am Covid-Zertifikat, für welches das Parlament den rechtlichen Boden geebnet hat.

  • SP-Nationalrätin Jacqueline Badran lässt sich davon nicht beeindrucken.

«Womöglich sind Sie gerade dabei, den Anschluss an die Wählerschaft zu verlieren»: Mit Sätzen, die ambitionierten Politikerinnen und Politikern den Schweiss auf die Stirn treiben können, droht derzeit die Gruppe «Weckruf ans Parlament» National- und Ständeräten.

Rund 300 solcher Standardmails habe sie schon erhalten, twitterte die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Die Absender fordern die Politikerinnen und Politiker auf, «sich für die kommende Volksabstimmung aktiv und unmissverständlich für ein NEIN zu den Verschärfungen des Covid-Gesetzes einzusetzen.»

Kritik an «Zweiklassengesellschaft»

Somit würden die Parlamentarierinnen und Parlamentarier «ihren Fehlentscheid bei der Abstimmung über das Covid-Gesetz wieder gut machen», denn laut den verschickten Briefen habe die Politik mit dem Gesetz die Grundlage für die «Einführung einer Zweiklassengesellschaft sowie einer Massenüberwachung geschaffen». Über das Covid-Gesetz befinden die Stimmberechtigten am 28. November.

Daneben erklärt die Gruppe im Brief, dass sie den Wunsch nach einem uneingeschränkten, freien Leben ohne mühsame Coronamassnahmen verfolgt. Laut eigenen Angaben sind sie parteilos, sympathisieren jedoch mit dem rechten politischen Spektrum.

Ihre Mail-Flut erklärt die Gruppe so: «Die SVP hat erkannt, dass sie jetzt bei der Wählerschaft punkten kann, während der Rest des politischen Spektrums noch im Irrgarten herumläuft.»

Über die Initianten selbst ist wenig bekannt: Weder linke noch rechte Parlamentarierinnen und Parlamentarier kennen die Gruppe oder ihre Hintermänner. Eine Anfrage von 20 Minuten blieb unbeantwortet. Die SP-Politikerin und Nationalrätin Jacqueline Badran vermutet dahinter eine rechte, professionell organisierte Gruppierung. Dank der Veröffentlichung von den Abstimmungsdaten im Parlament reichen wenige Klicks, um herauszufinden, welches Mitglied wie abgestimmt hat. Der Rest sei ein Kinderspiel.

Widersprüche

Für sie seien nicht die täglichen Briefe das Hauptproblem. Briefe von frustrierten Bürgerinnen und Bürgern im Postfach vorzufinden gehöre zu ihrem Job. Sie nervt sich vielmehr an der respektlosen Haltung der Absender gegenüber den Politikerinnen und Politikern, die bestrebt sind, einen weiteren Lockdown zu verhindern sowie gegenüber dem Pflegepersonal, das seit Monaten am Anschlag arbeitet. Zum Schluss weist Jacqueline Badran auch auf die Widersprüche der Gruppe hin. So warnt «Weckruf ans Parlament» beispielsweise vor der Massenüberwachung mittels des Contact-Tracings, macht die angeschriebenen Politiker in den Briefen jedoch darauf aufmerksam, dass «ihre Abstimmungsempfehlung für den 28. November beobachtet und veröffentlicht» wird.

Für Jacqueline Badran ist klar, dass die Zertifikatspflicht die einzige Möglichkeit darstellt, einen weiteren, wirtschaftlich verheerenden Lockdown zu verhindern und um eine erneute Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.

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