Schulschliessung in Lenzburg - «Massnahmen reichen nicht – es wird zur weiteren Verbreitung kommen»
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Schulschliessung in Lenzburg«Massnahmen reichen nicht – es wird zur weiteren Verbreitung kommen»

Schweizer Schulen kämpfen mit steigenden Infektionszahlen. Dies führte nun zur Schliessung der Lenzburger Unter- und Mittelschule. Wie geht die Schule mit der Schliessung um? Und was muss geschehen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen?

von
Céline Krapf
Daniel Krähenbühl
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«Grundsätzlich sieht man, dass die Massnahmen an den Schulen extrem heterogen und nicht ausreichend sind», sagt Olivia Keiser, Epidemiologin an der Universität Genf.

«Grundsätzlich sieht man, dass die Massnahmen an den Schulen extrem heterogen und nicht ausreichend sind», sagt Olivia Keiser, Epidemiologin an der Universität Genf.

Die Unter- und Mittelschule in Lenzburg bleibt für zehn Tage geschlossen. 

Die Unter- und Mittelschule in Lenzburg bleibt für zehn Tage geschlossen.

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Wie Linda Villiger auf Anfrage sagt, stiegen nicht nur die Fallzahlen im privaten Bereich, weshalb man Anfang September mit den repetitiven Tests begonnen habe. «In mehreren der 29 Klassen gab es positive Fälle», so die Schulleiterin.

Wie Linda Villiger auf Anfrage sagt, stiegen nicht nur die Fallzahlen im privaten Bereich, weshalb man Anfang September mit den repetitiven Tests begonnen habe. «In mehreren der 29 Klassen gab es positive Fälle», so die Schulleiterin.

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Darum gehts

  • Die Unter- und Mittelschule in Lenzburg bleibt aufgrund mehrerer Corona-Infektionen für zehn Tage geschlossen.

  • «Es erstaunt mich nicht, dass das Virus nun so grassiert mit der Delta-Variante. Man müsste nun dringend die Massnahmen anpassen und möglichst eine nationale Lösung finden», sagt Olivia Keiser, Epidemiologin an der Universität Genf.

  • Lüften, Gesichtsmasken und Luftfilter würden sich gut eignen, um eine Ausbreitung von Coronaviren via Aerosolen zu verhindern.

Seit Ende der Sommerferien wütet das Virus mehr denn je an den Schweizer Schulen: Einzelne Kantone melden eine Verzehnfachung der Infektionen, regional sind ganze Klassen in Quarantäne. Am Montagabend entschieden die Aargauer Behörden nun aufgrund mehrerer Infektionen, dass die gesamte Unter- und Mittelstufe und drei Kindergartenklassen in Lenzburg geschlossen werden. Dies, weil man mit den Testkapazitäten an den Anschlag gelangte, so Linda Villiger, Co-Schulleiterin der Primarschule.

Betroffen sind laut dem Aargauer Gesundheitsdepartement 607 Kinder aus 29 Klassen. Die Schliessung dauert bis zum 16. September. Der Unterricht werde aber weitergeführt – je nach Alter via Videocall oder mittels physischer Abgabe von Schulmaterial, sagt Co-Schulleiterin Doris Lehmann zu 20 Minuten. «Dank den Erfahrungen aus dem Lockdown können wir schnell umstellen.» Die Reaktionen auf die Schliessung seien ganz unterschiedlich ausgefallen, sagt Villiger. Die Schule stehe in Kontakt mit den Eltern.

Die Co-Schulleiterinnen Doris Lehmann und Linda Villiger der Primarschule Angelrain äussern sich zu den Covid-Fällen.

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«Grundsätzlich sieht man, dass die Massnahmen an den Schulen extrem heterogen und nicht ausreichend sind», sagt Olivia Keiser, Epidemiologin an der Universität Genf. Teils gebe es keine Maskenpflicht, gelüftet werde nicht genügend und Hepa-Filter würden fast nie eingesetzt. «Es erstaunt mich nicht, dass das Virus nun so grassiert mit der Delta-Variante. Man müsste nun dringend die Massnahmen anpassen und möglichst eine nationale Lösung finden.»

«Die Verantwortung wird hin und her geschoben»

Die üblichen Massnahmen wie Abstand halten und Testen würden nur teilweise eingesetzt und die Umsetzung von Quarantäne und Isolation funktioniert nicht immer gut. «Meiner Meinung nach herrscht eine generelle Unsicherheit», sagt die Expertin. Sie habe das Gefühl, es sei nicht klar, wer zuständig sei. «Die Verantwortung wird hin und her geschoben.»

Es sei schwierig zu sagen, wie stark der Anstieg sei. Klar ist für die Epidemiologin: «Wenige Massnahmen und nur Hände waschen reicht nicht und es wird zur weiteren Verbreitung kommen.» Sie verweist deshalb auf ihre Studie von Ende August, welche aufzeigt, dass sich Lüften, Gesichtsmasken und Luftfilter in Kombination mit weiteren Massnahmen wie Testungen und AHA-Regeln sehr gut eignen, um eine Ausbreitung von Coronaviren via Aerosolen zu verhindern.

In der generellen Bevölkerung gestalte sich die Situation aufgrund der Impf-Möglichkeit und Maskenpflicht anders: «Die Leute haben oft etwas mehr die Wahl, ob und wie sie sich schützen wollen, als die Kinder in den Schulen.»

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