Pandemie – Bundesrat plant vierte Impfung

Publiziert

PandemieBundesrat plant vierte Impfung

Spätestens im Herbst soll eine weitere Auffrischimpfung aktuell werden. Doch manchen Geimpften graut es davor. Fachpersonen klären auf. 

von
Bettina Zanni
Nicolas Meister
1 / 8
Im Herbst könnte eine vierte Impfung aktuell werden. 

Im Herbst könnte eine vierte Impfung aktuell werden. 

20min/Simon Glauser
Die Bevölkerung kann ab Freitag sämtliche Corona-Massnahmen hinter sich lassen. Mit Impfen ist aber noch nicht Schluss.

Die Bevölkerung kann ab Freitag sämtliche Corona-Massnahmen hinter sich lassen. Mit Impfen ist aber noch nicht Schluss.

20min/Matthias Spicher
«Es ist damit zu rechnen, dass es auch in Zukunft zu saisonalen Erkrankungswellen kommt», sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) an einer Medienkonferenz. 

«Es ist damit zu rechnen, dass es auch in Zukunft zu saisonalen Erkrankungswellen kommt», sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) an einer Medienkonferenz. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Der Bundesrat rechnet spätestens im Herbst mit einer erneuten Auffrischimpfung der Bevölkerung oder eines Teils davon.

  • Der oberste Impf-Chef Christoph Berger hält für wahrscheinlicher, dass es im Herbst für bestimmte Bevölkerungsgruppen eine vierte Impfung braucht. 

  • «Mit einem ‹Dauerimpfen› muss sehr wahrscheinlich nicht gerechnet werden», sagt ein Immunologe. 

Die Bevölkerung kann ab Freitag sämtliche Corona-Massnahmen hinter sich lassen. Mit Impfen ist aber noch nicht Schluss. Aktuell geht der Bundesrat davon aus, dass spätestens im Herbst 2022 eine erneute Auffrischimpfung der Bevölkerung oder eines Teils davon erforderlich sein wird, wie er in seinem Entwurf zum Grundlagenpapier zur mittel- und längerfristigen Entwicklung der Pandemie schreibt. Das Coronavirus werde höchstwahrscheinlich nicht verschwinden, sondern endemisch werden, sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) an einer Medienkonferenz. «Es ist damit zu rechnen, dass es auch in Zukunft zu saisonalen Erkrankungswellen kommt.»

Noch im Februar schloss Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, eine vierte Impfung für die breite Bevölkerung aus. «Zum aktuellen Zeitpunkt halte ich eine weitere Impfung in der Bevölkerung nicht für nötig», sagte er damals. Er könne sich aber vorstellen, dass im Herbst eine weitere Impfung für die vulnerable Bevölkerung ähnlich wie die Grippeimpfung empfohlen werde.

«Nötig, wenn ganz andere Variante auftreten würde»

Der oberste Impf-Chef hält an dieser Einschätzung fest. «Es ist wahrscheinlicher, dass es im Herbst für bestimmte Bevölkerungsgruppen und nicht für die ganze Bevölkerung eine vierte Impfung braucht.» Dies decke sich mit der Prognose des Bundesrats. Es gehe primär darum, schwere Erkrankungen zu verhindern. «Eine vierte Impfung für die ganze Bevölkerung könnte dann nötig sein, wenn eine ganz andere Variante auftreten würde.» Tauche auch im Herbst keine gefährlichere Variante auf, erübrige sich eine Auffrischimpfung.

«Aktuell ist eine vierte Impfung in der Schweiz weder zugelassen noch empfohlen», sagt Berger. Es seien noch nicht genügend Sicherheitsdaten über die Wirkung und Nebenwirkungen einer vierten Impfung vorhanden. «Man weiss auch nicht, ob die Immunantwort immer gleich gut bleibt, wenn man x-mal nachimpft.»

Daniel Speiser, Immunologe an der Universität Lausanne, vertritt eine ähnliche Meinung. Eine zweite Auffrischungsimpfung würden wahrscheinlich nur Leute aus den Risikogruppen benötigen. «Das bedingt jedoch, dass sich bis im Herbst keine aggressivere und tödlichere Virus-Variante ausbreitet.»

Zudem sei die Immunisierung der Gesellschaft ziemlich hoch, sagt Speiser. «Die meisten sind entweder geimpft oder bereits mit dem Virus in Kontakt geraten.» Auch das spreche gegen eine vierte Impfung für die breite Bevölkerung. «Mit einem ‹Dauerimpfen› muss sehr wahrscheinlich nicht gerechnet werden.» Nur bei Risikogruppen wäre es denkbar, dass weitere Impfungen gegen Covid-19 nötig sein würden. Betroffene müssten sich jedoch generell öfters gegen verschiedene Krankheiten wie die Grippe impfen lassen, sagt Speiser.

«Impfkapazitäten bei Bedarf wieder stark erhöhen»

Die Schweizerische Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) teilt die Einschätzungen des Bundesrats. «Die Kantone sind darauf eingestellt, weiterhin einen niederschwelligen Zugang zur Impfung sicherzustellen. Und die Impfkapazitäten müssen bei Bedarf wieder stark erhöht werden können», sagt Mediensprecher Tobias Bär. 

Doch manchen Geimpften graut es vor einer vierten Impfung, weil sie nach dem Booster zum Beispiel unter Hautausschlägen litten. «Es gibt keinerlei Grund, Angst vor der Covid-19-Impfung zu haben. Sie ist sehr sicher und schützt immer noch sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen», sagt Tobias Bär. Ohne die Impfung stünden wir bei der Pandemiebewältigung nicht dort, wo wir heute stehen.

Aktuell sind die Chancen klein, dass die Bevölkerung das Thema Corona-Impfung abhaken kann. «Das Virus müsste verschwinden beziehungsweise keine schwerwiegende Gefährdung der Gesundheit für eine Bevölkerungsgruppe mehr darstellen oder die bisherige Impfschutzwirkung oder Immunität in der Bevölkerung müsste ausserordentlich lange anhalten», so Bär. Die Wissenschaft rechne eher nicht mit diesem Szenario.  

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

440 Kommentare