Covid-Zertifikat – Massnahmenkritiker bedrängen Arztpraxen mit Zeugnis-Forderungen
Publiziert

Covid-ZertifikatMassnahmenkritiker bedrängen Arztpraxen mit Zeugnis-Forderungen

In Hausarztpraxen tauchen vermehrt Ungeimpfte auf, die ein Arztzeugnis verlangen. Damit erhoffen sie, die Zertifikatspflicht umgehen zu können.

von
Bettina Zanni
1 / 8
Weil sie kein Covid-Zertifikat haben, versuchen Ungeimpfte in Arztpraxen an ein Arztzeugnis zu kommen. 

Weil sie kein Covid-Zertifikat haben, versuchen Ungeimpfte in Arztpraxen an ein Arztzeugnis zu kommen.

Getty Images
«Es tauchen vermehrt wildfremde Leute auf, die rabiat und wirsch unsere Praxisassistentinnen drangsalieren, weil sie ultimativ Zeugnisse für alles Mögliche im Rahmen von Covid fordern», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

«Es tauchen vermehrt wildfremde Leute auf, die rabiat und wirsch unsere Praxisassistentinnen drangsalieren, weil sie ultimativ Zeugnisse für alles Mögliche im Rahmen von Covid fordern», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

hausaerzteschweiz.ch
Philippe Luchsinger: «Sie glauben, sie könnten ein Arztzeugnis als Ersatz für das Covid-Zertifikat nutzen, um damit überall ohne Test reinzukommen.»

Philippe Luchsinger: «Sie glauben, sie könnten ein Arztzeugnis als Ersatz für das Covid-Zertifikat nutzen, um damit überall ohne Test reinzukommen.»

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Das Personal in Arztpraxen muss vermehrt Massnahmenkritikerinnen und -kritiker abwehren, die ein Arztzeugnis fordern.

  • «Sie glauben, sie könnten ein Arztzeugnis als Ersatz für das Covid-Zertifikat nutzen», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

  • Er rechnet damit, dass solche Vorfälle im Falle von kostenpflichtigen Tests nochmals zunehmen.

Kein Essen im Restaurant, kein Training im Fitnesscenter und auch kein Besuch im Kino: Wer nicht im Besitz eines Covid-Zertifikats ist, steht im Alltag vor einigen Barrieren. Diese versuchen findige Massnahmenkritiker und Massnahmenkritikerinnen mit ärztlichem Segen einzureissen.

«In den Arztpraxen tauchen vermehrt wildfremde Leute auf, die rabiat und wirsch unsere Praxisassistentinnen drangsalieren, weil sie ultimativ Zeugnisse für alles Mögliche im Rahmen von Covid fordern», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte.

Diese Personen, meist seien es Männer um die 50 Jahre, wollten sich weder impfen noch testen lassen, sagt Luchsinger. «Sie glauben jedoch, sie könnten ein Arztzeugnis als Ersatz für das Covid-Zertifikat nutzen, um damit überall ohne Test reinzukommen.» Auch behaupteten diese, es sei ihr Recht, ein solches Zeugnis zu erhalten. «Sie argumentieren damit, dass sie in einer Diktatur seien und zu einer Impfung oder einem Test gezwungen würden.»

«Oft beschimpfen sie die Praxisassistentinnen»

Für das Personal seien solche Besuche sehr unangenehm und behindernd. «Oft beschimpfen diese Leute die medizinischen Praxisassistentinnen auch», sagt Luchsinger. Um die Situation zu entschärfen, müssten manchmal die Ärztinnen und Ärzte ihre Sprechstunden unterbrechen und die Personen an der Theke zurechtweisen.

Luchsinger rechnet damit, dass künftig noch mehr solche Menschen in die Praxen reinschneien. «Sobald die Tests kostenpflichtig werden, werden solche Forderungen nochmals zunehmen.»

«Fordern Maskendispens wegen Kopfschmerzen»

Auch die Berner Hausärztin Monika Reber machte in ihrer Praxis solche Erfahrungen. «Einige Personen verlangen von uns eine Maskendispens, weil sie sich am Arbeitsplatz durch die Maskenpflicht in die Ecke gedrängt fühlen», sagt sie. Die Maske wollten sie aus ideologischen Gründen nicht tragen. «Sie glauben, eine Dispens zu bekommen, wenn sie angeben, wegen der Masken vermehrt unter Kopf- und Halsschmerzen zu leiden.» Da dies aber lediglich Befindlichkeitsstörungen seien und keine gesundheitlichen Schäden, könne sie keine solchen Zeugnisse ausstellen.

Damit trifft Reber auf Widerstand. «Diese Leute beschimpfen uns und tun zum Teil laut ihren Unmut kund», sagt die Hausärztin. Manche zeigten auch mit dem Finger auf sie und behaupteten, Ärzte würden die Behördenweisungen blind und mutlos umsetzen. «Darauf folgen manchmal belehrende Mails mit abstrusen Videos und dem Kommentar, wir würden schon noch sehen, dass wir falsch lägen.»

Glücklicherweise halte sich die grosse Mehrheit ihrer Patientinnen und Patienten jedoch an die BAG-Vorgaben, sagt Reber. «Denn: Ein Grossteil der Bevölkerung respektiert die Behördenweisungen, verhält sich verantwortungsbewusst und respektvoll.»

Arztzeugnis für Allergiker?

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), sagte an einer Medienkonferenz, es gebe «nur ganz wenige medizinische Gründe», weshalb jemand einen mRNA-Impfstoff nicht vertrage.

Ärztinnen und Ärzte gehen davon aus, dass selbst Personen, die sich nachweislich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können, ein Arztzeugnis nicht als Covid-Zertifikat nutzen können. Grund dafür sei etwa, dass der Impfstoff von Johnsohn & Johnson bald verfügbar sei. Damit hätten auch Personen, die allergisch auf mRNA-Impfstoffe reagierten, die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Ob ein Arztzeugnis Zugang zum Zertifikat ermöglichen kann, war beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag nicht zu erfahren.

Das BAG lieferte am Freitag nach, dass die Personen, die bisher aus medizinischen Gründen zum Beispiel aufgrund einer schweren Allergie nicht mit mRNA-Impfstoff hätten geimpft werden können, sich ab nächster Woche in den Kantonen mit dem Impfstoff Jansen & Jansen impfen lassen könnten. «Nach der Impfung wird ihnen auf Wunsch ein Covid-Zertifikat ausgestellt, das 22 Tage nach der Impfung gültig wird. Bis dahin bleibt die ärztliche Bescheinigung gültig», sagt Sprecherin Nani Moras.

Etwas gesehen, etwas gehört?

Schick uns deinen News-Input!

Speichere unseren Kontakt im Messenger deiner Wahl und sende spannende Videos, Fotos und Dokumente schnell und unkompliziert an die 20-Minuten-Redaktion.

Handelt es sich um einen Unfall oder ein anderes Unglück, dann alarmiere bitte zuerst die Rettungskräfte.

Die Verwendung deiner Beiträge durch 20 Minuten ist in unseren AGB geregelt: 20min.ch/agb

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

513 Kommentare