Corona-Demo in Winterthur ZH - Massnahmenkritiker verfolgt und attackiert Beobachter
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Corona-Demo in Winterthur ZH Massnahmenkritiker verfolgt und attackiert Beobachter

Ein Aktivist nahm als Beobachter an den Corona-Protesten in Winterthur ZH teil. Ein Typ, der ihm ständig nachgelaufen sei, habe ihm einen Faustschlag versetzt, sagt dieser.

Ein Massnahmenkritiker attackierte einen Beobachter an der Corona-Demon in Winterthur.

@dergerichtshof

Darum gehts

  • Cyberaktivist M. T.* mischte sich als Beobachter unter die Demonstrantinnen und Demonstranten der Corona-Demo in Winterthur ZH.

  • Im Backstage-Bereich der Bühne eskalierte die Situation. Ein Mann, der ihn ständig verfolgt habe, habe ihm einen Faustschlag versetzt, so T.

  • Am Sonntag erstattete er Anzeige gegen Unbekannt.

  • «Dass einer einem anderen eine runterhaut, kommt an jedem Oktoberfest vor», sagt der Veranstalter zum Vorfall.

Mehrere Tausend Massnahmenkritikerinnen und -kritiker zogen am Samstag durch die Winterthurer Innenstadt. M. T.* mischte sich als Beobachter unter die Menge. Vertreten an der Demo waren der Verein «Mass-voll» sowie die Freiheitstrychler. «Ich wollte wissen, wer diese sehr laute Minderheit ist, die sich gegen die Corona-Massnahmen wehrt», so T. Mit einigen Teilnehmenden habe er auch gute Gespräche geführt. Dennoch wurde es dem 33-Jährigen Cyberaktivisten während der Demonstration zunehmend unwohl.

«Ich hatte das Gefühl, dass mich ein schwarz gekleideter Typ mit Bart und Sonnenbrille ständig beobachtet. Überall, wo ich war, tauchte auch er auf.» Nach einiger Zeit sei er dem Typen ausgewichen. «Als ich ihn erneut sah, versteckte ich mich hinter einer Hausecke.» Kaum habe er sein Versteck verlassen, sei er wieder auf den Mann getroffen. «Ich lief dann in die Gegenrichtung des Umzugs, worauf er mir auch folgte. Da war für mich klar, dass mich dieser Mann verfolgte.»

«Plötzlich rief er: ‹Feind, Feind, Feind!›»

Er habe dem Mann darauf ein Zeichen gegeben, dass er ihn bemerkt habe, so der Aktivist. «Danach kam er bedrohlich auf mich zu und sagte: ‹Jetzt zitterst du.› Auch wollte er wissen, was ich hier mache.» Er habe ihm geantwortet, dass er nicht seinetwegen hier sei. «Darauf sagte der Typ, er habe wegen der Coronamassnahmen seinen Job verloren.»

Im Backstage-Bereich der Rednerbühne eskalierte die Situation laut T. «Ich sah den Mann dort wieder und fragte ihn, warum er mir gefolgt sei. Plötzlich rief er: ‹Feind, Feind, Feind!›, worauf ich von Securitys umzingelt und herumgezerrt wurde.» Als Feind habe ihn dieser wohl betrachtet, weil er den Backstage-Bereich betreten habe.

Anzeige erstattet

«Wenige Sekunden später kam der Typ von der linken Seite und versetzte mir einen Faustschlag in den Brustkorb», sagt T. Im Spital habe sich herausgestellt, dass er eine Rippenprellung erlitten habe. «Weil ich auf dem Neumarkt-Platz zu Boden gestossen wurde, hatte ich auch eine Schürfwunde am Bein und meine Brille ging zu Bruch.» Nach dem Vorfall sei er von der Winterthurer Stadtpolizei herauseskortiert worden. Ein Kollege von ihm filmte einen Teil des Vorfalls. Er ist auch derjenige, der im Video ruft: «Hört auf!»

Am Sonntag habe er Anzeige gegen Unbekannt erstattet, sagt T. «Ich bin tief schockiert über die Gewaltbereitschaft der Massnahmenkritiker, die sich immer wieder als friedlich bezeichnen.» Auch verurteile er, dass die Organisationen aggressives Securitypersonal einstellten.

Das komme an jedem Oktoberfest vor

Die Stadtpolizei Winterthur kann den Vorfall offiziell nicht bestätigen. «Da noch keine Anzeige erstattet wurde, haben wir vom Vorfall noch keine Kenntnisse», sagt Mediensprecher Michael Wirz. Am Rand der Route sei es jedoch zu Provokationen gekommen, bei denen die Polizei schlichtend einschreiten habe müssen.

Veranstaltet wurde die Demo vom Grünen Zürcher Kantonsrat Urs Hans und dem Verein Public Eye on Science. Zum Vorfall könne er nicht Stellung nehmen, da er nicht dabei gewesen sei, sagt Hans auf Anfrage von 20 Minuten. Die Demonstration sei von Seiten der Massnahmenkritikerinnen und Massnahmenkritiker friedlich verlaufen. «Dass einer einem anderen eine runterhaut, kommt an jedem Oktoberfest vor. Vielleicht war einer ja betrunken.»

Brenzlige Momente habe er selbst allerdings aufgrund von Gegendemonstrantinnen und -demonstranten erlebt. Auf der Höhe des besetzten Hauses nach der Tösstalkreuzung habe der Demonstrationszug von der Polizei umgeleitet werden müssen. «Unser Fahrzeug konnte nicht ausweichen und wurde angehalten, weil viele kleine Kinder mitfahren konnten.» Er habe persönlich mitgeholfen, die Kinder zu evakuieren. «Die Polizei hatte Angst, von Pyros angegriffen zu werden.» Nach 100 Metern hätten die Kinder wieder mitfahren können.

*Name der Redaktion bekannt.

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