«Besonders tierfreundlich» – Tierschützer schlagen Alarm wegen Tierleiden in BTS-Ställen
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Tierschützer schlagen AlarmMasthühner leiden in «besonders tierfreundlichen Ställen»

Küken, die kaum gehen können und innerhalb von einem Monat auf zwei Kilo hochgemästet werden. Das soll laut der Sendung «Kassensturz» in Poulet-Mastbetreiben, die mit «besonders tierfreundlich» gelabelt sind, vorkommen.

von
Lea Gnos
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Der SRF-Sendung «Kassensturz» liegen Bilder aus Mastbetrieben vor.

Der SRF-Sendung «Kassensturz» liegen Bilder aus Mastbetrieben vor.

Screenshot SRF
Zu sehen sind laut einem Insider Küken, die innerhalb von einem Monat auf zwei Kilogramm hochgemästet werden.

Zu sehen sind laut einem Insider Küken, die innerhalb von einem Monat auf zwei Kilogramm hochgemästet werden.

Screenshot SRF
Die Aufnahmen sind aus BTS-Ställen, die als besonders tierfreundlich gelabelt sind.

Die Aufnahmen sind aus BTS-Ställen, die als besonders tierfreundlich gelabelt sind.

Screenshot SRF

Darum gehts

  • Die Bezeichnung «besonders tierfreundlich» ist laut der Sendung «Kassensturz» bei einigen Poulet-Mastbetrieben nur bedingt zutreffend.

  • Viele Tiere würden leiden, sagt ein Brancheninsider.

  • Dem «Kassensturz» liegt Filmmaterial vor.

Der SRF-Sendung «Kassensturz» liegen Bilder aus Poulet-Mastbetrieben vor. Zu sehen sind laut einem Insider Küken, die innerhalb von einem Monat auf zwei Kilogramm hochgemästet werden. Die Aufnahmen sind aus Ställen, die eigentlich als besonders tierfreundlich gelabelt sind.

«Mir ist wichtig, dass die Öffentlichkeit die Wahrheit erfährt zu den sogenannt besonders tierfreundlichen BTS-Ställen», erklärt der Brancheninsider seine Motivation, «Kassensturz» Filmmaterial aus dem Inneren solcher Ställe zuzuspielen. «Bereits nach wenigen Tagen haben viele Küken Gelenkprobleme, weil sie sehr schnell wachsen. Viele Tiere können sich nicht mehr richtig bewegen, haben Schmerzen und oft verdursten sie auch, weil sie gar nicht mehr an die Wasserspender gelangen können», sagt er.

Migros zieht Konsequenzen

«Besonders tierfreundliche Stallhaltung», oder kurz BTS, ist eine amtliche Bezeichnung des Bundes. Landwirte, welche Hühner in Ställen nach BTS-Vorgaben mästen, erhalten vom Bund Direktzahlungen. Für den Schweizer Tierschutz (STS) sagt der Begriff BTS nur bedingt etwas darüber aus, wie tierfreundlich diese Ställe wirklich sind. Der Schweizer Tierschutz vergibt deshalb ein eigenes Tierwohlrating, welches auch auf der Fleischverpackung aufgedruckt ist.

«In unserem eigenen Tierwohlrating, das von A bis D reicht, geben wir BTS-Hühnerställen nur ein C», sagt Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz. «Diese Hühner können nur noch schwer gehen, haben Schmerzen, das ist für uns nicht mehr wirklich Tierschutz.»

Weder Migros, Coop, Lidl und Aldi, noch der Verband der Schweizer Geflügelproduzenten wollten «Kassensturz» in einem ihrer BTS-Ställe filmen lassen. Auch zur Kritik an BTS wollte kein Unternehmen Stellung nehmen. Migros schreibt «Kassensturz» aber, dass sie auf die Bezeichnung «Besonders tierfreundliche Stallhaltung» auf den Verpackungen verzichten will. Auch Lidl prüft einen ähnlichen Schritt.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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