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Tabu-Thema«Masturbation ist wie Zähneputzen»

Darf man sich selbst lieben, wenn man jemand anderen liebt? Selbst im Kino ist Masturbation in der Beziehung ein Tabu-Thema. Warum dieses Denken falsch ist.

von
Katinka Templeton

Masturbation in Beziehungen wird in Hollywood oft als verpönt dargestellt, wie hier in «American Pie: Reunion». (Quelle: Youtube/beckamartinez)

Masturbation ist in Hollywood kein Fremdwort. In allen Sparten des Films wird Selbstliebe immer wieder thematisiert, oft aber in einem Zusammenhang, in dem der Protagonist single ist. Oder – wie in «Nymphomaniac» – sexbesessen. Doch wie steht es um Masturbation in einer Beziehung? Diese Art von Befriedigung gilt irgendwie als verpönt. Wir erinnern uns an die Szene in «American Pie: Reunion», in der sich die Ehepartner gegenseitig beim Masturbieren erwischen. Beide sind daraufhin gekränkt und zweifeln an der Beziehung.

Für Sexologin Maggie Tapert ist diese Schlussfolgerung das Resultat einer langen Unterdrückung in der Gesellschaft: «Menschen, die denken, Masturbation sei nur für Singles, haben eine negative Einstellung. Manchmal muss man sich einfach zurücklehnen und sich in seiner eigenen Fantasie verlieren.»

Potenzial ausschöpfen

Sex und Onanie zu vergleichen sei unmöglich, so die Sexologin. Denn obwohl das Potenzial der weiblichen Sexualität unglaublich gross sei, werde dieses in einer Partnerschaft nicht immer voll ausgeschöpft.

«Siebzig Prozent aller Frauen können durch Penetration alleine keinen Orgasmus bekommen», weiss die Expertin. Natürlich könne man auch mit dem Partner auf anderem Wege den Höhepunkt erreichen. «Aber einen Vibrator zu benutzen, kann Frauen die Tür zu ungeahnt lustvollen Momenten öffnen.» Das heisse aber nicht, dass Masturbation besser sei als Sex, es könne einfach intensiver sein. «Das eine ersetzt das andere nicht.»

«Tun Sie es gemeinsam»

«Masturbation ist wie Zähneputzen», fährt die Sexologin fort. Man müsse die Zahnhygiene ja auch nicht vor dem Partner verstecken, warum soll man darum mit der Selbstliebe hinterm Berg halten? Wer ein gesundes Liebesleben will, sollte mit seinem Gegenüber ein Gespräch suchen. Maggie Tapert hat dafür Tipps auf Lager: «Zeigen Sie Ihrem Partner, wie Sie masturbieren und welche Gefühle das bei Ihnen auslöst. Tun Sie es gemeinsam.» So könne der Partner besser verstehen, warum man auch mal selbst Hand anlegt. «Das ist reife Sexualität zwischen zwei Menschen!»

Stört es Sie, wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner masturbiert? Oder haben Sie in einer Beziehung schon mal versprochen, das Masturbieren zu unterlassen? Verraten Sie uns, wie Sie zum Thema stehen und machen Sie mit bei der Umfrage!

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