12.03.2015 14:30

Verwöhnter Nachwuchs

«Materielle Geschenke statt Zeit und Zuwendung»

Junge sind heute zu verwöhnt, sagt Kinderpsychologe Henri Guttmann. Die Leser sind mehrheitlich seiner Meinung und fordern mehr Erziehung und Disziplin.

von
hum
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Wie Familientherapeuten berichten, haben viele Kinder in der Schweiz übersteigerte Ansprüche. Erfüllen die Eltern ihren Sprösslinge diese Wünsche nicht, drohen Wut- und Gewaltausbrüche.

Wie Familientherapeuten berichten, haben viele Kinder in der Schweiz übersteigerte Ansprüche. Erfüllen die Eltern ihren Sprösslinge diese Wünsche nicht, drohen Wut- und Gewaltausbrüche.

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Das Hilfswerk World Vision macht in seiner neusten Kampagne «mit einem Augenzwinkern» auf übersteigerte Ansprüche von Kindern in der Schweiz aufmerksam. Es plädiert für die Einführung eines Mindestsackgeldes ...

Das Hilfswerk World Vision macht in seiner neusten Kampagne «mit einem Augenzwinkern» auf übersteigerte Ansprüche von Kindern in der Schweiz aufmerksam. Es plädiert für die Einführung eines Mindestsackgeldes ...

... oder eine Dreitagewoche für Schüler.

... oder eine Dreitagewoche für Schüler.

In nahezu 1500 Kommentaren haben die Leser ihre Meinung zum immer verwöhnteren Nachwuchs kundgetan. Gerade das Interview mit Kinderpsychologe Henri Guttmann hat bei vielen Kommentierenden Zustimmung gefunden.

So schreibt etwa Leserin Sabi: «Danke! Endlich mal jemand, der mir aus der Seele spricht. Alle Jungen glauben, ihnen gehöre die Welt, da ihnen niemand Grenzen setzt. Kein Wunder, dass bei so einer Auswahl so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben.»

«Wir bilden keine Lehrlinge mehr aus»

Leser Markus Weber bestätigt Sabis Aussage. Er ist selbst in einem ehemaligen Lehrbetrieb tätig und glaubt auch, dass Jugendliche heutzutage zu sehr verwöhnt werden: «Seit knapp zwei Jahren bilden wir keine Lehrlinge mehr aus, da man die meisten nicht mehr gebrauchen konnte. Gute Umgangsformen, Interesse, Respekt und Anstand kennen sie nicht mehr. Ich hoffe sehr, dass sich das wieder ändern wird.»

Sara ist zwar selbst erst 20 Jahre alt, aber, wie sie sagt, vom Verhalten vieler Kinder schockiert: «Schon nur in meinem Umfeld gibt es viele Eltern, die ich persönlich nicht verstehe. Meine Nachbarin beispielsweise, 10 Jahre alt, hat ihr eigenes iPhone 6.» Leser Strolchi glaubt, den Grund für das übermässige Verwöhnen zu kennen: «Das Problem ist doch, dass sehr viele Eltern aus schlechtem Gewissen heraus die Kinder mit allem verwöhnen – materielle Geschenke anstatt Zeit und Zuwendung!»

Wer hat die Verantwortung?

Doch nicht alle Leserinnen und Leser in den Kommentarspalten stimmen mit dem Kinderpsychologen überein. So schreibt eine Leserin, die selbst Mutter ist: «Bitte nicht alle in einen Topf werfen. Ich bin überzeugt, dass der Grossteil sich immer noch anständig benimmt. Nur jene, um die sich von klein auf alles dreht, führen sich so auf.» Sie glaubt, dass es sich bei diesen Kindern mehrheitlich um den Nachwuchs finanziell gut situierter Familien handelt. Auch Leser Chris kann nicht ausmachen, dass Kinder heute stärker verwöhnt werden als früher: «Zumindest nicht im Umfeld meiner Kinder, neun und sechs Jahre alt. Einige haben Smartphones, aber nur wenige. Die meisten gehen raus und spielen und kennen die wichtigsten Anstandsregeln. Also kriegt euch wieder ein.»

Leserin Margrit hingegen sieht das Problem nicht in der Erziehung des Nachwuchses, sondern in der heutigen Gesellschaft an sich: «Der Löwenanteil dieses Debakels geht auf das Konto der unbegrenzten digitalen Medienwelt, die für Eltern schlicht unkontrollierbar geworden ist.»

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