Aktualisiert 04.03.2011 13:54

Vermisste Zwillinge«Matthias hatte eine seelische Störung»

Er hat seine Zwillinge entführt, sich selbst gerichtet und wohl auch das Schicksal seiner Töchter besiegelt. Nun sucht die Familie von Matthias S. nach einer Erklärung.

von
amc

Die schlimmen Befürchtungen über den Verbleib der sechsjährigen Alessia und Livia verdichten sich langsam zur Gewissheit: Weder die Behörden noch die Familie der Zwillinge glauben wirklich an ein gutes Ende - laut der italienischen Zeitung «La Repubblica» zu Recht. Matthias S. hat offenbar zwei Briefe an die Mutter geschrieben. Die Nachricht ist so kurz wie schlimm: «Die Mädchen ruhen in Frieden, sie mussten nicht leiden.»

Die Waadtländer Behörden haben den Brief des Vaters noch nicht bestätigt, doch zweifelt über eine Woche nach dem Selbstmord von Mattias S. kaum jemand am tragischen Ende der Zwillinge – auch nicht die Familie des Entführers und wohl auch Mörders von Alessia und Livia. «Wir leiden sehr unter dem Tod von Matthias und dem schrecklichen und ungewissen Schicksal unserer beiden Nichten und Enkelinnen», schreibt die Familie S. in einer Mitteilung an die Medien.

Liebevoller und fürsorglicher Vater

Die Familie habe mit Bestürzung und «voller Sorge» die Geschehnisse der vergangenen Tage verfolgt. «Wir sind uns einig und sicher», heisst es in der Mitteilung weiter, «dass unser Sohn und Bruder in dieser Zeit nur aufgrund einer schweren seelischen Störung und des Verlusts seiner normalen Persönlichkeit so schreckliche Taten vollbringen konnte.»

Es ist der verzweifelte Versuch der liebenden Familie, eine unerklärliche Tat zu erklären. Es ist der Versuch, den 43-jährigen Sohn und Bruder als «liebevollen und fürsorglichen Vater» sowie «achtungsvollen Menschen» in Erinnerung zu behalten. «Wir haben ihn so erlebt, und so wollen wir uns an ihn erinnern», schreibt die Familie weiter: «Seine Familie bedeutete Matthias alles.»

Tod im Testament angekündigt

Es scheint immer eindeutiger, dass Matthias S. seine mutmassliche Bluttat systematisch geplant hatte: Wie die französische Tageszeitung «Le Parisien» berichtet, hat er in seinem Testament «eindeutig angekündigt, erst die Zwillingsmädchen und dann sich selbst umzubringen». Sie bezieht sich dabei auf französische Justizkreise.

Auszüge aus dem Testament von Matthias S. sind bereits zuvor an die Öffentlichkeit gelangt: Offenbar wurde die Todesankündigung aber bewusst zurückgehalten, weil der Vater in seinem letzten Willen paradoxerweise auch ankündigte, die Erbgüter seinen Töchtern zu vermachen. Laut «Le Parisien» ist das Vorgehen der Ermittler dadurch zu erklären, dass sie «allfällige Zeugen nicht entmutigen wollten, Hinweise auf den Verbleib der Mädchen zu liefern.» Die Waadtländer Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft in Marseille wollten auf Anfrage von 20 Minuten Online die neuen Auszüge des Testaments weder dementieren noch bestätigen. Sie verwiesen auf eine Medienkonferenz, die im Verlauf des heutigen Tages in Lausanne stattfinden soll.

(fum)

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