Zürcher Stadtpräsidentin : Mauch lobt ZKB-Seilbahn und wird darum angezeigt
Aktualisiert

Zürcher Stadtpräsidentin Mauch lobt ZKB-Seilbahn und wird darum angezeigt

In einem Video macht sich Corine Mauch für das ZKB-See-Seilbähnli stark. Das passt einem Bürger nicht. Er reicht eine Strafanzeige und Aufsichtsbeschwerde ein.

von
som

In gläsernen Kabinen über den See schweben. Bereits ab 2020 soll die ZüriBahn das Mythenquai und Zürihorn miteinander verbinden – pünktlich zum 150-Jahr-Jubiläum der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Am Freitag stellte die ZKB das Design des See-Bähnlis vor und gab bekannt, dass eine reguläre Fahrt 14 Franken kosten werde.

So soll die ZKB-Seilbahn aussehen

2020 will die ZKB eine Seilbahn über den Zürichsee installieren – als Geschenk für das 150-jährige Jubiläum.
(Video: ZKB)

So soll die Bahn aussehen.

Allerdings ist das Bewilligungsverfahren noch längst nicht abgeschlossen – unter anderem wurde das Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Zudem regt sich in den betroffenen Quartieren schon seit längerem Widerstand gegen das Projekt. So sehen gewisse Anwohner das Landschaftsbild verschandelt und befürchten mehr Lärm. Mehr als 2200 Personen haben eine Petition unterschrieben.

«Seilbahn-Dossier soll Mauch entzogen werden»

Nun hat auch noch ein Anwohner aus Wollishofen gegen Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) Aufsichtsbeschwerde und eine Strafanzeige eingereicht. Er will damit erreichen, dass ihr das Seilbahn-Dossier entzogen und gegen sie ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs eingeleitet wird.

Stein des Anstosses ist eine Videobotschaft, die auf der ZKB-Website am 6. Juli 2017 publiziert wurde. Darin sagt Mauch, dass sie sofort von der Idee begeistert gewesen sei. «Eine Jubiläums-Seilbahn ist faszinierend und passt zum offenen Zürich.» Sie freue sich jetzt schon, Zürich aus einer neuen Perspektive zu erleben.

«Mauch übernimmt Rolle einer Lobbystin»

Ein Wollishofer, der anonym bleiben möchte, bezeichnet Mauchs Auftritt auf Anfrage von 20 Minuten als private PR-Aktion: «Und das, bevor sich die Politik, Behörden und die Bevölkerung zum Projekt äussern konnten.»

Mauch übernehme die Rolle einer Lobbyistin, die den Zuschauern ungefragt ein Produkt aufdränge. Dabei sollte eine Stadtpräsidentin gemäss Beschwerde im Interesse der Allgemeinheit handeln und das öffentliche Interesse schützen. Dieses Produkt habe aber keinen gesellschaftlichen oder wohltätigen Zweck: «Zudem blendet Mauch die immense Belastung von Mensch und Umwelt durch die Seilbahn aus.»

«Mauch hielt Wissen geheim»

Ebenfalls glaubt der Wollishofer, dass Mauch schon Monate vor der Bekanntmachung in das Projektes eingeweiht gewesen sei. «Ihr Wissen hielt sie jedoch geheim.» Dadurch habe sie sich einen Wissensvorsprung erworben, den sie der Öffentlichkeit in unzuverlässiger Weise vorenthalten habe.

Behörden, Politiker und die Öffentlichkeit habe sie so überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt. «Seither befinden sie sich in der Defensive und müssen sich mit Hilfsmitteln wie Petitionen oder Anfragen im Gemeinderat wehren.» Ein Sprecher von Mauch sagt auf Anfrage, dass man bisher noch nicht Kenntnis von der Beschwerde habe.

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Mit der ZüriBahn feiert die ZKB im Jahr 2020 ihr 150-jähriges Jubiläum. Nun hat sie das Design vom ZKB-See-Bähnli vorgestellt.

Mit der ZüriBahn feiert die ZKB im Jahr 2020 ihr 150-jähriges Jubiläum. Nun hat sie das Design vom ZKB-See-Bähnli vorgestellt.

Patrick Friedli
Auch das Dossier für das Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr wurde eingereicht.

Auch das Dossier für das Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr wurde eingereicht.

Patrick Friedli
Erstmalig für eine Seilbahnkabine sei die Heckscheibe, die sich öffnen lässt, sowie das «Cockpit» vorne, das ein «einzigartiges Fahrerlebnis ermögliche».

Erstmalig für eine Seilbahnkabine sei die Heckscheibe, die sich öffnen lässt, sowie das «Cockpit» vorne, das ein «einzigartiges Fahrerlebnis ermögliche».

Patrick Friedli

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