Aktualisiert 22.09.2009 18:26

Glaubens-UmfrageMaulkorb für Atheisten stösst auf Unverständnis

«Da ist wahrscheinlich kein Gott», behauptet die Schweizer Freidenker-Vereinigung. Ein Verbot ihrer Plakate mit diesem Slogan verstösst aus ihrer Sicht klar gegen die Meinungsfreiheit. Was meinen Sie dazu?

von
Herbert Schraml

Das Thema erhitzt die Gemüter: Darf man Plakate einer Organisation, die für atheistische Ideen wirbt, verbieten? Diese Frage haben sich viele Bürger der Schweiz gestellt, nachdem die Stadt Luzern und die Verkehrsbetriebe genau dies getan haben. Die Diskussion um die fragwürdige Werbemassnahme hat damit eine neue Richtung genommen. Es geht nicht mehr um Religions-, sondern vielmehr um Meinungsfreiheit. Naturgemäss sieht die Freidenker-Vereinigung (FVS) vor allem letztere mit Füssen getreten.

Das Leben ist schön

Bis vor kurzem standen sich vor allem die FVS auf der einen Seite und militante Christen auf der anderen Seite gegenüber (20 Minuten Online berichtete). Auf Plakaten will die Organisation bald in der ganzen Schweiz dafür werben, das Leben zu geniessen, anstatt sich über die mögliche Existenz einer höheren Macht den Kopf zu zerbrechen. Doch zumindest in Luzern wird keines dieser Plakate prangen.

Grösste Werbekampagne der Welt

Die Luzerner CVP konnte sich mit ihren Argumenten durchsetzen und hat ein Verbot der umstrittenen Plakate erwirkt. Sie will keine «Werbung einer Organisation dulden, die zum Kirchenaustritt aufruft». Darüber können die Mitglieder der FVS nur den Kopf schütteln: «Die 'Allianz der Religiösen' richtet sich explizit gegen die Trennung von Staat und Kirche und dient dazu, im Namen der neuen 'religiösen Empfindlichkeit' die Kritik an den Religionen und damit die Meinungsäusserungsfreiheit zu beschränken. Die Freidenker wollen niemandem den religiösen Glauben wegnehmen», wehrt sich Reta Caspar, Leiterin der Freidenker-Geschäftsstelle in Bern.

Nicht nur sie stellt sich die Frage: Warum soll die Kirche für ihre Sache werben dürfen, um neue Schäfchen in die christliche Herde zu holen, während Nichtgläubige oder eben Freidenker zum Schweigen verdonnert sein sollen? Umso mehr, als nach Ansicht von Experten religiöse Werbung allgegenwärtig ist. So schreibt beispielsweise Oliviero Toscani in dem Buch «Die Werbung ist ein lächelndes Aas»: «Die grösste Werbekampagne der Menschheitsgeschichte wurde von Jesus Christus lanciert. Sie lief unter dem universellen Slogan 'Liebe Deinen Nächsten'. Und sie hatte ein bemerkenswertes Logo: das Kreuz.»

«Freies und kritisches Denken fördern»

Für Caspar ist die Einflussnahme der Kirchen auf staatliche Stellen Realität und alltäglich: «In der Schweiz werden Institutionen wie der 'Rat der Religionen' aufgebaut, welche den Bundesrat 'beraten' wollen. Regelmässige Treffen sind unter Bundesrat Couchepin eingeführt worden. Christen, Juden und Muslime wollen so ihren Anspruch auf Definitionsmacht z.B. in ethischen Fragen festigen.»

Die FVS ist jedoch der Meinung, dass Staat und Kirche getrennt sein sollten. So heisst es in den Statuten, die Organisation wolle das «freie und kritische Denken aufgrund einer humanistischen und wissenschaftsorientierten Weltanschauung und Ethik fördern, ohne an Glaubenssätze oder politische Ideologien gebunden zu sein».

Glaube gibt Halt

Doch wie sieht es mit den «positiven Nebenwirkungen» von Religionen aus? Verschiedene Studien besagen zum Beispiel, dass gläubige Menschen länger leben, weil sie ein besseres Immunsystem und einen niedrigeren Blutdruck hätten. «Die Tatsache, dass gläubige Menschen in ihrem Glauben Halt finden, bestreitet niemand», gibt auch Reta Caspar zu. «Das sagt aber nichts über den Wahrheitsgehalt ihrer religiösen Lehren aus.»

Ihre Meinung

Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Soll im Namen der Religion die Meinungsfreiheit für Gegner von Glaubensgrundsätzen beschnitten werden? Finden Sie es richtig, dass die Plakate in Luzern verboten wurden? Schreiben Sie Ihre Meinung unten in den Talkback und nehmen Sie teil an der grossen Umfrage rund um Glauben: Wem soll man nun seinen «Glauben schenken»? Ist religiöser Glaube heutzutage überhaupt noch zeitgemäss? Sind Sie selbst ein gläubiger Mensch? Zur Umfrage.

Die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) wurde 1908 gegründet. Sie fordert unter anderem die Aufhebung der steuerlichen Privilegierung der öffentlich-rechtlich anerkannten Landeskirchen, die Möglichkeit zur Befreiung juristischer Personen von der Kirchensteuer sowie die Einführung eines allgemein obligatorischen Fachs Ethik anstelle des Religionsunterrichts in der Grundschule. Mitglied werden kann jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat. (Quelle: Wikipedia) Derzeit sind schweizweit rund 1500 Mitglieder in 13 regionalen Sektionen gemeldet. Bekannte Freidenker waren Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Sokrates, Galileo Galilei, Friedrich Nietzsche und Friedrich Dürrenmatt.

Die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) wurde 1908 gegründet. Sie fordert unter anderem die Aufhebung der steuerlichen Privilegierung der öffentlich-rechtlich anerkannten Landeskirchen, die Möglichkeit zur Befreiung juristischer Personen von der Kirchensteuer sowie die Einführung eines allgemein obligatorischen Fachs Ethik anstelle des Religionsunterrichts in der Grundschule. Mitglied werden kann jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat. (Quelle: Wikipedia) Derzeit sind schweizweit rund 1500 Mitglieder in 13 regionalen Sektionen gemeldet. Bekannte Freidenker waren Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Sokrates, Galileo Galilei, Friedrich Nietzsche und Friedrich Dürrenmatt.

Die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) wurde 1908 gegründet. Sie fordert unter anderem die Aufhebung der steuerlichen Privilegierung der öffentlich-rechtlich anerkannten Landeskirchen, die Möglichkeit zur Befreiung juristischer Personen von der Kirchensteuer sowie die Einführung eines allgemein obligatorischen Fachs Ethik anstelle des Religionsunterrichts in der Grundschule. Mitglied werden kann jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat. (Quelle: Wikipedia) Derzeit sind schweizweit rund 1500 Mitglieder in 13 regionalen Sektionen gemeldet. Bekannte Freidenker waren Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Sokrates, Galileo Galilei, Friedrich Nietzsche und Friedrich Dürrenmatt.

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