23.07.2020 05:10

SCHLAG GEGEN ’NDRANGHETA

Maulwurf in Mafia-Clan eingeschleust

Bei einer Razzia gegen die ’Ndrangheta wurden 75 Personen festgenommen, 6 davon in der Schweiz. Als unscheinbare Mafia-Drehscheibe gilt eine Pizzeria in Muri AG.

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Die Bundespolizei führte eine gemeinsame Aktion mit der Kapo Solothurn, der Kapo Aargau und der italienischen Polizei gegen die ‘Ndrangheta durch. Als unscheinbare Mafia-Drehscheibe gilt eine Pizzeria im Kanton Aargau.

Die Bundespolizei führte eine gemeinsame Aktion mit der Kapo Solothurn, der Kapo Aargau und der italienischen Polizei gegen die ‘Ndrangheta durch. Als unscheinbare Mafia-Drehscheibe gilt eine Pizzeria im Kanton Aargau.

Laut italienischen Medien konnte ein Maulwurf wertvolle Informationen den Ermittlern liefern.

Laut italienischen Medien konnte ein Maulwurf wertvolle Informationen den Ermittlern liefern.

fedpol
5 Mitglieder konnten festgenommen werden.

5 Mitglieder konnten festgenommen werden.

KEYSTONE

Darum gehts

  • 700 Beamte beteiligten sich an der grossangelegten Aktion gegen die kalabresische Mafiaorganisation ‘Ndrangheta.
  • Laut italienischen Medien konnte ein Maulwurf wertvolle Informationen den Ermittlern liefern.
  • Im Zentrum der grossangelegten Polizeiaktion steht nun die Aargauer Gemeinde Muri.

Die Festgenommenen gehören gemäss den Angaben zu kalabrischen Familien, die im Bereich der organisierten Kriminalität tätig sein sollen. Sie stammen aus der Gegend von Lamezia Terme und der Provinz Vibo Valentia.

Italienischen Medien zufolge konnten Ermittler einen Maulwurf in der Schweiz in den Mafia-Clan einschleusen. Dem Undercoverpolizist soll es demnach gelungen sein, das Vertrauen der mutmasslichen Mafiosi aus dem Aargau zu gewinnen und damit wichtige Informationen den Ermittlern zu liefern. Über die Identität des Polizisten ist bisher nichts bekannt.

Laut CH Media gilt eine Pizzeria in Muri AG als Drehscheibe. Das Restaurant, dass sich als Pizzeria der italienischen Mafia entpuppen könnte, gibt es bereits seit 20 Jahren. Der Wirt und angebliche Inhaber soll italienischer Staatsangehöriger sein und aus der Gemeinde Filadelfia in der kalabrischen Provinz Vibo Valentia stammen.

Er habe ein unauffälliges Leben im Dorf geführt, sagt eine Quelle gegenüber CH Media. Dass er einen Ferrari in der Garage hatte, habe niemanden verwundert, heisst es weiter. Auch die vielen «frisierten» Autos vor dem Restaurant brachte niemand in Verbindung mit der Mafia.

Echte Geheimoperation

Wie Blick schreibt, sei die Razzia in Muri eine echte Geheimoperation gewesen. So habe sie der Bund erst kurz vor dem Zugriff im Aargau angekündigt und die Sondereinheit Argus habe sich um die Mafiosi gekümmert.

Gegen sechs Männer in der Schweiz läuft ein Strafverfahren wegen Waffen- und Drogenhandel, Schmuggel von Falschgeld sowie Geldwäsche. Laut Blick seien dabei auch Waffen für den Anello-Clan verschoben worden, um Morde zu verüben oder Erpressungsopfer einzuschüchtern.

Wie «Lacnews24» schreibt, sagten die Mafiosi anstatt Patronen «Konfetti» und anstatt Gewehre «Reifen». Der Grund: Sie wollten bei den Abhörmassnahmen nicht auffallen. Zudem sollen des Öfteren grosse Geldmengen von der Schweiz nach Filadelfia geflossen sein. Die Verbindung zur Schweiz bestehe Medienberichten zufolge bereits seit über 20 Jahren.

Mafia-Aktion in der Schweiz

Im Einsatz standen Kräfte der Bundesanwaltschaft (BA), der Bundespolizei sowie Polizistinnen und Polizisten der kantonalen Polizeikorps. Hausdurchsuchungen führten die Ermittlungsbehörden in den Kantonen Aargau, Solothurn, Zug und Tessin durch. In den Wohn- und Geschäftsräumen stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel sicher, darunter Waffen, Munition und Bargeld.

Den 74 in Italien verhafteten Personen werden Drogenhandel, Geldwäscherei, Korruption und andere Verbrechen zur Last gelegt. Daneben konfiszierten die Behörden Waren im Wert von 169 Millionen Euro, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. An der Aktion beteiligt sind rund 700 Beamte. Die Festgenommenen gehören gemäss den Angaben zu kalabrischen Familien, die im Bereich der organisierten Kriminalität tätig sein sollen. Sie stammen aus der Gegend von Lamezia Terme und der Provinz Vibo Valentia.

(20 Minuten, SDA)

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