Nach Attacke in «Weltwoche»: Maurer entschuldigt sich bei Burkhalter
Aktualisiert

Nach Attacke in «Weltwoche»Maurer entschuldigt sich bei Burkhalter

Das gab es in Bern noch nie: Ueli Maurer hat in einem Interview seinen Kollegen Didier Burkhalter frontal attackiert. Jetzt hat er sich öffentlich entschuldigt.

von
woz
Bundesrat Maurer bedauert einen Teil seiner Aussagen.

Bundesrat Maurer bedauert einen Teil seiner Aussagen.

Bundesrat Ueli Maurer hat sich in einem «Weltwoche»-Interview kritisch zum OSZE-Vorsitz der Schweiz während der Krim-Krise geäussert. Als Vorsitzland der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa laufe sie Gefahr, dass ihre Neutralität verwedelt werde. Zur politischen Haltung des Gesamtbundesrats sagte Maurer: «In allen wesentlichen Positionen ganz klar Mitte-links. In den letzten Jahren gab es kaum seriöse bürgerliche Entscheidungen.»

Heute die Entschuldigung: Auf der Homepage des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) bedauerte Ueli Maurer am Donnerstag einzelne Aussagen aus dem «Weltwoche»-Interview. Darin seien Aussagen enthalten, welche gegen das Kollegialitätsprinzip verstossen würden. Maurer stehe aber selbstverständlich zum Kollegialitätsprinzip.

Weiter heisst es in der Mitteilung auf der VBS-Homepage, Maurer bedaure insbesondere, «dass der Eindruck entsteht, die Mitglieder des Bundesrates würden sich für die Interessen der Schweiz, etwa die Wahrung der Neutralität, nur unzulänglich einsetzen».

Doppelrolle bringe Schweiz in ungemütliche Rolle

Im Interview sagte Maurer: «In der exponierten Lage an der Spitze der OSZE steigt die Gefahr, dass die offizielle Schweiz nicht mehr als neutral wahrgenommen wird.» Wenn die Schweiz Neutralitätspolitik betreiben wolle, dann dürfe sie keine solchen Bindungen eingehen.

«Im Bundesrat ist man sich durchaus bewusst, dass die Doppelrolle die Schweiz in eine ungemütliche Situation bringen kann», ergänzte der Verteidigungsminister. Es stelle sich die Frage, ob die Schweiz ein unabhängiger und neutraler Kleinstaat mit Bundespräsident Burkhalter an der Spitze sei, oder ob der OSZE-Präsident Burkhalter dominiere.

Putins Vorgehen sei inakzeptabel

Maurer äusserte sich auch zur Situation auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim, deren Bevölkerung am Sonntag mit grosser Mehrheit für den Anschluss an Russland stimmte. Er könne die Reaktion verstehen, denn die Mehrheit der Krimbewohner seien Russen. Putins Vorgehen allerdings bezeichnet Maurer als «inakzeptabel».

Bundespräsident Didier Burkhalter hatte am Dienstag in einem Gespräch mit NZZ online erklärt, die Schweiz sei als OSZE-Vorsitzende «doppelt unparteiisch». In der aktuellen Krim-Krise fühle sich die Schweiz noch stärker zur Neutralität verpflichtet. (woz/sda)

Deine Meinung