Stahel schiesst gegen Bundesrat: «Maurer ist der dümmste Verteidigungsminister»
Aktualisiert

Stahel schiesst gegen Bundesrat«Maurer ist der dümmste Verteidigungsminister»

Im ORF hat sich Strategie-Experte Albert A. Stahel abschätzig über Bundesrat Ueli Maurer geäussert. Am Montagabend entschuldigte sich Stahel für die «deplatzierte Bemerkung».

von
daw

Das österreichische Bundesheer muss sparen - obwohl unser Nachbarland nur über ein Armee-Budget von 2,5 Milliarden Franken verfügt. Zum Vergleich: Der Schweizer Armee sollen künftig 5 Milliarden Franken pro Jahr zur Verfügung stehen. Im österreichischen Fernsehen ORF2 debattierte gestern eine Expertenrunde über das Sparkonzept. Anwesend war auch Strategie-Experte Albert A. Stahel, seines Zeichens ehemaliger Lehrbeauftragter der ETH Zürich und Dozent für Strategische Studien an der Universität Zürich.

Als der 71-Jährige nach rund einer halben Stunde zu Wort kam, schoss er scharf gegen Verteidigungsminister Ueli Maurer: «Wir werden diesen Verteidigungsminister Maurer an die Wand fahren. Das garantiere ich Ihnen, wir hatten noch nie einen so dummen Verteidigungsminister», so das Mitglied der Schweizer Demokraten (SD). Auf Nachfrage präzisierte Stahel, wer dieses «wir» sei: «Wir sind Gruppierungen von Milizoffizieren, die mit Sorge auf die Armee blicken und die Anforderungen, die die internationale Lage an diese Armee stellt.»

Stahel kritisiert Abrüstung

Grund für den Ausraster am ausländischen TV war die These des Moderators, dass es auch in der Schweiz keine Mehrheit gebe, die sich für ein Aufrüsten bei der Armee ausspreche, worauf Stahel vehement widersprach. Stahel hatte zuvor die Armeepolitik der europäischen Staaten kritisiert, welche die internationale Sicherheitslage ignorierten. An die Adresse der Österreicher sagte Stahel: «Sie machen den gleichen Blödsinn wie wir: Sie sparen. Schön. Aber die internationale Lage rennt Ihnen davon.» Stahel verwies auf den Ukraine-Konflikt, die Destabilisierung Europas und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). «Wir leben in einer Fantasiewelt, die Realität ist eine andere.»

Die Aussagen Stahels sorgen selbst bei der Gruppe Giardino, die sich für eine starke Milizarmee einsetzt, für Kopfschütteln: «Natürlich ist die Lage bei der Armee dramatisch. Aber es geht nicht, Ueli Maurer so grob anzugreifen. Er muss vor allem den Schlamassel ausbaden, den seine Vorgänger angerichtet haben», so Präsident Hermann Suter.

Stahel war für 20 Minuten bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch beim Verteidigungsdepartement VBS wollte man die Aussgagen Stahels nicht weiter kommentieren.

Update 18 Uhr: Am Abend verbreiteten die Schweizer Demokraten ein Communiqué «im Namen ihres geschätzten Mitglieds» Prof. Dr. Albert A. Stahel. Darin heisst es, Stahel sei «verärgert über den unbefriedigenden Verlauf der Diskussion, eine deplatzierte Bemerkung über unseren Verteidigungsminister Ueli Maurer herausgerutscht». Dafür wolle sich Stahel in aller Form entschuldigungen. Richtig sei dagegen, dass Maurer aus Sicht der SD nicht für den Posten als Verteidigungsminister geeignet sei.

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