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Mysteriöser TodMaus stirbt an Rauchvergiftung, obwohl kein Feuer in der Nähe war

Eine tote Maus gibt einem Forscher Rätsel auf. Denn obwohl sie vor ihrem Ableben nicht in der Nähe eines Brandes oder Ähnlichem war, weist ihre Lunge Rauchpartikel auf. Wie kann das sein?

von
Fee Anabelle Riebeling
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Dieser Nager, der zur Gattung der Australischen Mäuse zählt, ist stark gefährdet. 

Dieser Nager, der zur Gattung der Australischen Mäuse zählt, ist stark gefährdet.

Museums Victoria/David Paul/CC BY 4.0
Schätzungen aus dem Jahr 2018 zufolge gibt es von Pseudomys fumeus landesweit nur noch 1000 bis 2000 Exemplare. 

Schätzungen aus dem Jahr 2018 zufolge gibt es von Pseudomys fumeus landesweit nur noch 1000 bis 2000 Exemplare.

Screenshot NSW Department of Planning, Industry and Environment 
Die wenigen Tiere sind nur noch in wenigen Gebieten anzutreffen: In Victoria's Grampians und East Gippsland sowie im Kosciuszko National Park in New South Wales.

Die wenigen Tiere sind nur noch in wenigen Gebieten anzutreffen: In Victoria's Grampians und East Gippsland sowie im Kosciuszko National Park in New South Wales.

Darum gehts

  • Obwohl zwischen ihr und dem nächsten Feuer Dutzende Kilometer lagen, ist eine Maus an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben.

  • Dass über ihren Tod berichtet wird, hat einen traurigen Grund.

  • Denn das Tier, das als stark gefährdet gilt, ist das weltweit erste, das durch den Rauch eines Buschfeuers weit ausserhalb einer Feuerzone getötet wurde.

«Ich blickte durch das Mikroskop auf das Innere einer toten Australischen Maus (Pseudomys fumeus) und traute meinen Augen kaum. Denn Tausende winzige Rauchpartikel säumten ihre Lungen.» Mit diesen Worten beginnt Andrew Peters, Professor für Wildtiergesundheit und -pathologie an der Charles-Sturt-Universität im australischen Wagga Wagga, seinen Bericht über eine tote Maus.

Das Tier stellt eine traurige Premiere dar: So ist es das erste bekannte Wildtier, das durch den Rauch eines Buschfeuers weit ausserhalb einer Feuerzone getötet wurde. Und dazu noch eines, das als stark gefährdet gilt. Bereits vor zwei Jahren schätzen Experten, dass es in Australien nur noch 1000 bis 2000 Exemplare gibt.

Mehr als 50 Kilometer

Laut Peters, der im Rahmen des Projekts «Flora, Fauna, Fire» für Theconservation.com über die Erholung der in Australien beheimateten Pflanzen und Tiere nach den Buschfeuern 2019/2020 (siehe Box) schreibt, lebte das verendete Tier zusammen mit rund 45 Artgenossen in einer Zuchtstation nahe der Hauptstadt Canberra. Damit lagen zwischen ihm und den nächsten Feuern mehr als 50 Kilometer.

Insgesamt starben neun Mäuse infolge des eingeatmeten Rauchs. «Für den Naturschutz waren die Todesfälle ein harter Schlag», schreibt Peters weiter. Doch es gebe auch gute Nachrichten. So seien in den letzten Wochen an sieben Orten, welche von den Feuern zerstört wurden, frei lebende Vertreter der Gattung gesichtet worden.

Tödliche Rekord-Buschfeuer

Bei den verheerenden Buschbränden 2019/2020 sind Schätzungen des WWF zufolge fast dreimal so viele Tiere betroffen gewesen wie zunächst angenommen. Hatten Experten zunächst 480 Millionen tote Tiere befürchtet, musste die Zahl der verendeten Tiere bald auf eine Milliarde hochgeschraubt werden. Nun ist von rund 3 Milliarden Tieren die Rede. Am schlimmsten traf es demnach Reptilien, aber auch Hunderte Millionen Säugetiere, Vögel und Frösche seien den Flammen zum Opfer gefallen.

«Dieses neue Ergebnis übertrifft die schlimmsten Erwartungen», sagte Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte bei WWF Deutschland. Dermot O’Gorman, Geschäftsführer von WWF Australien, sprach von «einer der schlimmsten Katastrophen für die Tier- und Pflanzenwelt in der Geschichte der Neuzeit.» Von WWF Österreich heisst es: «Wenn man sich vor Augen hält, dass auf der Welt aktuell (2020) 7,8 Milliarden Menschen leben, bekommt man ein Gefühl für das katastrophale Ausmass dieses Tiersterbens.»

Namengebendes Fell

Insgesamt zählen zur Gattung der Australischen Mäuse 23 Arten. Pseudomys fumeus stellt eine davon dar. In freier Wildbahn ist sie nur noch in wenigen Gebieten anzutreffen: in Victoria's Grampians und East Gippsland sowie im Kosciuszko National Park in New South Wales. Dort lebt sie in unterirdischen Nestern, die sich vornehmlich in Heiden oder im Wald befinden.

Die rund neun Zentimeter lange Art gilt als scheu, sanftmütig und klein. Ihren englischen Namen – Smoky Mouse – verdankt sie ihrem weichen, rauchgrauen Fell.

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37 Kommentare
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Dr. Mouse

12.11.2020, 18:42

Komisch, das gibts sonst nur bei Bongmäusen, eine Unterart der Bob-Marley-Maus... Sie sind nebenbei auch gute Gärtner. Nachts klauen sie Papierchen in Kiosken und lagern sie unter Bäumen! Wenn man nachts ganz still ist, hört man leise Reggae aus dem Bau tönen!

Sarkas

12.11.2020, 18:25

Waldbrände sind im Zyklus der Natur in Australien vorgesehen. Die Urvölker liessen Feuer kontrolliert zu. Heute wird Feuer leider verhindert, dafür kommt es alle paar Jahre umso heftiger. Schade ist, dass die Medien hier nicht auch berichten, dass sich die Vegetation während unseren Sommermonaten vielerorts prächtig erholt hat.

bruno

12.11.2020, 04:04

ganz einfach: CORONA.....machen unsere ärzte ja auch so..