3 mit Sex: «Max hat aus mir eine Nacktskulptur gemacht»
Aktualisiert

3 mit Sex«Max hat aus mir eine Nacktskulptur gemacht»

Ein erfolgreicher Künstler verknallt sich in Lars. Als er ihn zu seiner Vernissage einlädt, kommt es zu einem unheimlichen Showdown.

von
mim
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Lars datete einen Künstler. Als er an seine Vernissage eingeladen wurde, bereute er die Treffen mit ihm.

Lars datete einen Künstler. Als er an seine Vernissage eingeladen wurde, bereute er die Treffen mit ihm.

Anna Deér
Bruce ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Bruce datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Bruce ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Bruce datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Anna Deér
Lars ist ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Lars ist ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Anna Deér

«Bist du der böse Wolf?» Als frischer Single bieten Kostümpartys drei Vorteile: Erstens sind die Verkleidungen als Konversations-Starter ein gefundenes Fressen. Zweitens sind die Partygäste durch ihre Kostüme enthemmt. Und drittens: Alle sind betrunken.

Ich zögere also nicht, die Einladung zur Party eines Freundes mit dem Thema «be your spirit animal» anzunehmen. Mit Make-up und grauem Kunstpelz bastle ich mir ein Wolfskostüm. Die Stimmung an der Party ist ausgelassen, einige Gäste tanzen bereits im Wohnzimmer. Nach meinem Rundgang durch die Wohnung und ein paar «Halli-Hallos» stelle ich mich ans Küchenfenster, um frische Luft zu schnappen.

Ein Pandabär mit wuscheligem Haar spricht mich an: «Bist du der böse Wolf?» Weil mir nur anzügliche Antworten mit Schweinchen einfallen, lächle ich bloss. Der Panda stellt sich als Max vor. Wir kommen ins Gespräch. Max ist etwas jünger als ich und studiert Betriebswirtschaft. Eigentlich nicht mein Beuteschema. Ich erfahre, dass er nebenher Kunst macht und als aufstrebender Künstler gilt. Seine Skulpturen werden in Galerien ausgestellt und er führt seine Performances vor einem beachtlichen Publikum in ganz Europa auf. Schlagartig finde ich ihn interessanter. Wir verstehen uns gut und bevor ich nach Haus gehe, tauschen wir Telefonnummern.

Cocktails mit Max

In den nächsten Wochen date ich Max. Wir gehen tanzen, essen Falafel oder zeigen uns Künstler, die wir mögen. Max kann unglaublich viele Cocktails kippen. Am Ende unserer Dates bin ich immer betrunken. Manchmal küssen wir uns. Max ist sehr interessiert an mir. Er widmet mir Texte und sendet mir Videos von seinen Performances. Manchmal habe ich das Gefühl, konsumiert zu werden.

Auf einer weiteren Bartour schaut mich Max mit einem schelmischen Grinsen an und drückt mir den Flyer einer bevorstehenden Ausstellung in die Hand. «Kommst du auch?» Ich habe schon einige von Max' Skulpturen auf Bildern gesehen und möchte sie gern in echt sehen. Also sage ich zu.

Am Abend der Vernissage bin ich etwas nervös. Ich habe noch niemanden von Max' Freunden kennengelernt. Auf Facebook habe ich gesehen, dass sich auch einige meiner Bekannten für die Ausstellungseröffnung interessieren. Ich presse mich in meine Jeans und mach mich auf den Weg.

Ich koste 2'750 Franken

Als ich eintreffe, kichert mich Max an und gibt mir eine Umarmung. «Das ist Georg. Mein bester Freund.» Max wedelt mit seiner Hand in Richtung eines stoppelbärtigen Typen, dem eine teure Digitalkamera um den Hals baumelt. Als Georg mich sieht, werden seine Augen ganz rund und er beginnt, vielsagend zu grinsen. Zusammen gehen wir durch die Ausstellung. Vor der Skulptur eines nackten Mannes machen wir Halt. Georg will Fotos von mir machen und sagt, wie ich posieren soll. Unwillig platziere ich mich vor dem Kunstwerk und weiss nicht, wohin mit meinen Händen. Plötzlich fällt mein Blick auf die Namenstafel: Lars II, 2750 CHF. Das Ding ist nach mir benannt! Und beim genaueren Hinschauen sieht die Skulptur auch tatsächlich ein bisschen aus wie ich!

Als wir weiter durch die Ausstellung gehen, erkenne ich mich immer stärker in Max' Kunstwerken. Zitate aus Gesprächen, die wir geführt haben, sind in seine Skulpturen geritzt, weitere Werke nach mir benannt: Lars III sitzt mir in der Ecke der Ausstellung gegenüber. Auf der Werkliste sehe ich, dass die Skulptur – also ich – bereits für mehrere Tausend Franken verkauft wurde.

Alle wissen, wer ich bin

Und das Schlimmste: Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass die meisten Leute genau wissen, wer ich bin. Als Max mich durch die Ausstellung schiebt, spüre ich die verstohlenen Blicke und bemerke die Köpfe, die sich hastig abwenden. Ich weiss nicht, was ich denken oder sagen soll. Also sage ich nichts.

Als wird gemeinsam mit den letzten Gästen die Galerie verlassen, sehe ich beim Rauslaufen eine Wolfsskulptur mit dem Titel «the little drunk wolf». Ich werde plötzlich richtig sauer auf Max. Als er mir seinen Arm um die Schultern legen will, schubse ich ihn weg. «Was ist los?» Seine Freunde beobachten uns. Ich muss meine Stimme beherrschen. «Das war too much für mich! Ich fühle mich ausgenutzt.» Wir diskutieren noch kurz. Max versteht nicht, dass ich mich vorgeführt fühle. Wütend stapfe ich nach Hause.

Nach der Vernissage hören Max und ich auf, uns zu daten. Sporadisch schreiben wir uns. Aber an seinen Ausstellungen lasse ich mich bis heute nicht mehr blicken.

Anmerkung der Redaktion: Die Geschehnisse ereigneten sich noch vor der Ausbreitung des Coronavirus.

Drei mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gerne durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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