Aktualisiert 08.03.2013 12:16

Verwässerte Marke?Max Havelaar schraubt an Fairtrade-Regeln

Die Schweizer Max-Havelaar-Stiftung wirft Prinzipien über Bord: Bisher mussten fürs Gütesiegel alle Inhaltsstoffe zertifiziert sein – künftig will man auch Mischprodukte auszeichnen.

von
S. Spaeth
Bananen machen in der Schweiz 26 Prozent des Fair-Trade-Umsatzes aus.

Bananen machen in der Schweiz 26 Prozent des Fair-Trade-Umsatzes aus.

Fairtrade-Produkte liegen im Trend. Laut neusten Zahlen (2011) stieg ihr Absatz in der Schweiz zuletzt auf 329 Millionen Franken. Das ist ein Zuwachst von 8 Prozent. Zum Vergleich: Der Detailhandel insgesamt ging im selben Jahr laut Marktforscher von GFK um 1,6 Prozent zurück.

Dieser Fairtrade-Boom führt bei Fairtrade International, jener Dachorganisation, zu der auch Max Havelaar gehört, zu einem Umdenken. Den Partnern soll es künftig erlaubt sein, die zertifizierten Rohstoffe wie Kakao oder Zucker mit anderen, nicht fair gehandelten Inhaltsstoffen zu mischen. Dennoch sollen auch diese «halbpatzigen» Fairtrade-Produkte mit einem Fairtrade-Label versehen werden. Diese Massnahme will die Schweizer Max-Havelaar-Siftung noch in diesem Jahr umsetzen, wie die «Handelszeitung» in ihrer neusten Ausgabe berichtet.

Wird damit das Max-Havelaar-Label verwässert? «Auf keinen Fall», sagt Fred Lauener, stellvertretender Geschäftsleiter von Max Havelaar, im Gespräch mit 20 Minuten Online. Man schaffe lediglich eine zusätzliche Option für einzelne Rohstoffe, damit beispielsweise die Fairtrade-Kakaobauern über den Fairtrade-Kanal mehr Waren absetzen könnten. «Wir verpflichten uns gegenüber den Kleinbauern in den Entwicklungsländern», sagt Lauener.

In die Massenmärkte vorstossen

Hintergrund der Strategieänderung ist der Plan, mit Fairtrade-Produkten in die Massenmärkte vorzustossen. Noch besetzen sie erst eine Nische, die Wachstumschancen sind aber rosig. In den letzten zehn Jahren haben sich die Fairtrade-Umsätze in der Schweiz mehr als verfünffacht. Trotz der geplanten Produktionsausweitung will Fairtrade International die bestehenden Standards aufrechterhalten. Zudem wird es laut Lauener eine klare und sichtbare Differenzierung zwischen dem bisherigen Modell und den Mischprodukten geben.

Von einer «Gratwanderung» spricht man bei der Stiftung für Konsumentenschutz. Auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder, dass man es grundsätzlich begrüsse, wenn die Verwendung von fair gehandelten Rohstoffen steige. «Eine Mischlösung muss möglich sein», sagt Stalder. Sie begründet das damit, dass es sich bei Max Havelaar im Gegensatz zu Bio um ein ethisches Label handelt, das beispielsweise faire Arbeitsbedingungen beinhalte.

Wo Fairtrade drauf ist, muss es auch drin sein

Für die Konsumentenschützerin ist aber klar: Die Mischprodukte müssen klar deklariert werden und sich preislich von den 100-Prozent-Fairtrade-Produkten unterscheiden. «Ansonsten geht die Glaubwürdigkeit des Max-Havelaar-Labels verloren», so Stalder.

Kritischer ist man bei der Faritrade-Organisation Claro. Sie handelt mit rund 2000 Produkten aus dem Weltsüden, darunter Tee, Honig und Schokolade: «Wo Fairtrade drauf ist, muss auch Fairtrade drin sein», sagt Mediensprecherin Yolanda Roggo zu 20 Minuten Online. Durch mehrere Untervarianten werde ein Label verwässert, der Konsument verwirrt. Für das Handelsunternehmen steht fest, dass diejenigen Claro-Lebensmittel, die aus mehreren Rohstoffen bestehen, auch in Zukunft, soweit möglich, mindestens aber zu 50 Prozent aus fair gehandelten Rohstoffen hergestellt werden.

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