Payne-Killer: Max Payne - mit dem Depro-Cop in Brasilien

Aktualisiert

Payne-KillerMax Payne - mit dem Depro-Cop in Brasilien

Bald erscheint «Max Payne 3». Unser Gamejournalist hat bereits einen Blick darauf geworfen und meint: Kaputter sah Payne nie aus. Etwas Wichtiges fehlt jedoch.

von
Jan Graber

Wissen Sie, welche Games Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden? In meinem Gepäck befände sich auf jeden Fall die «Max Payne»-Reihe. Der Grund? Weil sie das perfekte Gegenstück zum paradiesisch-langweiligen Idyll einer Insel darstellt: Ein verbitterter New Yorker Cop räumt mit beissendem Sarkasmus in der Unterwelt auf, würde aber am liebsten selbst draufgehen. Weil er dann den Schmerz über den Verlust von Frau und Tochter nicht mehr spüren müsste. In bitteren Monologen kommentiert Payne derweil seine Sicht auf die Dinge.

Für diese düstere Art lieben ihn seine Fans und wie Kinder freuen wir uns auf den dritten Teil. Oder auch nicht: Schafft es Rockstar, Entwickler von Spielen wie «GTA» oder «Red Dead Redemption», die Stimmung von «Max Payne» richtig einzufangen und den Helden als das rüberzubringen, was er sein muss – diese unendlich verlorene Film-Noir-Gestalt, für die das eigene Ende ein Gnadenakt wäre, der aber trotzdem nicht anders kann, als zu kämpfen?

Maximaler Max

In einem Zürcher Hotel wurden erste Einblicke in den neusten Teil des Third-Person-Shooters gewährt. Ich sehe: Max Payne, der aus New York abgehauen ist und für brasilianische Immobilien-Tycoons als Bodyguard arbeitet. Einen Alkoholiker, der es nicht schafft, die Verlobte des einen Tycoons zu beschützen – sie wird entführt. Einen Antihelden, der auf der Jagd nach ihr von einer tödlichen Situation in die nächste stolpert.

Ich sehe auch die erstklassige Arbeit, die Rockstar in grafischer Hinsicht geleistet hat: die bis ins letzte Detail gestalteten Favelas, eine unerhört reichhaltige Welt voller Menschen und eindrücklichen Momenten. Und ich sehe Max.

Gametrailer «Max Payne 3»

Als optische Vorlage für Max Payne diente gleich auch dessen Sprecher der englischen Version – James McCaffrey. Selten hat man ein ähnlich verlebtes, zerknittertes Gesicht in einem Game erlebt. Gesicht und Stimme: Genau so wünscht man sich den Antihelden. Und erleichtert höre ich sie, diese typischen, bitteren inneren Monologe – Selbstgespräche mit verzögerter Zündung: «I had a hole in my second favorite drinking arm», sagt Payne an einer Stelle oder kommentiert seinen Zustand an einer anderen als: «I couldn't feel much of anything – which is the way I like it». Ich mache vor Vorfreude fast in die Hose.

Bekannte Actionelemente

Ebenfalls sehe ich die feine Ironie, für die Rockstar so berühmt ist – die liebevolle Respektlosigkeit, mit der sie Max Payne behandeln. Als sich Payne in einem hellen (oder volltrunkenen?) Moment den Schädel kahlrasiert und sich ein knallbuntes Hemd mit Pagageienmuster überzieht, entlarvt es bald das hilflose «positive thinking» des New Yorkers: Trotz fröhlicher Erscheinung als amerikanischer Tourist (Payne: «dumb americans») bleibt er der miesepetrige Einzelgänger – und das macht ihn erst recht sympathisch.

Ebenfalls freue ich mich über die bewährten Spielprinzipien der Reihe: die Bullet-Time, die zum genauen Zielen die Zeit verlangsamt. Die Schmerzmittel, die Payne schluckt, um am Leben zu bleiben. Dass er nur zwei Waffen aufs Mal tragen kann. Und über unzählige Spezialeffekte wie in Slow-Motion fliegende Kugeln oder farbliche Bildverschiebungen, wenn Payne halbtot durch die Gänge eines Fussballstadion torkelt.

Aber dann sehe ich auch die Kehrseite: Wie Rockstar den Helden auf den modernsten Stand bringt, aber die typischen Comic-Zwischensequenzen weglässt, die den ersten beiden «Max Payne»-Teilen das spezielle Flair verliehen. Wie Charaktere wie Mona Sax fehlen, mit denen der Antiheld eine Amour fou eingehen und dabei noch mehr leiden kann. Und ich bedauere, dass das Spiel fast nur auf altbekannte, repetitive Action setzt und neu vor allem Shooter-Massenware sein will. Und ich überlege mir, ob ich das «Max Payne 3» auf eine paradiesische Insel mitnehmen würde. Höchstwahrscheinlich trotzdem.

Technischer Hintergrund zu «Max Payne 3»

10 Jahre Max Payne

Zehn Jahre nach dem ersten «Max Payne» erscheint am 18. Mai der dritte Teil der Third-Person-Shooter-Reihe für PS3 und Xbox 360. Zwei Wochen später dürfen auch PC-Spieler Max' bitterem Sarkasmus lauschen und Blei sprechen lassen.

Das erste «Max Payne» wurde 2002 vom finnischen Studio Remedy entwickelt und führte als eines der ersten Actiongames eine tiefgründige Story ein sowie die sogenannte Bullet Time - eine Verlangsamung der Zeit, die Spielern dazu diente, genauer zu Zielen. Die Bullet Time ist jeweils aber nur begrenzt verfügbar. Ebenfalls typisch waren Comic-Sequenzen, mit denen die Ladezeiten des Games überspielt wurden, die den «Max Payne»-Spielen jedoch ihr typisches Erscheinungsbild und der düsteren Story Tiefe verliehen.

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