Aktualisiert 23.01.2008 16:05

Maximalstrafe Exkommunikation

Verführung bei der Beichte, Vermögensdelikte, Pädophilie: Wird der Kirche ein Fall eines fehlgeleiteten Priesters bekannt, hat sie eine eigene Gerichtsbarkeit. Diese kennt eine Palette von Strafen, die höchste ist die Exkommunikation.

Das kirchliche Recht ist im Codex Iuris Canonici von 1983 zusammengefasst. Dieser umfasst verschiedene Rechtsbereiche wie die Sakramente, das kirchliche Eherecht oder ein kirchliches Strafrecht.

Mit Strafen belegt werden darin etwa Gewalt gegen Leib und Leben, Profanisierung heiliger Sachen, Delikte im Umgang mit Kirchenvermögen, Fälschungsdelikte oder Abtreibung, wie der Freiburger Kirchenrechtler René Pahud de Mortanges erklärt. Ein Delikt ist auch die Verführung bei der Beichte.

Als Sanktionen sind Disziplinarstrafen wie die Aufhebung von Amtsbefugnissen oder Exkommunikation vorgesehen. Die Strafen werden vom Diözesangericht oder durch den Bischof verhängt. Sie betreffen Amtsträger, je nach Delikt aber auch Laien, und beschränken sich generell auf den kirchlichen Raum, wie Pahud de Mortanges sagte.

Das gesamte kirchliche Recht hat freiwilligen Charakter - die kirchliche Gerichtsbarkeit mit Auswirkung im staatlichen Rechtsraum wurde mit der Bundesverfassung von 1874 abgeschafft. Das bedeutet, dass Kirchenrecht nur für jene Gläubigen gilt, die sich ihm unterwerfen. Offensichtlich wird dies im kirchlichen Eherecht, das nur auf Ersuchen der Heiratswilligen zur Anwendung kommt.

Unabhängige Verfahren

Das kanonische Recht hat auch keinen Einfluss auf staatliches Recht. Bei strafrechtlich relevanten Handlungen werden die zivilen Justizbehörden unabhängig von einem kirchenrechtlichen Verfahren aktiv. Die Verfahren laufen inhaltlich und zeitlich unabhängig voneinander.

Ausnahmen sind nach Angaben von Pahud de Mortanges selten - ein Beispiel ist das weltliche «Voraustrauungsgebot» im Zivilgesetzbuch.

Grosse Bedeutung hatte das kanonische Recht im Mittelalter, wo es oft an Stelle der fehlenden weltlichen Rechtsprechung trat. Mit einer funktionierenden staatlichen Gerichtsbarkeit ist die Bedeutung des Kirchenrechts zurückgegangen.

Nach der Beurteilung von Pahud de Mortanges kommt auch das kirchliche Strafrecht kaum mehr zur Anwendung. Diese Verfahren seien kircheninteren wenig populär. Zudem versuche die Kirche, Fehlverhalten der Gläubigen auf seelsorgerischem Weg zu begegnen. (sda)

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