Aktualisiert 02.02.2011 09:20

SF-Talentshow

«Maya Wirz ist eine grossartige Überraschung»

Die Buschauffeurin mit der goldenen Stimme begeisterte das TV-Publikum. Opernsängerin Michelle Chang erklärt, warum Maya Wirz auch ihr Herz erobert hat.

von
Bettina Bendiner

«O mio babbino caro» – mit dieser Arie aus der Oper «Gianni Schicchi» von Giacomo Puccini sang sich Maya Wirz am Samstag in die Herzen der Zuschauer von «Die grössten Schweizer Talente». Doch die Buschauffeurin bezauberte mit ihrem Gesang nicht nur Laien vor dem Fernseher. Wirz beeindruckte auch Profis. Opern- und Konzert-Sängerin Michelle Chang hat Wirz' Interpretation der Lauretta-Arie aus dem Jahre 1918 überzeugt: «Sie hat eine sehr ausgewogene Stimme, die sehr natürlich klingt. Maya Wirz hat das wirklich sehr schön gesungen», sagt Chang zu 20 Minuten Online. «Sie klingt, wie wenn sie nie aufgehört hätte zu singen.»

Dabei hat sich Wirz laut Chang nicht das einfachste Stück aus dem Repertoire gepickt: «Diese Arie ist tückisch. Sie klingt so schön und harmlos, die Melodie verläuft natürlich, ohne schnelle Koloraturen. Doch der Oktavensprung nach oben hat es in sich. Um diese Arie zu singen, braucht man eine gute Atemtechnik, die die Stimme trägt, damit sie nicht wackelt oder zittert.» Sie könne fast nicht glauben, dass Wirz seit 13 Jahren als Buschauffeurin arbeitet. «Sie hat sicher nie ganz aufgehört zu singen und ihre Stimme zu pflegen. Singen ist wie Hochleistungssport. Das muss man trainieren.»

«Nicht alle können berühmt werden»

Trotz ihrer grossen Stimme stand Maya Wirz nach einem Engagement bei «The Phantom Of The Opera» in Basel von 1995 bis 1997 kaum mehr auf einer grossen Bühne. Es ist das Schicksal vieler Sänger: Nur wenigen fällt es leicht, ihren Lebensunterhalt mit ihrem Gesang zu verdienen. «Eine schöne Stimme reicht nicht immer. Manchmal muss man auch Glück haben. Nicht alle können berühmt werden. Wirklich schön ist, dass Maya Wirz trotzdem nicht aufgehört hat zu singen.» Andere gäben ihren Traum einfach auf. «Es suchen immer mehr Leute nach einer Anstellung als Sänger, als es Jobs gibt», erklärt Chang.

Verbesserungsvorschläge hat sie keine für die DGST-Kandidatin. Nur eines möchte Chang ihr auf den Weg geben für die weiteren Casting-Runden beim Schweizer Fernsehen: «Sie soll ihr Herz, ihre Seele, ihre Passion zeigen. Das Echte im Herzen, das berührt die Menschen. Und sie hat das in ihrer Stimme und ihrer Art. Sie soll so bleiben wie sie ist. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen alles Gute.»

Michelle Chang zeigt die Bandbreite ihrer Stimme (Kamera: Matthieu Gilliand/Schnitt: Marion Bangerter).

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