Mazedonien wählt Sozialdemokraten zum Präsidenten
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Mazedonien wählt Sozialdemokraten zum Präsidenten

Der sozialdemokratische Regierungschef von Mazedonien hat die Präsidentenwahl gewonnen, sieht sich aber mit massiven Betrugsvorwürfen der Opposition konfrontiert.

Auf Ministerpräsident Branko Crvenkovski entfielen nach Angaben der unabhängigen Wahlbeobachtungsorganisation MOST etwa 60 Prozent der Stimmen, während der rechtsgerichtete Kandidat Sasko Kedev auf rund 40 Prozent kam. Der 41-jährige Crvenkovski erklärte sich am Mittwochabend noch vor Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses zum Sieger der Stichwahl.

Anhänger der Sozialdemokraten zogen am Mittwochabend in Skopje mit mazedonischen Flaggen durch die Strassen. Vereinzelt kam es zu Zusammenstössen mit protestierenden Parteigängern von Kedevs Partei VMRO.

Die Wahl wurde notwendig, weil der bisherige Amtsinhaber Boris Trajkovski im Februar bei einem Flugzeugabsturz in Bosnien-Herzegowina ums Leben kam. Trajkovski galt im Anschluss an den Bürgerkrieg von 2001 als Garant der Versöhnung zwischen der mazedonischen Mehrheitsbevölkerung und der albanischen Minderheit im Land.

Die notwendige Mindestbeteiligung von 50 Prozent wurde bei der Stichwahl offenbar erreicht. Der Organisation MOST zufolge gaben 53 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab; im ersten Wahlgang am 14. April waren es 55 Prozent gewesen.

Kedev warf der Regierung unmittelbar nach Schliessung der Wahllokale Betrug vor und forderte eine Annullierung der Wahl gefordert. Kedevs Sprecher Nikola Grujevski bezichtigte Anhänger Crvenkovskis, Wahlurnen mit gefälschten Stimmzetteln gefüllt zu haben. Die Sozialdemokraten wiesen die Vorwürfe zurück.

Das Amt des Präsidenten ist zwar weitgehend auf repräsentative Aufgaben beschränkt, das Staatsoberhaupt hat aber eine grosse Bedeutung bei der Vermittlung zwischen den weiter zerstrittenen und sich misstrauisch gegenüber stehenden Volksgruppen. Crvenkovskis Sozialdemokratischer Bund (SDSM) führt eine Koalition mit der grössten albanischen Partei, der Demokratischen Union für die Integration. Diese hatte ihre Anhänger ebenfalls zur Wahl Crvenkovskis aufgerufen. (dapd)

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