McCain-Prediger: «Hitler erfüllte Willen Gottes»
Aktualisiert

McCain-Prediger: «Hitler erfüllte Willen Gottes»

John McCain braucht für seine Wahl zum US-Präsidenten die Unterstützung der religiösen Rechten. Einer ihrer einflussreichsten Vertreter ist der Prediger John Hagee. Er behauptet, Adolf Hitler habe mit dem Holocaust den Willen Gottes erfüllt.

von
Peter Blunschi

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama musste für antiamerikanische Tiraden seines ehemaligen Pfarrers Jeremiah Wright viel Kritik einstecken. Doch auch sein republikanischer Rivale John McCain befindet sich im Dunstkreis eines umstrittenen Predigers. Er braucht für seine Wahl im November die Unterstützung der evangelikalen Christen. Die jedoch misstrauen dem eigenwilligen Senator aus Arizona, der in gesellschaftlichen Fragen als zu liberal gilt.

Umso erfreuter war John McCain, als er im Februar die Unterstützung von John Hagee erhielt. Der 68-jährige Texaner gilt als einer der einflussreichsten evangelikalen Prediger in den USA. Doch schon bald gab es Ärger, als abschätzige Bemerkungen des Pastors über die katholische Kirche publik wurden. Unter anderem bezeichnete Hagee sie als «Grosse Hure». Er entschuldigte sich darauf für diese Aussagen.

Nazis als Jäger

Nun jedoch ist in der Blogosphäre eine Predigt von John Hagee aus den späten 90er-Jahren aufgetaucht, die noch grösseren Ärger verursachen dürfte. Darin behauptet er, die Nazis hätten in Gottes Auftrag die Juden aus Europa nach Palästina vertrieben. Hagee zitierte dabei aus dem Buch Jeremia: «Darnach will ich viel Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Steinritzen.» Dies beschreibe, was Hitler mit dem Holocaust gemacht habe, so der Prediger.

In seiner Predigt lieferte er auch die Begründung, wie dies geschah: «Weil Gott es zuliess, dass es geschah. Und warum geschah es? Weil Gott sagte, meine erste Priorität ist es, das jüdische Volk dazu zu bringen, ins Land Israel zurückzukehren.» Gegenüber der «Huffington Post» bestätigte ein Sprecher Hagees die Echtheit der Aussagen. In ähnlicher Form sind sie auch in seinem Buch «Jerusalem Countdown» aus dem Jahr 2006 zu finden.

Israel als Vorstufe zum Jüngsten Gericht

Darin behauptet der Prediger auch, dass «Antisemitismus und damit der Holocaust die Schuld der Juden selber war – das Resultat eines göttlichen Fluchs, den die Hebräer durch Götzenverehrung auf sich gezogen und durch die Jahrhunderte bis zu den heute lebenden Juden weitergereicht haben». Ausserdem beschreibt er eine Verschwörung von Adolf Hitler mit der römisch-katholischen Kirche zur Ausrottung der Juden.

Dabei gilt John Hagee gemäss «Huffington Post» als «einer der leidenschaftlichsten und standhaftesten Anhänger des Staates Israel». Seine Sicht des Landes könne allerdings verstörend wirken. Hagee ist ein führender Vertreter der evangelikalen Israel-Lobby, die in der Gründung des Judenstaates die Vorstufe zum Jüngsten Gericht sieht. Im Buch «Jerusalem Countdown» beschreibt er ein Endzeit-Szenario, in dem Russland unter Führung von Wladimir Putin und die muslimischen Länder gemeinsam Israel angreifen. Politisch vertritt John Hagee ein aggressives Vorgehen gegen den Iran, auch ist er ein vehementer Gegner eines israelischen Rückzugs aus den besetzten Gebieten.

McCain distanziert sich halbherzig

John McCain hatte bereits nach Hagees umstrittenen Äusserungen über die Katholiken versucht, sich vom kontroversen Prediger zu distanzieren, ohne auf den politischen Nutzen seiner Unterstützung zu verzichten. Im TV-Sender ABC setzte er zu einem verbalen Slalomlauf an. Es sei wohl ein Fehler gewesen, Hagees Support zu akzeptieren, gestand McCain und fügte sogleich an, er sei dennoch «froh darüber». Weiter sagte der republikanische Kandidat: «Ich bewundere und schätze seine Fürsprache für den Staat Israel und dessen Unabhängigkeit.»

Ausschnitte aus John Hagees Predigt

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