Fall Maddie: McCanns setzen Buchverbot durch

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Fall MaddieMcCanns setzen Buchverbot durch

Das Buch, in dem der ehemalige Chefermittler im Fall Madeleine McCann seine These verbreitet, dass das Mädchen tot sei und dass seine Eltern etwas damit zu tun hätten, ist zurückgerufen worden. Die McCanns haben dies mit einer einstweiligen Verfügung erwirkt.

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Gonçalo Amaral, der ehemalige Chefermittler im Fall des vermissten Mädchens, behauptet in seinem Buch «Die Wahrheit über die Lüge» dass Maddie tot sei und die Eltern Kate und Gerry McCann etwas mit dem Tod der Kleinen zu tun hätten.

Nun ist das Buch in Portugal verboten worden. Wie die Nachrichtenagentur Lusa am Mittwoch berichtete, erliess ein Zivilgericht in Lissabon eine einstweilige Verfügung, wonach alle noch nicht verkauften Bücher sofort aus den Läden und Lagern der Händler entfernt werden müssen. Die beiden betroffenen Verlagshäuser müssen bei Zuwiderhandlung eine Strafe von 1000 Euro pro Tag zahlen.

Dahinter stehen die McCanns

Neben dem Verkaufsstopp für das Buch verbot das Gericht auf Antrag der McCanns auch, die Thesen des früheren Chefermittlers weiter zu verbreiten und das auf Grundlage des Buches gedrehte Video zu verkaufen.

Wie die Nachrichtenagentur DPA berichtet, seien die McCanns «absolut erfreut» über die Entscheidung. Das Buch habe die Suche nach ihrer Tochter erheblich behindert. Die Behauptungen Amarals hätten zudem ihr Leid als Eltern verschlimmert, liessen sie über einen Pressesprecher verlauten.

Schadenersatz gefordert

Ungeachtet des Buchverbots verlangen die McCanns von Amaral «wegen verleumderischer Behauptungen» weiter Schadenersatz: «Wir fordern zu diesem Zeitpunkt 1,2 Millionen Euro, behalten uns aber das Recht vor, die beantragte Entschädigungssumme zu erhöhen, wenn es weitere Beweise über die Einnahmen geben sollte, die mit dem Buch gemacht worden sind», sagte in London Anwalt Ed Smethurst der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa nach Bekanntgabe des Urteils.

Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Ferienwohnung ihrer Eltern an der Algarve-Küste im Süden Portugals verschwunden. Unklar ist, ob es sich um eine Entführung handelte. Die Polizei ermittelte zunächst in diese Richtung. Später vertrat sie jedoch die These, «Maddie» sei tot, und erklärte die Eltern zu Verdächtigen. Amaral wurde im Oktober 2007 von dem Fall abgezogen. Im Juli 2008 wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt.

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