Gut gemeint: McFalafel fällt bei den Israelis durch

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Gut gemeintMcFalafel fällt bei den Israelis durch

McDonald's wollte sich den israelischen Essgewohnheiten anpassen und nahm den populären Schnellimbiss in sein Menu auf. Die Begeisterung der Kunden hält sich offenbar in Grenzen.

von
kri

Die herzhaften Bratlinge aus gestampften Kichererbsen sind der Schnellimbiss schlechthin in den Ländern des Nahen Ostens. In Israel können sie an jeder Ecke und mit einer Vielzahl von Beilagen gekauft werden. Von diesem riesigen Markt wollte sich der Fastfood-Gigant McDonald's eine Scheibe abschneiden und lancierte im Januar den McFalafel. Ein weiteres Produkt, das den Essgewohnheiten der Israelis angepasst wurde, kommentierte damals der CEO von McDonalds Israel stolz. Den McKebab gibt es schon seit längerem im Angebot.

Nur sechs Monate später ist bereits wieder Schluss. «Es war ein Experiment und wir haben eingesehen, dass Falafel nicht zu McDonald's passt», räumte CEO Omri Padan Anfang Woche gegenüber dem israelischen Newsportal ynet ein. «Wir werden den McFalafel nach und nach aus dem Angebot nehmen.»

Schon in arabischen Ländern gefloppt

Über die Gründe des Scheiterns kann nur spekuliert werden. Preislich ist der McFalafel eher im oberen Segment angesiedelt. Drei Falafelstücke mit Tahini-Sauce und Salat im Pitabrot kosten umgerechnet vier Franken – gut doppelt so viel wie bei einem Strassenimbiss. Und von denen gibt es viele, sie bereiten die Falafel frisch zu und bieten dem Kunden obendrein eine grosse Auswahl an Gemüsebeilagen und Saucen.

Auch ernährungstechnisch drängt sich der McFalafel nicht unbedingt als Alternative zum Burger auf: Seine 499 Kalorien können locker mit einem Big Mac (576 Kalorien) mithalten. Frühere Erfahrungen in arabischen Ländern hätten McDonald's zudem eine Warnung sein müssen: Sowohl in Ägypten, dem Geburtsland des Falafels, als auch im Libanon floppte der McFalafel und wurde aus dem Angebot entfernt. Vielleicht lautet die Erkenntnis, dass McDonald's-Kunden einfach einen amerikanischen Burger und keinen lokalen Imbiss wollen.

Kein McDonald's für die Siedler

Mit anderen Bemühungen, den israelischen Essgewohnheiten entgegenzukommen, war McDonald's erfolgreicher. Speck etwa gibt es in keinem der rund 160 Restaurants im Land, da Schweinefleisch gemäss den jüdischen Speisegesetzen unrein ist. Dasselbe gilt für den gleichzeitigen Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. In den 36 koscheren Filialen werden daher keine Cheeseburger angeboten. In den 124 nicht-koscheren sind sie erhältlich, werden aber nicht aktiv beworben.

In einem anderen Punkt geht CEO Omri Padan allerdings keine Kompromisse ein: Der Mitbegründer der Friedensorganisation Peace Now weigert sich, in den besetzten Gebieten (Westjordanland und Golanhöhen) McDonald's-Filialen zu eröffnen.

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