Urteil – «Velofahrer hatte keine Chance» – 44 Monate Gefängnis für McLaren-Rowdy

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Urteil«Velofahrer hatte keine Chance» – 44 Monate Gefängnis für McLaren-Rowdy

Am Donnerstag fiel das Urteil im Fall eines McLaren-Fahrers, der im Sommer 2019 die Kontrolle über das Auto verlor, einen Velofahrer erfasste und ihm lebensgefährliche Verletzungen mit bleibenden Schäden zufügte.

von
Steve Last
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Lebensbedrohliche Verletzungen erlitt im Juni 2019 ein Velofahrer, der die Gempenstrasse bergab nach Dornach SO befuhr.

Lebensbedrohliche Verletzungen erlitt im Juni 2019 ein Velofahrer, der die Gempenstrasse bergab nach Dornach SO befuhr.

Polizei SO
Er wurde von einem bergauffahrenden McLaren erfasst und mehrere Meter entgegen seiner ursprünglichen Fahrtrichtung geschleudert. Unter den Verletzungen leidet er noch heute.

Er wurde von einem bergauffahrenden McLaren erfasst und mehrere Meter entgegen seiner ursprünglichen Fahrtrichtung geschleudert. Unter den Verletzungen leidet er noch heute.

Polizei SO
Die Solothurner Staatsanwaltschaft verlangte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten für den Autofahrer, sein Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft verlangte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten für den Autofahrer, sein Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Polizei SO

Darum gehts

  • Das Bezirksgericht Dorneck-Thierstein hat einen Lenker eines McLaren zu 44 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

  • Der damals 23-Jährige hatte am 19. Juni 2019 auf der Gempenstrasse in Dornach SO einen damals 37-jährigen Velofahrer erfasst.

  • Der Velofahrer erlitt schwerste Verletzungen und schwebte lange in Lebensgefahr. Er überlebte, leidet aber weiter unter den Folgen.

  • Die Staatsanwaltschaft hatte für den McLaren-Fahrer eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten gefordert, die Verteidigung eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Der heute 25-jährige Unfallfahrer muss 44 Monate ins Gefängnis. Das entschied das Bezirksgericht Dorneck-Thierstein am Donnerstagnachmittag. Es erkannte die unbezifferte Zivilforderung des Opfers an und erlegte dem Beschuldigten die Rechtskosten von insgesamt über 32’000 Franken auf.

Der Beschuldigte hatte am 19. Juni 2019 auf der kurvenreichen Gempenstrasse in Dornach SO zwei Autos überholt. In der folgenden Kurve verlor er die Kontrolle über seinen 570 PS starken McLaren-Supersportwagen und erfasste einen Velofahrer im Gegenverkehr. Der heute 40-jährige Velofahrer erlitt schwerste Verletzungen und überlebte nur knapp. Er leidet noch heute unter den Folgen des Unfalls.

«Waghalsiges Überholmanöver»

Die Solothurner Staatsanwaltschaft warf dem McLaren-Fahrer versuchte Tötung mit Eventualvorsatz (Inkaufnahme des Todes), Gefährdung des Lebens sowie mehrfache qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln vor. Für die Anklage war am Mittwoch klar, dass der Beschuldigte zu schnell unterwegs war, auf jeden Fall nicht der Verkehrssituation angepasst.

Mit seinem «waghalsigen» Überholmanöver habe er das Leben der anderen Verkehrsteilnehmenden in Gefahr gebracht. Wegen des Überholens sei er zu schnell in die unübersichtliche Kurve gefahren und habe einen Unfall mit Todesfolge in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den McLaren-Fahrer eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten gefordert.

«Er ist in Panik geraten»

Der Verteidiger des Beschuldigten stellte sich in seinen Ausführungen auf den Standpunkt, dass nicht das Überholmanöver vor der Kurve der Grund für den Unfall sei. Sein Mandant sei nach der Kurve erschrocken, «in Panik geraten», als er den Velofahrer gesehen habe. Die Kontrolle habe er wegen eines Brems- und Ausweichmanövers verloren.

Dass der damals 23-Jährige den Unfall verursacht hat, bestritt der Verteidiger indes nicht. «Es ist schlimm, was mein Mandant getan hat, und er muss bestraft werden», sagte er. Er bat das Gericht jedoch darum, das Handeln des Beschuldigten zu beurteilen und nicht die Folgen. Eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren sah er als angemessen an.

«Der Velofahrer hatte keine Chance»

Das Gericht sprach den Beschuldigten wegen versuchter Tötung mit Eventualvorsatz und der groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig. «Es ist nicht möglich, vor einer unübersichtlichen Kurve zwei Autos, die 60 fahren, auf 140 Metern zu überholen», hiess es in der Urteilsbegründung. Zumindest nicht, ohne eine Kollision mit dem Gegenverkehr zu riskieren. Auf Letzteres habe es der Beschuldigte ankommen lassen und sei im Gegenverkehr mit dem Velo zusammengestossen, nachdem er die Kontrolle verloren hatte. Das Gericht stützte auf das verkehrstechnische Gutachten ab, das den Crash 70 Zentimeter vom Strassenrand auf der Spur des Velofahrers verortete.

«Der Velofahrer hatte keine Chance, den Aufprall zu verhindern», hielt das Gericht weiter fest. Nur dem Glück sei es zu verdanken, dass er noch lebe. Ob er sein altes Leben je wieder zurückbekomme, sei ungewiss. Die Personen in den überholten Autos waren aber nicht konkret gefährdet, so das Gericht. Darum gab es beim Vorwurf der Gefährdung des Lebens einen Freispruch. Die Gesamtstrafe beläuft sich auf 44 Monate Gefängnis ohne Bewährung.

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