Medaille nur dank Fehlern der Konkurrenz?
Aktualisiert

Medaille nur dank Fehlern der Konkurrenz?

Mit mehr Energie will Sarah Meier an der WM in Göteborg (Sd) nochmals voll angreifen. Der Sprung unter die Top 5 ist möglich, eine Medaille dürfte aber ausser Reichweite liegen.

Sarah Meier hat bange Stunden hinter sich. Bei ihrer Ankunft am Samstagabend wartete die 23-jährige Bülacherin vergeblich auf das Gepäck mit den Schlittschuhen. Im entsprechenden System fehlte jeglicher Hinweis auf den Aufenthaltsort, weil das Gepäck nicht registriert worden war. Erst am Sonntagmittag konnte Sarah Meier aufatmen. Nach Wunsch verlief dafür die Auslosung für das Kurzprogramm: Meier startet sehr zur Freude ihrer Trainerin und Tante Eva Fehr in der letzten Gruppe, und zwar als Zweite um 17.30 Uhr.

Die Voraussetzungen sind auch sonst gut; eine Steigerung gegenüber ihrer besten WM-Platzierung (6. Rang 2006 in Calgary) ist durchaus realistisch. Dies zeigt ein Blick in die Weltrangliste, in der Meier als Nummer 5 erscheint. Für eine Medaille ist die Zürcher Unterländerin jedoch auf Fehler ihrer Konkurrentinnen angewiesen, da sie im technischen Bereich nicht mit den Besten mithalten kann. Trotz intensiver Bemühungen in der Zwischensaison hat Meier nach wie vor keine Dreifach-Dreifach-Kombination in ihren Programmen. «Es nervt mich schon etwas, dass ich das nicht geschafft habe», übte sie sich in Selbstkritik.

Auch im künstlerischen Bereich gehört Meier nicht zu den Top 3. Ich konzentriere mich auf niemanden. Wenn mir eine gute Leistung zum Saisonschluss gelingt, bin ich zufrieden», sagte die Olympia-Achte. Ein gutes Resultat ergebe sich in diesem Fall automatisch. Änderungen in den Programmen nahm sie gegenüber der EM nicht vor.

Besser erholt

An der WM 2007 in Tokio hatte Meier Rang 7 belegt. Allerdings schöpfte sie ihr Potenzial damals nicht aus; ihr «Energietank» war am Ende der Saison sozusagen leer. Ihrem Naturell als Perfektionistin entsprechend zog Meier daraus die richtigen Lehren. Nach dem Gewinn der zweiten EM-Silbermedaille in Serie Ende Januar in Zagreb absolvierte sie während den Shows bei Art on Ice nur leichte Übungseinheiten auf dem Eis, dazu etwas Ausdauertraining. Ausserdem gönnte sie sich mehr freie Tage. «Ich habe gemerkt, dass ich mich dazu zwingen muss, hin und wieder einen Tag nichts Sportliches zu tun», sagte die siebenfache Schweizer Meisterin.

Meier weiss mittlerweile, dass sie nach einer «Pause» rasch wieder ihr gewohntes Niveau erreicht. Die Änderungen in der Planung haben sich bewährt: «Im Vergleich zum vergangenen Jahr verfüge ich über mehr Energie.» Dies hänge aber vielleicht auch mit dem nicht besonders guten Saisonstart zusammen, fügte Meier an. Diese Aussage unterstreicht ihr gestiegenes Selbstverständnis; mit den Plätzen 4 und 2 an den Grands Prix in Paris und Sendai schnitt sie alles andere als schlecht ab. Die Qualifikation für den GP-Final der sechs besten Läuferinnen in Turin verpasste sie als Siebte allerdings knapp.

Meier nimmt die Titelkämpfe in Göteborg nicht nur mit mehr Energie in Angriff, sondern auch mit neuen Schlittschuhen. Bei der Angewöhnung hatte ich «noch nie so wenig Probleme.» Warum nahm sie überhaupt einen Wechsel vor? «Ich habe nun mehr Halt, kann dadurch besser abstossen und mehr Tempo holen», schilderte sie die positiven Effekte.

Asiatinnen in der Favoritenrolle

Die Topfavoritinnen kommen aus Asien, allen voran die erst 17- jährige WM-Zweite Mao Asada, die Mitte Februar bei den Vier- Kontinente-Meisterschaften triumphierte. Beim GP-Final musste sie sich allerdings hinter Kim Yu-Na mit Rang 2 begnügen. Die 17- jährige Südkoreanerin hinterliess in dieser Saison den stärksten Eindruck, beklagte zuletzt aber Rücken- und Hüftprobleme, weshalb sie für die Vier-Kontinente-Meisterschaften Forfait erklären musste. Sie sei nicht so zuversichtlich wie im vergangenen Jahr, erklärte Kim. Damals war sie Dritte geworden.

Als Titelverteidigerin tritt die Japanerin Miki Ando an, die seither nicht wirklich zu überzeugen vermochte und gar den GP-Final verpasste. Die italienische Europameisterin Carolina Kostner strebt ihren zweiten WM-Podestplatz nach Bronze 2005 an.

(si)

Deine Meinung