Olympia-Momente: Medaille verloren, Liebe gefunden
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Olympia-MomenteMedaille verloren, Liebe gefunden

Heute feiert Roger Federer Geburtstag, vor vier Tagen feierte er in London seine Silbermedaille. Doch seinen grössten olympischen Gewinn errang er vor zwölf Jahren.

von
M. Reinhard
London

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney steht Roger Federer noch am Anfang seiner grossen Karriere. Der Baselbieter ist damals die Weltnummer 36 und tritt ohne echte Medaillen-Ambitionen an. Als der Senkrechtstarter in den Halbfinal vorstösst, ist das Edelmetall zum Greifen nah.

Doch gegen den Deutschen Tommy Haas muss der Mann mit dem Rossschwanz eine empfindliche 3:6, 2:6-Niederlage einstecken. Und als im Spiel um Bronze der im Ranking 25 Plätze schlechter klassierte Franzose Arnaud di Pasquale triumphiert (7:6, 6:7, 6:3), liegt die Welt für den jungen Schweizer in Trümmern.

Der erste Kuss am letzten Tag

«So wie der Match verlaufen ist, hätte ich nie verlieren dürfen», sagt der mit den Tränen kämpfende Federer nach dem Spiel. «Ich wollte wirklich auf dem Podest stehen. Jetzt kann ich nichts mit nach Hause nehmen ausser meinen Stolz.» Doch das stimmte so nicht.

Abseits des Scheinwerferlichts kommen sich der 19-jährige Baselbieter und die drei Jahre ältere Mirka Vavrinec im olympischen Dorf näher. Zwischen den beiden Tennis-Cracks gedeiht das zarte Pflänzchen der Liebe. «Er hat mich erst am letzten Tag der Spiele geküsst», gibt Federers heutige Ehefrau später preis.

Steile Karriere, stille Organisatorin

Was danach folgt, ist bekannt: Der Baselbieter entwickelt sich zum Mass der Dinge im Männnertennis. Er führte bisher 290 Wochen die Weltrangliste an und gewinnt 17 Grand-Slam-Titel, 2008 Olympia-Gold im Doppel und vergangenen Sonntag Olympia-Silber im Einzel. Mirka, deren beste Platzierung in der Weltrangliste der 76. Rang war, beendet 2002 ihre Aktiv-Karriere verletzungsbedingt und tourt seither mit Federer um die Welt. Sie organisiert das Leben ihres Mannes, der heute Mittwoch 31 Jahre alt wird, und hält ihm den Rücken frei.

Im April 2009 geben die beiden bekannt, dass sie in freudiger Erwartung sind. Kurz darauf folgt die Hochzeit im engsten Familienkreis. Am 23. Juli ist die Überraschung gross: Die Federers verkünden nicht nur stolz die Geburt eines Babys, sondern gleich von deren zwei. Mirka bringt die Zwillingsmädchen Charlene Riva und Myla Rose gesund auf die Welt. Diese sind mittlerweile drei Jahre alt und auch hin und wieder bei Spielen ihres Papas zu sehen.

Grösster Olympia-Erfolg in Sydney

Ganz nach dem Sprichwort «Pech im Spiel, Glück in der Liebe» hat Roger Federer 2000 in Sydney also die Bronzemedaille verloren, dafür aber die Liebe seines Lebens gefunden. Daran wurde er auch am vergangenen Sonntag bei der Medaillenfeier im House of Switzerland erinnert. Dem Maestro stand zwar einer auf dem Schlauch, doch er kriegte schliesslich doch noch rechtzeitig die Kurve.

«Du hast in Peking Olympia-Gold gewonnnen, hier Olympia-Silber, aber den grössten Erfolg hast du eigentlich in Sydney verzeichnet», sagte Moderator Päddy Kälin. Federer musste überlegen, verstand dann aber endlich den Wink: «Damals hatte ich noch keinen Titel... und dann habe ich Mirka kennengelernt!»

Mirkas Zeit kommt nach dem Tennis

Ob er merke, dass seine Frau immer auf der Tribüne mitfiebere, so die nächste Frage an den Baselbieter. «Doch, sie ist schon immer sehr dabei. Aber man muss auch ruhig bleiben. Man kann ja nicht nach jedem Punkt ausflippen. Es gehört sich, dass sich meine Entourage richtig benimmt. Dass sie nicht nach jedem Punkt aufsteht. Das mag ich gar nicht.»

Zu viel Unterstützung sei ihm unangenehm. «Ich schaue praktisch gar nicht hinauf. Wenn ich mal raufschaue, bin ich froh, wenn sie mich einfach ein wenig unterstützen. Das machen sie eh alle super. Sie wissen das und ich muss es ihnen gar nicht gross sagen.»

So ist Mirka der ruhende Pol an Federers Seite. Das Rampenlicht sucht sie nicht. Seit sechs Jahren gibt sie keine Interviews mehr. Alles dreht sich nur noch um ihren Mann. «Meine Zeit kommt noch. Nach dem Tennis», hat Mirka mal gesagt. «Das haben wir so abgemacht.»

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