Aktualisiert 23.01.2020 12:08

Akzeptanz und Toleranz«Mediale Beachtung war von YB beabsichtigt»

Der BSC YB hat auf den sozialen Medien mit Regenbogenfarben ein politisches Statement abgegeben. Ein Sportmarketing-Experte erklärt nun die Folgen dieser Aktion.

von
km
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So präsentiert sich derzeit das Logo von YB in den sozialen Medien.

So präsentiert sich derzeit das Logo von YB in den sozialen Medien.

PD
Die Regenbogenfarben ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.

Die Regenbogenfarben ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.

Keystone/Martial Trezzini
Fangruppierungen baten den Club, sich an einer Werbeaktion für ein Ja zum Gesetz gegen Schwulenhass zu beteiligen.

Fangruppierungen baten den Club, sich an einer Werbeaktion für ein Ja zum Gesetz gegen Schwulenhass zu beteiligen.

Screenshot Facebook

Herr Hüttermann, beziehen Fussballclubs seltener eine politische Position als andere Organisationen?

Nein. Die besten Beispiele sind der FC St. Pauli und der FC Winterthur. Beide Vereine positionieren sich klar und auch medial häufig gegen Rassismus, Diskriminierung, Homophobie et cetera.

Was sind die Folgen davon, dass YB auf den sozialen Medien Farbe bekannt hat?

Ich bin mir sicher, dass dies kein Schnellschuss war, sondern dieser Schritt in den Gremien diskutiert wurde. YB muss es klar gewesen sein, dass dies medial und dann auch öffentlich grosse Beachtung finden und zur Diskussion anregen wird. Dies ist nun der Fall und war von YB auch genauso beabsichtigt. Da YB einer der grössten Schweizer Fussballvereine ist, ist es auch denkbar, dass dieser Schritt nun beim SFV oder auch in anderen Sportverbänden diskutiert wird.

YB hat in der Vergangenheit bereits öfters gegen Homophobie Stellung bezogen. Wäre es denkbar, dass nun auch andere Clubs nachziehen?

Neben positiven Effekten können sich dadurch auch Risiken ergeben. Vereine, wie auch Sportler oder Sportartikelhersteller haben durch Ihre Strahlkraft grosse Macht Dinge anzusprechen oder zu Diskussionen anzuregen. Besonders Vereine und Einzelsportler leben allerdings von Sponsorengeldern. Wenn diese nicht mit den Äusserungen einverstanden sind, kann die Vereins- oder Sportlerexistenz auf dem Spiel stehen. Eine solche Positionierung kann aber auch positive Dinge mit sich bringen wie der FC St. Pauli, der FC Winterthur oder auch Nike regelmässig zeigen.

Was für Vorteile beziehungsweise Nachteile kann eine solche Positionierung den Clubs konkret bringen?

Auf der einen Seite können sie Fans oder sogar Sponsoren hinzugewinnen, die diese klare Positionierung gutheissen und unterstützen. Im besten Fall schafft es eine Einheit und ein Gemeinschaftsgefühl im Club, mit den Fans und den Sponsoren, da alle dieselben Interessen verfolgen. Aber auch das Gegenteil ist im ersten Moment möglich. Fans und Sponsoren die dies ganz anders sehen, könnten sich vom Verein abwenden und Mitgliedschaften, Saisonkarten oder Sponsoringverträge kündigen.

Marcel Hüttermann ist Forscher und Sportmarketing-Experte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (Bild: Marcel Hüttermann)

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