Aktualisiert 24.03.2008 16:26

Medien räumen Fehler in Tibet-Berichten ein

Nach Kritik aus China haben mehrere Medien Fehler bei der Berichterstattung über Tibet eingeräumt. Die privaten deutschen Fernsehsender n-tv und RTL bedauerten, Bilder in einen falschen Zusammenhang gestellt zu haben.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hatte am Sonntag westlichen Fernsehsendern, Zeitungen und deren Online- Angeboten vorgeworfen, Tatsachen verfälscht zu haben.

Das Schweizer Fernsehen hatte sich bereits am vergangenen Dienstag auf seiner Internet-Seite für am Vortag in der Sendung «10vor10» ausgestrahlte Bilder entschuldigt.

Diese Bilder zeigten Ausschreitungen zwischen Exiltibetern und Sicherheitskräften in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Die Bilder seien auf Grund einer Verwechslung als Bilder aus der tibetischen Hauptstadt Lhasa bezeichnet worden, schrieb «10vor10»- Redaktionsleiter Hansjörg Utz.

Xinhua kritisiert westliche Medien

Die Videosequenzen aus Nepal wurden auch auf anderen Sendern Tibet zugeordnet, was die chinesische Staatsagentur Xinhua am Sonntag kritisierte. Zudem seien Fotos aus Lhasa in einen falschen Zusammenhang gestellt worden.

Kritisiert wurden unter anderen die US-Fernsehsender CNN und Fox TV, die «Washington Post» und die «Berliner Morgenpost». Von Medien aus den USA gab es zunächst keine Reaktionen auf die Vorwürfe.

Der deutsche Nachrichtensender n-tv teilte mit, am 20. März in einem Beitrag über den Tibet-Konflikt ein Bild und einen Filmausschnitt aus Nepal gezeigt zu haben. Der Fehler sei bemerkt und das Bildmaterial sofort ausgetauscht worden.

RTL teilte mit, auf seiner Internetseite «in einem Fall ein Bild in einem falschen Kontext verwendet» zu haben. Ein Tibet zugeordnetes Foto habe in Wirklichkeit Sicherheitskräfte in Kathmandu gezeigt, die mit Knüppeln gegen Demonstranten vorgingen.

Vorwurf der Bildmanipulation

Xinhua berichtete auch über ein Foto auf der CNN-Website, das Menschen zeige, die vor einem Militärlastwagen wegliefen. Das Originalbild zeige im Hintergrund aber Randalierer, die Steine auf den Lastwagen geworfen hätten. Dieser Teil sei herausgeschnitten worden.

Die «Berliner Morgenpost» wurde für eine Bildunterschrift vom 17. März kritisiert. Auf dem Foto ist nach Darstellung von Xinhua zu sehen, wie Polizisten in Lhasa einen Chinesen vor einem Angriff von Randalierern retten.

In der Zeitung stand unter dem Foto: «Aufnahmen des chinesischen Fernsehens zeigen einen Jungen, der von bewaffneten Streitkräften in Kampfanzügen durch die Strassen von Lhasa gejagt und verhaftet wird.» Was das Foto wirklich zeigt, war nicht aufzuklären.

Berichterstattung unter Zensur

Der Chefredaktor der «Berliner Morgenpost», Carsten Erdmann, verwahrte sich gegen den Vorwurf der Manipulation. «Eine freie Berichterstattung aus Tibet ist nicht möglich, es herrscht Zensur.»

Fotoagenturen und Medien seien «darauf angewiesen, ihren Zuträgern zu glauben. Das eröffnet natürlich die Gefahr von Ungenauigkeiten in den Reportagen aus Tibet. Die Alternative wäre, die Berichterstattung aus diesem oder anderen Krisengebieten, die unter Diktaturen leiden, einzustellen.»

Die Bilder stammten laut Erdmann ursprünglich vom staatlichen chinesischen Fernsehsender CCTV. Die Fotoagenturen Reuters und AFP hätten Standbilder aus den TV-Berichten vom 16. März verbreitet.

Reuters habe zum Foto geschrieben, ein Mann werde «eskortiert». Bei AFP heisst es dazu, ein Junge werde «gewaltsam» in Lhasa durch eine Strasse geführt.

(sda)

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