Aktualisiert 03.11.2014 10:40

PreissenkungenMedikamente in der Schweiz werden günstiger

Die Schweizer Pharmabranche hat bei 836 Medikamenten die Preise gesenkt. Erstmals sind diese im Vergleich zum europäischen Ausland nicht mehr überteuert.

von
kwo
Per 1. November wurden die Preise bei insgesamt 836 Medikamenten in der Schweiz gesenkt.

Per 1. November wurden die Preise bei insgesamt 836 Medikamenten in der Schweiz gesenkt.

Das Bundesamt für Gesundheit hat am Donnerstag auf seiner Website eine aktuelle Preisliste mit insgesamt 836 Medikamenten veröffentlicht, die von der obligatorischen Grundversicherung vergütet werden müssen. Wie die «Schweiz am Sonntag» erklärt, sind diese Arzneimittel seit 1. November 2014 um bis zu 60 Prozent günstiger als zuvor. Dank der Preissenkung sind die Medikamente ausserdem im Vergleich zu den europäischen Staaten Grossbritannien, Österreich, Holland, Deutschland, Frankreich und Dänemark nicht mehr überteuert, wie aus einem Vergleich des Branchenverbands Interpharma hervorgeht.

Für die Schweizer Prämienzahler sind dies gute Nachrichten. Insgesamt werden sie dank den Preissenkungen um 161 Millionen Schweizer Franken jährlich entlastet. Ihren Ursprung haben die Vergünstigungen in einer Initiative des Bundesrats. Gegen den anfänglichen Widerstand der Pharmabranche hatte er vor einigen Jahren eine regelmässige Preiskontrolle von kassenpflichtigen Medikamenten verlangt. Als Konsequenz werden nun alle drei Jahre die Preise überprüft und dann schrittweise aufs Niveau vergleichbarer Länder in Europa gesenkt.

Generika bleiben teurer

Michaela Kozelka, Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit, erklärt gegenüber der «Schweiz am Sonntag»: «Nach der Überprüfung der Aufnahmebedingungen alle drei Jahre geht das Bundesamt für Gesundheit davon aus, dass das Preisniveau der patentgeschützten Arzneimittel ab 1. November 2014 dem Preisniveau der Vergleichsländer entsprechen dürfte.» Ebenfalls betroffen von den Preissenkungen sind Generika. Auch hier kam es zu Preissenkungen um bis zu 62 Prozent. Allerdings bleiben die Unterschiede zum Ausland gross: Im Durchschnitt seien es bei den Generika nach wie vor 46 Prozent, ein Sparpotenzial von 300 Millionen Franken jährlich sei hier noch vorhanden, heisst es.

Wenig begeistert zeigt sich die Pharmabranche, die sagt, dass die bisher erfolgten Preissenkungen für sie durchaus schmerzhaft gewesen seien. Bundesrat Alain Berset übt trotzdem bereits weiteren Druck auf die Branche aus. Wenn es nach seinem Willen geht, werden die Krankenkassen ab 2015 nur noch die günstigsten Generika bezahlen. Wollen Patienten Originalpräparate, sollen sie selbst für den Preisunterschied aufkommen. Ausserdem möchte Berset, dass bei der Umrechnung ausländischer Medikamentenpreise die heute gültige Toleranzmarge von 5 Prozent auf 3 Prozent gesenkt wird.

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