Im Ausland bestellt: Medikamente kosteten statt 20'000 nur 700 Fr
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Im Ausland bestelltMedikamente kosteten statt 20'000 nur 700 Fr

Der Thurgauer Kantonsrat Daniel Frischknecht (54) war an Hepatitis C erkrankt. Er kämpfte erfolgreich gegen die Krankheit – und gegen überteuerte Medikamente.

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Hat die Hepatitis überwunden: Der Thurgauer EDU-Kantonsrat Daniel Frischknecht.

Hat die Hepatitis überwunden: Der Thurgauer EDU-Kantonsrat Daniel Frischknecht.

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Die blaue Kurve zeigt die Zahl der Fälle von Hepatitis C, die seit 2003 langsam abnimmt und aktuell bei etwa 80'000 liegt. Die rote Kurve zeigt die erwarteten medizinischen Folgekosten von Hepatitis C unter der Annahme, dass die Behandlungskosten so hoch bleiben wie 2013. In diesem Falle würden sie bis 2030 auf 118 Millionen Franken pro Jahr ansteigen. Quelle: Plos one

Die blaue Kurve zeigt die Zahl der Fälle von Hepatitis C, die seit 2003 langsam abnimmt und aktuell bei etwa 80'000 liegt. Die rote Kurve zeigt die erwarteten medizinischen Folgekosten von Hepatitis C unter der Annahme, dass die Behandlungskosten so hoch bleiben wie 2013. In diesem Falle würden sie bis 2030 auf 118 Millionen Franken pro Jahr ansteigen. Quelle: Plos one

Eine Studie zeigt: Die Zahl von Leberkrebsfällen könnte von aktuell rund 400  auf 150 pro Jahr im 2030 reduziert werden. Bleiben die Behandlungszahlen dagegen konstant, dürfte sie auf 740 pro Jahr ansteigen. Todesfälle durch Hepatitis C könnten von 380 auf 120 pro Jahr gesenkt werden. Werden keine Massnahmen ergriffen, würde sie sich beinahe verdoppeln.Quelle: Plos one

Eine Studie zeigt: Die Zahl von Leberkrebsfällen könnte von aktuell rund 400 auf 150 pro Jahr im 2030 reduziert werden. Bleiben die Behandlungszahlen dagegen konstant, dürfte sie auf 740 pro Jahr ansteigen. Todesfälle durch Hepatitis C könnten von 380 auf 120 pro Jahr gesenkt werden. Werden keine Massnahmen ergriffen, würde sie sich beinahe verdoppeln.Quelle: Plos one

Obwohl Hepatitis B und C heilbar sind, sterben an den Virus-Erkrankungen in der Schweiz pro Jahr 200 bis 300 Menschen. Einer der Betroffenen ist der Thurgauer Kantonsrat Daniel Frischknecht, Mitglied der EDU-Fraktion. Der 54-jährige Psychologe erzählte an der Ratssitzung vom Mittwoch von seiner Hepatitis-Infektion, mit der der ehemalige Drogenkonsument 30 Jahre lang lebte. Dank dem christlichen Glauben überwand Frischknecht einst seine Heroinsucht.

Schlapp und müde

Dass er sich mit Hepatitis C angesteckt hatte, wusste er. Doch die Krankheit machte sich lange nicht bemerkbar. 1996 hatte er einen ersten Schub. «Ich fühlte mich schlapp und müde und wäre am liebsten bereits nach dem Mittagessen ins Bett gegangen», erinnert sich Frischknecht. Die Ärzte diagnostizierten eine Leberfibrose und schlugen ihm eine Behandlung mit Interferon vor. Wegen der schweren Nebenwirkungen habe er aber abgelehnt, erzählt Frischknecht.

Vor zwei Jahren seien dieselben Symptome wieder gekommen. Zuerst habe es geheissen, die Erkrankung sei nicht so gravierend, die Krankenkasse müsse die Heilungskosten nicht übernehmen. Doch Frischknecht suchte Hilfe bei einem anderen Spezialisten.

60'000 Franken für Medikamente

Eine Leberpunktion ergab schliesslich die Diagnose Leberzirrhose. «Nun war ich ein schwerer Fall und die Kosten waren kein Thema mehr», sagt Frischknecht. Die Behandlung begann. Als er erfuhr, dass die Medikamente in der Packung, welche die Fachfrau ihm gab, 20'000 Franken kosteten, habe es ihm die Sprache verschlagen.

Für die gesamte Therapie habe er drei Packungen gebraucht, was 60'000 Franken gekostet hätte. Er erkundigte sich bei einem Bekannten, einem Facharzt, nach Alternativen und bestellte schliesslich in Australien Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff.

Diese kosteten mit 700 statt 20'000 Franken pro Packung rund 30-Mal weniger. Die Medikamente habe er aus der eigenen Tasche bezahlt. «Das ist doch Geschäftemacherei. Ich kann nicht verstehen, dass das Bundesamt für Gesundheit diese Praxis der Pharma-Industrie schützt», sagt Frischknecht, der nach der erfolgreichen Therapie von Hepatitis geheilt sei.

Krankheit ausrotten

Am Mittwoch diskutierte der Thurgauer Grosse Rat über eine Interpellation mit dem Titel «Still, aber folgenreich: Bekämpfung der Hepatits B und C Epidemie im Thurgau». Eingereicht hatte sie die Thurgauer SP-Kantonsrätin Marina Bruggmann. Wie die Pflegefrau schreibt, sterben in der Schweiz fünfmal mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis C als an HIV-Infektionen, obwohl Hepatits C seit 15 Jahren geheilt werden kann.

Auch der Kanton Thurgau wolle seine Anstrengungen im Kampf gegen Hepatitis verstärken, versprach Gesundheitsdirektor Jakob Stark im Grossen Rat. Obwohl die Durchimpfungsrate für Hepatitis B bei den Jugendlichen gestiegen sei, liege sie im Thurgau nur bei 61 Prozent. Im Schweizer Durchschnitt sind 71 Prozent der Jugendlichen gegen die sexuell übertragbare Krankheit geimpft.

Das vor vier Jahren auf privater Basis gegründete Netzwerk Hepatitis-Strategie Schweiz will die virale Hepatitis in den nächsten 15 Jahren eliminieren. Die Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) unterstützt das Netzwerk ideell. Die Kantone sind angehalten, Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen zu unterstützten. (sda)

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