Kanton Schaffhausen: Medikamentenabgabe nicht allen Ärzten gestatten
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Kanton SchaffhausenMedikamentenabgabe nicht allen Ärzten gestatten

Auch in Zukunft dürfen nicht alle Hausärzte in Schaffhausen Medikamente direkt an ihre Patienten abgeben.

Der Kantonsrat hat am Montag eine Volksmotion abgelehnt, die dies allen Ärztinnen und Ärzten erlauben wollte.

Bislang dürfen im Kanton nur die Hausärzte in den Landgemeinden selbst Medikamente abgeben. In der Stadt Schaffhausen und in Neuhausen am Rheinfall ist dies nicht gestattet. Die Volksmotion «Sicherung der ambulanten medizinischen Versorgung der Schaffhauser Bevölkerung» forderte nun für alle die gleiche Regelung wie auf dem Land.

Medizinische Versorgung in Gefahr

Dies sei unter anderem notwendig, weil die wirtschaftliche Situation der Mediziner schlecht sei und sie diesen Zusatzverdienst bräuchten. Ausserdem seien die Schaffhauser Ärzte gegenüber den Nachbarkantonen benachteilt. Dadurch sei die medizinische Versorgung in Gefahr, weil Hausärzte keinen Nachfolger fänden. Ferner sei die direkte Medikamentenabgabe kostengünstig.

Im Gegensatz dazu stehen die Interessen der Apotheker. Durch eine Freigabe würde sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtern; rund ein Drittel der Apotheken in der Agglomeration Schaffhausen/ Neuhausen müsste voraussichtlich schliessen, wie Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf sagte. Die Versorgung der Bevölkerung würde dadurch aber nicht schlechter.

Vor der Sitzung hatten die Schaffhauser Apotheker für ihre Interessen demonstriert und Schokolade an die Kantonsrätinnen und - räte verteilt, um ihnen ihre Entscheidung zu versüssen. Die Behauptungen der Ärzte seien falsch, und die Aufgabenteilung zwischen den beiden Berufsständen habe sich bewährt. Ausser den Medizinern würde niemand von einer Änderung profitieren.

Geteilte Meinungen

Der Vorstoss in Schaffhausen steht im Gegensatz zu Bestrebungen auf Bundesebene. Die vorgesehene Revision des Heilmittelgesetzes will die Medikamentenabgabe durch Ärzte generell verbieten und nur noch in abgelegenen Gebieten erlauben. Heute dürfen Ärzte in über der Hälfte der Kantone selbst Medikamente abgeben.

Die Meinungen waren quer durch die Fraktionen geteilt. Man dürfe nicht einen Berufsstand gegen den anderen ausspielen, mahnten verschiedene Kantonsräte. Obwohl die Attraktivität des Hausarztberufs nicht allein an der Medikamentenabgabe hänge, sei die Regierung bereit, die Motion entgegenzunehmen, sagte Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf.

Es gebe plausible Argumente für und gegen diese Regelung. Die Regierungsrätin schlug vor, das Thema mit der Revision des Gesundheitsgesetzes zu regeln, die für das kommende Winterhalbjahr vorgesehen ist. Ziel sei, den Spielraum der Ärzte freier zu gestalten. «Kantonale Sonderzüge» sollten keine mehr gefahren werden.

(sda)

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