05.05.2015 04:08

Altstätten SGMedis falsch dosiert – 90-Jährige stirbt

Nach einem Unfall kam eine Rheintalerin vom Spital ins Pflegeheim. Ein Fehlerkette bedeutete ihr Tod. Das Spital entschuldigte sich, das Pflegeheim schweigt.

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taw
Die Verantwortlichen beim Pflegeheim Haus Sonnengarten lassen sich bis heute auf kein Gespräch ein. (Bild: 20M)

Die Verantwortlichen beim Pflegeheim Haus Sonnengarten lassen sich bis heute auf kein Gespräch ein. (Bild: 20M)

Die 90-Jährige Ida Hasler* war im August 2012 mit dem Bus unterwegs. Nach einer unerwarteten Vollbremsung verlor die Altstätterin laut dem «Beobachter» den Halt und stürzte. Die Folgen: Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung, Schulterbruch, Nasenbeinbruch.

Hasler erholte sich recht gut, nach einmonatigem Aufenthalt im Spital Altstätten konnte sie ins Pflegeheim Haus Sonnengarten in Altstätten verlegt werden. Nur gerade acht Tage später musste sie aber notfallmässig zurück ins Spital: Sie war ausgetrocknet, hatte deutlich an Gewicht verloren, ihre Lippen waren blutig und ihre Schleimhäute entzündet. Grund: Sie erhielt im Pflegeheim deutlich mehr Medikamente, als sie eigentlich nötig hätte. Seinen Ursprung hatte dies im Spital: «Die Patientin erhielt leider, bedingt durch einen Kommunikationsfehler mit dem Pflegeheim, fälschlicherweise Methotrexat täglich statt einmal wöchentlich», steht im Bericht des Spitals. Ein Assistenzarzt des Spitals hatte in seinem Bericht die Dosierung fürs das Krebsmedikament missverständlich angegeben. Im Pflegeheim ging man davon aus, sie brauche das Medikament täglich. Hinterfragt wurde die Dosierung im Pflegeheim nicht. Halser verstarb.

Spital entschuldigt sich

Nach dem tragischen Tod versuchte das Spital Altstätten laut «Beobachter» zuerst, die Sache zu vertuschen und führte Kreislaufversagen als Todesursache an. Die Hinterbliebenen entdeckten allerdings, dass der Austrittsbericht des Spitals zuhanden des Pflegeheims mit der unklaren Dosierungsangabe nachträglich noch geändert wurde, und zwar so, dass es auf einmal hiess, dass Methotrexat nur einmal in der Woche verabreicht werden dürfe. Auf Druck der Hinterbliebenen übernahm dann aber die Spitalleitung Ende 2013 die Verantwortung und entschuldigte sich. Nach dem Vorfall wurden zudem zusätzliche Kontrollen für die Medikamentenverschreibung eingeführt.

Pflegeheim verweigert Aussprache

Beim Pflegeheim, dem Haus Sonnengarten, sieht die Sache anders aus. In den Dokumenten des Pflegeheims fanden sich ebenfalls keine Hinweise mehr, dass Hasler das Medikament jeden Tag bekam. «Das war ungeheuerlich», so einer der Söhne zum «Beobachter». «Wir hatten unsere Mutter verloren und mussten dann auch noch feststellen, dass die Institutionen, denen wir sie anvertraut hatten, ihre Fehler vertuschten.» Mit dem Spital aber ist er wieder im Reinen: «Die Ärzte blickten uns in die Augen, gaben uns die Hand, baten um Entschuldigung. Ich glaube, das Spital hat aus seinen Fehlern gelernt. Mein Vertrauen ist wieder hergestellt.»

Die Angehörigen erheben schwere Vorwürfe gegen das Pflegeheim. «Der Zustand unserer Mutter verschlechterte sich stetig, doch niemandem fiel das auf», so eine Tochter gegenüber 20 Minuten. Erst auf Druck der Angehörigen kam Hasler wieder ins Spital. «Es war brutal, unsere Mutter hat so gelitten. Wie kann das sein, dass das im Pflegeheim niemand merkt und reagiert?», fragt sie sich.

Bis heute verweigert das Pflegeheim das Gespräch mit den Angehörigen. Eine schriftliche Erklärung an die Angehörigen wurde zwar versprochen, erhalten haben sie aber bisher nichts. Der Verwaltungsrat des Pflegeheims, der in der Sache hätte vermitteln können, hat in den Augen der Angehörigen völlig versagt. Der Verwaltungsratspräsident des Heims wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen und verwies auf interne Abklärungen, die noch im Gange seien. Und das drei Jahre nach dem Vorfall.

In einem Schreiben des Anwalts des Pflegeheims heisst es, es sei «gänzlich ungeklärt», ob dem Haus eine Pflichtverletzung angelastet werden kann – und bezweifelt, dass sich die Verstorbene und ihre Kinder überhaupt nahegestanden haben.

*Name der Redaktion bekannt

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