Grossbritannien: Medizinerpaar versklavte Buben als Hausdiener
Aktualisiert

GrossbritannienMedizinerpaar versklavte Buben als Hausdiener

Ein Arzt und eine Krankenschwester haben einen Teenager illegal ins Land gebracht und ihn wie einen Sklaven für sich arbeiten lassen. Jetzt wurde das Paar verurteilt.

von
kko

Ein erfolgreicher Gynäkologe und seine Frau hielten über 24 Jahre lang einen Jugendlichen gefangen und zwangen ihn, Hausarbeiten zu verrichten. Dies über 17 Stunden am Tag und stets durch eine Kamera überwacht.

Der 61-jährige Emmanuel Edet und seine Ehefrau Antan (58), eine leitende Pflegefachfrau in einem grossen Spital, sollen den Nigerianer 1989 im Alter von 14 Jahren illegal nach Grossbritannien gebracht haben. Dort musste er fortan als unbezahlte Putzkraft und Koch für die Familie arbeiten sowie die Kinderbetreuung und unangenehme Hausarbeiten übernehmen.

«Sohn» vs. «Parasit»

Während der Gynäkologe Karriere machte und stets gut bezahlte Jobs antrat, zog die Familie regelmässig um. Das Paar gab an, den Jungen wie einen eigenen Sohn aufgenommen zu haben. Nach Aussagen des heute 40-jährigen Opfers musste er jedoch im Hausgang auf einem Stück Schaumstoff schlafen.

Das Paar habe den Jugendlichen als «Parasiten» beschimpft und ihn – ausser für Putzarbeiten – aus den meisten Zimmern ihrer jeweiligen Wohnung verbannt. Schulunterricht und jegliche soziale Kontakte wurden ihm verweigert. Die eigenen Kinder schickten die Angeklagten auf die Universität.

Besonders paradox: Edet schrieb als Mediziner mehrere Publikationen über Kinderfürsorge und arbeitete auch für die Bezirksbehörden.

Polizei wimmelte ihn ab

Er habe sich in einem Schockzustand befunden und sei deshalb auch dann nicht geflüchtet, als er alleine zuhause war, sagte der Mann vor Gericht aus. Seine Peiniger hätten ihm eingetrichtert, er würde von der Polizei als illegaler Einwanderer festgenommen werden. Zudem waren sie im Besitz seines Passes.

2004 wagte er es einmal, einen Polizeiposten aufzusuchen, wo er aber nur wegen seines verlorenen Passes angehört und dann weggeschickt wurde.

Erst als er durch Medienberichte von moderner Sklaverei erfahren habe, sei ihm richtig klar geworden, in welcher Situation er sich befand. Daraufhin habe er sich per E-Mail heimlich an eine Organisation zu Bekämpfung von Menschenhandel gewandt, die die Polizei einschaltete. So endete seine Gefangenschaft 2013 – nach 24 Jahren.

«Neues Leben»

Die beiden ursprünglich aus Nigeria stammenden Angeklagten wurden nun von einem Londoner Gericht wegen Sklaverei, Grausamkeit an Kindern, Entführung und Beihilfe zur illegalen Einwanderung verurteilt.

Nach britischen Medienberichten hat der 40-Jährige ein neues Leben im Land begonnen, lebt in einer eigenen Wohnung, geht einer Arbeit nach und hat sogar zu studieren begonnen. Er habe trotz des Erlebten Hoffnung und sehe eine Zukunft, zitierte ihn ein hochrangiger Polizeibeamter.

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