Unpopuläre Massnahme: Medwedew erklärt der Trunksucht den Krieg
Aktualisiert

Unpopuläre MassnahmeMedwedew erklärt der Trunksucht den Krieg

Bei russischen Männern zwischen 15 und 54 Jahren ist der Alkoholismus mit Abstand die Todesursache Nummer eins. Jetzt greift Präsident Dmitri Medwedew durch - und riskiert damit seine politische Karriere.

«Wir trinken mehr als in den Neunzigerjahren, als die Zeiten wirklich hart waren», sagte Medwedew bei einem Treffen mit Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa. Medwedew kündigte bei dem Treffen am Dienstag ein mehrstufiges Programm und weitere Massnahmen gegen den Alkoholismus an, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete.

Gorbatschow machte sich unbeliebt

Der frühere russische Präsident Michail Gorbatschow erklärte im Fernsehen, das Land bewege sich wegen der weit verbreiteten Trunksucht seiner Bürger auf eine Katastrophe zu. Gorbatschow hatte bereits in den Achtzigern die staatliche Wodka-Produktion herunterfahren lassen und illegale Destillerien bekämpft. Die Kampagne löste öffentliche Empörung aus und beschädigte Gorbatschows Ansehen in der Bevölkerung nachhaltig.

Nach offiziellen Angaben sterben in Russland jährlich etwa eine halbe Million Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Die Lebenserwartung der russischen Männer ist mit durchschnittlich 59 Jahren geringer als die ihrer Geschlechtsgenossen in armen Ländern wie Bangladesch oder Honduras.

(sda)

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