Nach der Katastrophe: Medwedew feuert Beamte, das Volk trauert
Aktualisiert

Nach der KatastropheMedwedew feuert Beamte, das Volk trauert

Zwei Tage nach dem Bombenanschlag am Moskauer Flughafen Domodedowo hat Dmitri Medwedew den Regionalchef der Behörde für Transportsicherheit entlassen. Derweil trauert das Volk.

Dimitri Medwedew gab die Entscheidung am Mittwoch kurz vor seiner Abreise zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos bekannt. Zuvor hatte er laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen den Innenminister aufgefordert, «für die Transportsicherheit verantwortliche Beamte zu nennen, die entlassen oder anderweitig bestraft werden können». Der Geheimdienst FSB erhielt ähnliche Anweisungen.

Innenminister Raschid Nurgaliew habe ausserdem den Chef für Transportsicherheit am Flughafen Domodedowo sowie zwei weitere Beamte entlassen, hiess es. Einzelheiten zur Begründung wurden nicht genannt. Medwedew kritisierte lediglich die Flughafen- und Bahnpolizei im Allgemeinen und erklärte: «Die Polizisten (...) an Flughäfen und Bahnhöfen nehmen eine absolut passive Position ein.»

Nach dem Anschlag am Montag hatte Medwedew die Flughafenbetreiber und ihre Sicherheitskräfte kritisiert. Das Management des Flughafens wies die Verantwortung allerdings zurück. Für den Bereich, in dem der Anschlag durchgeführt wurde, sei die Transportsicherheitsbehörde und nicht der Flughafen selbst verantwortlich gewesen, teilten die Betreiber mit.

Trauertag in Moskau

Die Menschen in Moskau gedachten am Mittwoch mit einem offiziellen Trauertag der Anschlagsopfer. Die orthodoxe Kirche, Moscheen und Synagogen organisierten Gottesdienste. Die Behörden sagten Festveranstaltungen ab, darunter eine Miss-Wahl, wie Medien berichteten. Viele Bewohner zeigten sich resigniert angesichts der Serie von Terroranschlägen in den vergangenen Jahren in Russland.

Am Montag hatte sich ein Attentäter im Ankunftsbereich des grössten russischen Flughafens, Moskau-Domodedowo, in die Luft gesprengt. Mindestens 35 Menschen wurden getötet.

Weiterhin lagen 117 Menschen in Spitälern. 21 Verletzte seien noch immer in einem kritischen Zustand, hiess es. Die russische Fluglinie Aeroflot kündigte an, die Angehörigen der Todesopfer kostenlos nach Domodedowo und zurück zu fliegen, damit sie dort ihrer Verwandten gedenken könnten.

Spekulationen über Attentäter

Unterdessen gingen in den russischen Medien die Spekulationen über die Hintergründe der Tat weiter. Das Boulevardblatt «Moskowsky Komsomolez» berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Anschlag stehe im Zusammenhang mit einem gescheiterten Anschlag in der Silvesternacht.

Rebellen aus dem Nordkaukasus hatten demnach geplant, während der Feiern zum Jahreswechsel auf dem belebten Manege-Platz an den Mauern des Kremls einen Sprengsatz zu zünden. Der Sprengstoffgürtel sei aber noch im Haus der mutmasslichen Attentäterin explodiert. Ihre Komplizen hätten daraufhin den Flughafen als Anschlagsziel ins Auge gefasst.

Die Identität des Selbstmordattentäters blieb weiterhin ungeklärt. Während die Internetseite Lifenews.ru am Dienstag das Foto vom abgetrennten Kopf des mutmasslichen Täters zeigte, hiess es in anderen Berichten am Mittwoch, der Anschlag sei von einer Frau verübt worden.

(sda)

Olympische Spiele 2014 in Russland sind sicher

Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, sieht die Sicherheit der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi trotz der Terrorgefahr in Russland nicht beeinträchtigt. Das Attentat auf den Moskauer Flughafen Domodedowo könne sein Vertrauen in die Organisatoren der Spiele in Russland nicht erschüttern, sagte Bach dem Tagesspiegel laut Vorabbericht. Sicherheit stehe bei den Veranstaltern an erster Stelle, und er habe «keinen Zweifel, dass sichere Olympische Spiele in Zusammenarbeit mit den russischen Behörden zu gewährleisten werden».

Deine Meinung