Spektakuläre Entdeckung: Meeresschildkröte leuchtet in Neonfarben
Publiziert

Spektakuläre EntdeckungMeeresschildkröte leuchtet in Neonfarben

In der Nähe der Salomon-Inseln sind Taucher auf eine Schildkröte gestossen, die rotes und grünes Licht abgibt. Das wurde bei Reptilien noch nie beobachtet.

von
jcg

Die ersten Aufnahmen eines biofluoreszierenden Reptils überhaupt. (Video: Youtube/<a href="https://www.youtube.com/watch?v=9kmE7D5ulSA" target="_blank">National Geographic</a>)

Ende Juli war David Gruber, ein Meeresbiologe der New Yorker City-Universität, in der Südsee am Tauchen, als ihm ein «helles, rot-grünes Raumschiff» vor die Linse schwamm. Das UFO stellte sich als Echte Karettschildkröte heraus, die im Dunklen leuchtete, wie er «National Geographic» berichtet. Sie dürfte damit das erste Reptil sein, bei dem jemals eine Biofluoreszenz beobachtet wurde.

Als Biofluoreszenz wird die Fähigkeit einer Oberfläche bezeichnet, blaues Licht zu reflektieren und in einer anderen Farbe wieder abzustrahlen. Übliche Farben sind Rot, Grün und Orange. Damit unterscheidet sie sich von der Biolumineszenz, bei der Tiere durch eine Serie chemischer Reaktionen ihr eigenes Licht produzieren oder spezielle Bakterien beherbergen, die das für sie übernehmen.

Gruber, der mit der Kamera unterwegs war, um Biofluoreszenz bei kleinen Haien und Korallen zu filmen, folgte der Schildkröte rund fünf Minuten, bevor er sie ziehen liess. Experten sind von den Aufnahmen begeistert. «Ich beschäftige mich seit langem mit Schildkröten und ich glaube nicht, dass irgendjemand schon einmal so etwas gesehen hat», sagte der Schildkrötenspezialist Alexander Gaos, der an der Entdeckung nicht beteiligt war, zu «National Geographic».

Stark gefährdet

Nach seinem Fund sprach Gruber mit Einheimischen, die ihm einige Echte Karettschildkröten in Gefangenschaft zeigten. Als er sie auf Biofluoreszenz testete, leuchteten sie alle rot. Niemand weiss, weshalb die Schildkröten diese Fähigkeit haben. Gruber glaubt, dass sie sich so inmitten von biofluoreszierenden Korallen besser tarnen können.

Das zu prüfen, dürfte nicht so leicht sein. «Es könnte ziemlich schwierig werden, diese Schildkröten zu untersuchen, weil es nur so wenige gibt und sie stark geschützt sind», so Gruber. Weltweit ist ihre Population in den letzten Jahrzehnten um 90 Prozent geschrumpft. An gewissen Orten gibt es gemäss Gruber nur noch einige tausend fruchtbare Weibchen.

Echte Karettschildkröten können 90 Zentimeter lang und 75 Kilo schwer werden. Es existieren zwei Unterarten: Die Pazifische Karettschildkröte und die Karibische oder Atlantische Karettschildkröte. Beide sind vom Aussterben bedroht und unter Schutz gestellt, werden aber wegen ihres wertvollen Panzers weiterhin gejagt.

Deine Meinung